Welches Vermächtnis hinterließ jener geschichtsträchtige russische Frühling des Umbruchs?
Während andere Paare im zarten Blütenregen der Kastanien schwelgten, war ihre erste Begegnung so denkwürdig, dass das Viertel noch heute davon spricht. Oleg taufte Warja versehentlich mit dem Schlammwasser einer tiefen Pfütze. Doch statt in Tränen auszubrechen, revanchierte sie sich prompt: Ein Schneeball, fest wie ein Backstein, knallte gegen seine Windschutzscheibe. Es war wahrlich Liebe auf den ersten Volltreffer.
Der März in Charkiw ist jene Zeit, in der die Romantik Gummistiefel anzieht und ins Ungewisse stapft. „Wollen wir spazieren gehen?“, säuselte Oleg ins Telefon. „Ich besitze leider keinen Rettungsring“, gab Warja philosophisch zurück. „Keine Sorge, ich nehme dich einfach unter den Arm“, versprach er.
Ihre Verabredungen erinnerten eher an das Training einer Eliteeinheit in den Sümpfen – oder in Schneewehen, die sich plötzlich als tückische Wasserlöcher entpuppten. Warja nieste im Takt einer vorbeifahrenden Straßenbahn und lachte herzlich. „Ab nach Hause, mein tapferer Held! Ich habe ein Kilo Zitronen besorgt und Rezepte für Glühwein bereitgelegt. Wenn wir dieses Wochenende überstehen, wird unsere Liebe offiziell als Denkmal registriert.“
Sie schritten über den Gehweg, vorbei an Eisbergen aus grauem Matsch. Die Liebe war tief – mindestens bis zum Knie, denn so hoch stand das Wasser bereits im Hauseingang. Doch das kümmerte sie nicht im Geringsten. Denn in jenem „besonderen März“ zählt nicht der Glanz der Schuhe, sondern wessen Hand die deine hält, während ihr gemeinsam dem fernen April entgegengleitet.
Ein Jahr ist vergangen. Wieder ist dieser März da. Wenn das Schicksal dir Pfützen in den Weg legt – kauf dir die buntesten Stiefel und lerne, darin zu tanzen.