Mit 41 Jahren noch nie untreu gewesen: Wie eine Begegnung mein freies Leben für immer veränderte
Ich bin 41 Jahre alt und habe meiner Frau niemals untreu gewesen. Doch bevor ich ihr begegnete, war ich alles andere als ein Heiliger. Ernsthafte Beziehungen kannte ich nicht; mein Leben war leicht, frei wie der Wind. Heute eine Bekanntschaft, morgen eine andere, Freitagstreffen, Samstagsausflüge. Ich versprach niemandem etwas und musste mich vor niemandem rechtfertigen.
Damals arbeitete ich als Elektriker in einer Werkstatt und verdiente gut für mein Alter. Nach der Schicht zogen wir oft mit Freunden in Bars oder auf Discos, feierten Geburtstage. Gelegentlich verbrachte ich die Nacht mit einer Frau und verschwand dann aus ihrem Leben. Nicht, weil ich ein schlechter Mensch war, sondern weil ich nichts Ernstes wollte. Ich sagte immer offen, dass ich keine Verpflichtungen eingehen konnte.
Alles änderte sich an dem Tag, als ich meine zukünftige Frau traf. In einem Krankenhaus in Kiew, wo sie ihr Praktikum als Krankenschwester absolvierte. Ich kam, um Probleme mit der Elektrik zu beheben. Sie bat mich, eine Steckdose zu reparieren, und wir kamen ins Gespräch. Sie war witzig und schlagfertig. Fragte nach meinem Namen, ich nach ihrem: Tatjana. Wir lachten, und am Ende ihrer Schicht gab sie mir freiwillig ihre Nummer. Noch am selben Abend schrieb ich ihr – nicht mit meiner üblichen Selbstsicherheit, sondern nervös und suchend, wie ein Fünfzehnjähriger, der seine Worte abwägt.
Unsere Treffen waren schlicht. Spaziergänge im Park, Eis essen, nach der Arbeit ein Abstecher in die Kantine auf kleine Mahlzeiten. Nach und nach verlor ich das Interesse an anderen Frauen; ich wollte einfach niemanden sonst. Ich spürte: Tatjana war nicht „eine von vielen“, sie war die Eine.
Als ich ihr vorschlug, uns zu treffen, sagte ich klar: „Wenn wir etwas beginnen, dann richtig und ernsthaft. Halbtöne gibt es nicht.“ Sie sah mir in die Augen und antwortete leise: „Ich teile nicht.“ Worauf ich sagte: „Ich auch nicht.“ Von diesem Tag an verstand ich: Treue bedeutet nicht nur, nicht nach anderen zu sehen, sondern sein Wort zu halten.
Unsere Hochzeit war schlicht. Wir lebten in einem gemieteten Zimmer am Stadtrand, mit einem Bett von Bekannten und einem kleinen Elektroherd. Wir arbeiteten lange, sie nachts, ich Überstunden. Von Abenteuern war keine Rede; unser Alltag war geprägt von Mühen, Müdigkeit und gemeinsamen Träumen.
Doch Versuchungen gab es. Einmal, als ich in einer Fabrik arbeitete, schrieb mir eine Kollegin nachts Nachrichten, schickte „zufällige“ Fotos und deutete an, dass ich mehr verdiente als meine müde Frau. Sie wartete einmal bei der Fabrik auf mich und schlug vor, ins Hotel zu fahren. Ich lehnte ab, stieg ins Auto und fuhr nach Hause.
Auf einem Freundesgeburtstag setzte sich ein angetrunkener Mädchen zu mir, ergriff meine Hand. Ich stand auf, suchte Tatjana und wir gingen, ohne uns zu verabschieden. Lieber grob erscheinen, als eine Grenze zu überschreiten, die man später nicht mehr zurücknehmen kann.
Freunde scherzen, ich sei „lebendig“ gewesen und nun langweilig. Vielleicht stimmt es: Einst lebte ich nur für mich, jetzt für einen anderen Menschen.
Vor kurzem fragte mich mein Sohn: „Papa, hattest du nach der Hochzeit andere Frauen?“ Ich antwortete ehrlich: nein. Er staunte, erzählte, dass bei allen seinen Bekannten die Eltern wegen Untreue getrennt seien. In diesem Moment erkannte ich, dass meine Entscheidung nicht nur unsere Ehe beeinflusst, sondern das Leben unserer Kinder.
Frei war ich als Frauenschwarm, weil ich niemandem verpflichtet war. Doch als ich merkte, dass ich mein Leben mit dieser Frau verbringen wollte, verstand ich: Treue ist kein goldener Käfig, sondern eine tägliche Wahl. Und ich habe nie bereut, dass ich sie wähle.