Eine ganz besondere Familie

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— Bin ich denn die Einzige? — antwortete sie erstaunt. — Aber nein, ich habe doch eine große Familie!

Die Frauen im Dorf lächelten skeptisch und tauschten hinter ihrem Rücken vielsagende Blicke aus. Für sie war Anna eine sonderbare Frau. Eine Familie? Ohne Ehemann, ohne Kinder, ganz allein? Doch genau diese Tiere — ihre Katzen und Hunde — betrachtete Anna als ihre wahre Familie. Es war ihr völlig gleichgültig, was die Nachbarn dachten. Wichtig war nur, dass zu Hause jene auf sie warteten, die sie wirklich brauchten. In ihrem kleinen Häuschen am Dorfrand hatten fünf Katzen und vier Hunde ein sicheres Zuhause gefunden.

Annas Arbeitstag in der Kantine endete meistens spät. Mühsam schleppte sie schwere Taschen voller Vorräte für sich und ihre Lieblinge durch die verschneiten Straßen. Obwohl sie sich fest versprochen hatte, kein weiteres Tier mehr aufzunehmen, führte ihr Weg sie an der Bushaltestelle vorbei. Dort entdeckte sie einen Hund, der sich zitternd vor dem eisigen Wind unter die Bank kauerte.

Anna seufzte tief, stellte ihre Last ab und trat vorsichtig näher. Das Tier hob kaum den Kopf, wedelte aber ganz zaghaft mit dem Schwanz. — Warum bist du hier so allein? — flüsterte sie gerührt. — Komm, wir gehen nach Hause.

Der Busfahrer, der an Annas ungewöhnliche Fracht gewöhnt war, half ihr wortlos beim Einsteigen. Im Rückspiegel sah er ihr müdes, aber von Herzen glückliches Gesicht; er wusste sofort, dass sie wieder eine verlorene Seele gerettet hatte.

Zuhause angekommen, half er ihr sogar, die schweren Taschen bis zum Tor zu tragen. Der Schnee lag hoch, und die Pforte knarrte laut in den Angeln. — Ach, achten Sie nicht darauf — winkte Anna ab. — Das muss ich bald einmal reparieren.

Aus dem Haus drang bereits freudiges Gebell und Miauen. Anna eilte hinein und öffnete die Tür. — Seht mal alle her, wir haben Zuwachs! — Mila, wie Anna die Hündin taufte, lugte noch unsicher hinter ihren Beinen hervor. Die anderen Tiere begrüßten sie neugierig, und schon bald erfüllte wieder das vertraute, warme Leben das kleine Haus.