Der Freund meines Mannes schrie mitten unter allen: „Dicke Dummheit!“

Aus Von

— Marie, nimm besser nicht diesen Teller. Der Salat ist mit Mayonnaise, das ist doch nichts für dich, — warf Erik ein, ohne auch nur den Blick vom Grillgut zu heben, und lachte sogleich.

Zwölf Personen saßen am Tisch. Die Sommerterrasse unseres Hauses. Der Grill, den ich schon am Morgen mariniert und selbst zubereitet hatte. Die Marinade nach einem Rezept, an dem ich fast drei Jahre gefeilt hatte. Und den Salat, nebenbei bemerkt, hatte ich auch selbst gemacht.

Seit sieben Jahren das gleiche Spiel. Seit dem ersten Treffen, als Tobias ihn mir vorgestellt hatte, und Erik mich von oben bis unten musterte, pfiff und sagte: „Na, Tobias, du stehst wohl auf Frauen mit Kurven.“ Damals lächelte ich. Ich dachte, es sei ein Scherz. Rau, aber ein Scherz.

Wie sehr ich mich geirrt habe.

Tobias und ich heirateten vor acht Jahren. Ich war vierzig, er achtunddreißig. Für uns beide war es die zweite Ehe. Tobias arbeitete als Ingenieur in einem Planungsbüro, ich hatte bis dahin bereits meine zweite Filiale von „Süßes Glück“ eröffnet. Eine Kette von Konditoreien. Meine. Aus eigener Kraft aufgebaut, ohne Kredite, ohne fremde Hilfe. Drei Jahre lang investierte ich jeden verdienten Euro wieder ins Geschäft. Bei unserer Hochzeit hatte ich zwei Filialen. Jetzt waren es bereits fünf.

Erik, ein Freund von Tobias seit der Schulzeit, war fast wie ein Bruder für ihn. Sie wuchsen zusammen auf, gingen gemeinsam zum Militär, fuhren jeden Herbst angeln. Ich verstand das gut. Wahrscheinlich war genau das der Grund, warum ich so lange stillhielt.

Tobias wusste Bescheid. Ich bat ihn sogar, Erik nichts zu sagen. Ich wollte die Freundschaft nicht stören. Und Tobias schwieg.

Doch Erik ließ seine Witze weiterfliegen.

An diesem Abend stellte ich den letzten Teller — mit gebratenem Gemüse — auf den Tisch und setzte mich neben Tobias. Erik schenkte gerade Wein ein. Seine Frau Lena saß ihm gegenüber, starrte auf ihren Teller. Sie tat das immer, wenn ihr Mann wieder seine „Show“ startete.

— Marie, du solltest bis zum Sommer ein wenig abnehmen, — sagte Erik, reichte jemandem ein Glas. — Trägst du den Badeanzug? Oder wieder im Pareo versteckt?

Stille. Jemand hustete verlegen. Tobias legte seine Hand auf mein Knie. Diese vertraute Geste. „Halt durch. Er meint es ja nicht böse.“

Ich nahm mein Glas und sah Erik an.

— Erik, weißt du, dass deine Agentur noch immer die Büroraten nicht beglichen hat? — sagte ich ruhig. Ohne Vorwurf. Einfach als Fakt. Ich wusste es, weil Vicky beiläufig erwähnt hatte, dass die Verzögerung bei den Layouts mit Mietproblemen zusammenhing.

Sein Lächeln wackelte kurz. Nur für einen Augenblick. Dann lachte er wieder.

— Woher weißt du von meinem Büro? — drehte er das Glas in der Hand. — Tobias hat geschnattert? Unglaublich, Bruder.

Tobias schwieg.

Ich trank meinen Wein aus. Erik sprang sofort auf ein anderes Thema — Fußball, Urlaub, Auto. Alles wie immer. Ich dachte, na gut, passiert. Ich überlebe das schon.

Spät am Abend, als alle gegangen waren, stand ich am Spülbecken und wusch das Geschirr. Tobias kam von hinten, legte die Arme um mich.

— Entschuldige ihn. Er ist halt so.

— Ich weiß genau, wie er ist, — antwortete ich. — Aber „so ist er“ ist keine Entschuldigung.

Tobias küsste mich in den Nacken und ging schlafen. Ich stand noch immer am Waschbecken, während das warme Wasser über meine Finger lief. Ich fühlte weder Wärme noch Geborgenheit. Nur Erschöpfung. Sieben Jahre derselben Spitzen. Derselben Ausreden von Tobias. Derselben stillen Schwere am Tisch.

Einen Monat später rief Erik an. Einladung zu seinem 42. Geburtstag.

Ich backte eine Torte. Wahrscheinlich dumm. Aber ich bin Konditorin. Drei Stockwerke, Schokolade, Karamelldekor. Sechs Stunden Arbeit. Baiser separat, Füllung separat, Dekor separat. Fast vier Kilo schwer.

Tobias brachte die Schachtel vorsichtig zum Auto, als wäre es ein Kind.

— Wunderschön, — sagte er. — Erik wird ausflippen.

Und Erik war tatsächlich aus dem Häuschen. Nur ganz anders, als wir erwartet hatten.

Zwanzig Gäste. Ein Restaurant, das Erik für den Abend gemietet hatte. Langer Tisch, makellos weiße Tischdecken, Live-Musik. Lena in neuem Kleid, still wie immer. Erik im Mittelpunkt. Gebräunt, weiße Zähne, Hemd für einen Tausender. Er umarmte jeden, der kam, klopfte Männern auf die Schulter, küsste Frauen auf die Hand. Charmant, wenn man ihn nicht näher kennt.

Ich stellte die Torte auf einen separaten Tisch, hob den Deckel. Sie glänzte. Karamellfäden reflektierten das Licht. Einige Gäste fotografierten.

— Wer hat das gemacht? — fragte eine Frau im bordeauxfarbenen Kleid.

— Ich, — antwortete ich.

— Sie sind Konditorin?

— Ja.

Erik kam heran, schaute zuerst die Torte, dann mich an.

— Marie, — sagte er, — die Torte ist natürlich großartig. Aber du solltest nicht so viel Creme auf dich übertragen, oder? — und lachte. Dann wandte er sich an die Gäste. — Marie liebt Süßes, wie ihr seht. Auffällig, nicht wahr?

Er klopfte mir auf die Schulter.

Ich stand neben der vier Kilo schweren Torte, sechs Stunden Arbeit, und zwanzig Augenpaare richteten sich auf mich. Manche schauten weg. Manche zwangen ein verlegenes Lächeln. Lena betrachtete ihr Glas.

Etwas klickte in mir. Nicht Feuer. Klick. Als ob ein Schloss ins Schloss fiel.

— Erik, — sagte ich ruhig, — diese Torte kostet 1200 Euro. Sechs Stunden Arbeit. Du hast gerade jemandem, der dir ein handgemachtes Geschenk bringt, Gemeinheiten gesagt. Die Torte nehme ich zurück.

Ich schloss die Schachtel.

Stille. So dicht, dass man das Tropfen irgendwo in der Küche hörte.

— Du meinst das ernst? — blinkte Erik.

— Absolut.

Ich hob die Schachtel. Vier Kilo. Meine Hände zitterten nicht. Ich war selbst überrascht.

— Tobias, warte.

— Ich warte im Auto.

— Tobias, — legte ich die Schachtel auf die Motorhaube. — Er ist seit sieben Jahren so. Bei jedem Treffen. Ich werde nicht mehr so tun, als sei das normal. Los.

Wir fuhren. Am nächsten Morgen brachte ich die Torte in die Konditorei. Verkauft in weniger als einer Stunde.

Tobias schwieg die ganze Fahrt. Zu Hause sagte er schließlich:

— Er ist beleidigt.

— Ich auch, — antwortete ich.

An jenem Abend saß ich allein in der Küche. Draußen still. Tee in der Hand. Zwölftausend Euro — nicht viel. Sechs Stunden — nicht viel. Aber zwanzig Personen, die gesehen haben, wie ich mein Geschenk zurücknahm — neu. Ich wusste nicht, ob richtig. Aber mein Rücken war gerade. Das zählte.

Zwei Wochen später rief Erik wieder an, als sei nichts geschehen. Einladung zur Poolparty. Und scherzte: „Diesmal ohne Torten.“

Ich wollte nicht hin. Überhaupt nicht. Ich sagte Tobias, ich fahre nicht. Er nickte. Doch nach ein paar Tagen sagte er:

— Marie, dort werden Sebastian und Olga sein. Und Tim auch. Schon ewig nicht gesehen. Ich bitte dich nicht, dich mit Erik zu versöhnen. Wir fahren einfach zusammen. Für mich.

Für ihn. Acht Jahre — für ihn. Jede Feier, jedes Wochenende, jede absurde Party. Ich hatte mal gezählt: in sieben Jahren trafen wir Erik sechzig Mal. Acht bis zehn Treffen pro Jahr. Nie ohne Bemerkungen über mein Gewicht, Essen, Figur oder Kleidung.

Sechzig Treffen. Sechzig Demütigungen. Und jedes Mal lächelte ich, schwieg oder zog mich zurück. Tobias sagte immer: „Er meint es nicht böse.“

Ich fuhr.

Eriks Haus außerhalb der Stadt. Großer Garten, Pool, Grillbereich. Alles protzig, alles teuer, alles fürs Auge. Er liebte es zu zeigen: seht, was ich erreicht habe. Weiße Liegestühle, beleuchteter Pool, Musik. Achtzehn Gäste. Hälfte bekannt, Hälfte nicht.

Ich trug einen einteiligen Badeanzug und darüber eine Tunika. Größe fünfzig — ja, ich bin kräftig. Ich weiß es. Jeden Tag, beim Aufstehen, Anziehen, auf dem Weg zur Arbeit, fünf Konditoreien leiten, dreiunddreißig Personen bezahlen. Mein Gewicht — mein Gewicht. Nicht sein Thema.

Die erste Stunde ruhig. Erik kümmerte sich am Grill und redete mit neuen Gästen. Ich saß auf dem Liegestuhl, trank Limonade, plauderte mit Olga. Ich mochte Olga. Sie war ebenfalls kräftig und bekam auch ihre „Witze“ von Erik, nur seltener.

Dann kam Erik. Mit Glas. Sein typisches Lächeln. Gebräunt, fit. Stand neben mir.

— Marie, warum gehst du nicht ins Wasser? Es ist toll.

— Keine Lust, — antwortete ich.

— Ach komm! Alle baden. Oder Angst, dass der Pool überläuft?

Jemand kicherte. Zwei oder drei. Die anderen taten so, als hätten sie nichts gehört.

Ich antwortete nicht. Drehte mich zu Olga, sprach weiter. Dachte: gleich lässt er mich in Ruhe. Wie immer. Sagt etwas Gemeines, ich schweige, Abend vorbei, fahren wir heim.

Doch Erik blieb. Direkt hinter mir. Ich spürte seinen Schatten.

Und dann schrie er, dass alle es hören konnten:

— Dicke Dummheit! Ab ins Wasser!

Und stieß mich. Heftig. Mit beiden Händen. Ich stand gerade am Beckenrand.

Wasser. Schlag auf den Körper. Chlor in der Nase. Tunika sofort nass, zieht nach unten. Ich tauchte auf, klammerte mich am Rand. Ohren dröhnten. Ich sah ihn oben — er lachte, breitet die Arme aus: „Ach komm, war doch nur ein Spaß!“

Achtzehn Augenpaare sahen mich. Manche lachten. Manche schweigen. Tobias rannte zum Pool. Lena blass wie Kreide.

Ich kletterte selbst heraus. Keine Hilfe. Nasse Tunika klebte. Haare am Stirn. Handy kaputt. Achtzigtausend Euro in nassem Plastik.

Ich nahm ein Handtuch vom Nachbarliegestuhl. Wischte mein Gesicht. Hände ruhig. Ich war selbst überrascht.

— Erik, — sagte ich gleichmäßig. — Du hast mich ohne Zustimmung ins Wasser gestoßen. Mein Handy kaputt. Achtzigtausend Euro. Ich erwarte Überweisung bis morgen.

Er hörte auf zu lachen. Für einen Augenblick. Dann Lächeln wieder.

— Marie, komm schon. War nur Spaß. Kauf dir ein Neues.

— Geld bis morgen, — wiederholte ich. — Sonst Polizei. Keine Scherze, Erik. Körperliche Gewalt.

Stille. Selbst Musik leiser.

Tobias neben mir. Auch nass — er sprang hinter mir her, doch ich war schon draußen.

— Los, — sagte er. Zum ersten Mal seit sieben Jahren nicht: „Er wollte ja nicht.“

Im Auto saß ich auf dem Handtuch. Wasser lief. Nass, wütend, aber ruhig zugleich. Kalte Wut. Klar. Wie frostiger Morgen.

Erik überwies nie. Weder am nächsten Tag, noch drei Tage später, noch eine Woche. Stattdessen schrieb er Tobias: „Sag deiner Frau, keine Dramen. Spaß ist Spaß. Sie soll froh sein, dass ich sie überhaupt noch ertrage bei unseren Treffen.“

Tobias zeigte mir die Nachricht. Ich las. Etwas verschob sich in mir endgültig. Nicht zerbrach. Verschob sich. Wie ein Hebel, der lange nicht passte, jetzt einrastete.

Eine Woche später hatten wir ein Abendessen zu Hause. Teils geschäftlich. Ich lud zwei potenzielle Franchisepartner ein. Tobias seine Kollegen. Und Erik tauchte selbst auf. Rief Tobias: „Habe gehört, ihr sammelt euch. Ich komme mit Lena.“ Tobias fragte mich. Ich sagte: lass ihn kommen.

Zwölf Personen, langer Tisch. Unser Wohnzimmer, wie immer. Ich kochte zwei Tage. Nicht für Erik. Unter den Gästen Tagirov und Belousova — Besitzer einer Cafékette in Frankfurt, die meine Franchise prüften. Dieses Dinner war wichtig. Wirklich wichtig.

Erik kam in seinem typischen Hemd, brachte eine Flasche Wein für 200 Euro und Lena. Umarmte Tobias, nickte mir zu, setzte sich. Erste Stunde brav: Witze, Türkei, Lob fürs Essen. Ich dachte: vielleicht hat ihn der Poolvorfall doch etwas gelehrt.

Nein.

Beim Dessert — selbstgemachte Beeren-Törtchen — lehnte er sich zurück. Glas Rotwein, Blick ölig.

— Und Marie, sie kocht nicht nur großartig, sie isst auch prächtig, — sagte er zu Tagirov. — Tobias, wie viel schafft sie auf einmal?

Tagirov hob die Augenbraue. Belousova legte die Gabel ab.

Ich am anderen Ende. Vor mir Törtchen. Beerencreme. Vier Stunden morgens gekocht. Zwei Tage Vorbereitung. Franchisepartner. Mein Haus. Mein Tisch. Mein Essen.

Und dieser Mensch — wieder.

Innen still. Keine Wut. Stille, die Sekunden vor der endgültigen Entscheidung.

Ich stand auf. Ruhig. Griff nach dem neuen Handy, gekauft statt des zerstörten. Achtzigtausend Euro aus meiner Tasche.

— Vicky, — sagte ich ins Telefon. Wohnzimmer still. — Hier Marie. Ja, ich weiß, Abend. Hör zu, morgen früh kündige alle laufenden Verträge mit „Breeze Media“. Alle Verträge. Design, Social Media, saisonale Aktionen — alles. Grund: unzureichende Kommunikation. Ja, für alle fünf Standorte. Ja, sicher. Neuer Anbieter innerhalb einer Woche. Danke.

Ich legte das Telefon hin. Blick auf Erik.

Er verstand noch nicht. Noch nicht. Sah mich an, als spräche ich eine fremde Sprache.

— Marie, — sagte er, — was tust du?

— Erik, — antwortete ich, — „Konditor-Plus“ ist meine Firma. „Süßes Glück“ ist meine Kette. Fünf Konditoreien. Dreiunddreißig Angestellte. Sechs Jahre lang hat deine Agentur für meine Aufträge gearbeitet. 4,8 Millionen pro Jahr. Fast die Hälfte deines Umsatzes. Ich habe nachgerechnet.

Sein Gesicht veränderte sich stufenweise. Erst Verwirrung. Dann hektisches Rechnen. Dann Verständnis. Und schließlich Angst.

— Warte, — stellte er das Glas ab, Wein spritzte auf die Tischdecke. — „Konditor-Plus“ bist du? Vicky ist deine Mitarbeiterin?

Tagirov bewegte sich nicht. Belousova schaute ihn so an, wie ich Insekten anschaue, die im Teller landen.

— Marie, warte doch, — sprang Erik auf. Hände zitterten. Zum ersten Mal seit Jahren sah ich seine zitternden Hände. — Es ist Arbeit. Kein Grund, Privates reinzuziehen. Tobias und ich sind Freunde. Ich wusste es wirklich nicht!

— Du wusstest nicht, dass „Konditor-Plus“ ich bin, — nickte ich. — Aber du wusstest sehr wohl, dass ich ein Mensch bin. Und es war dir egal.

Lena bewegte sich nicht, Blick gesenkt. Wie immer.

Tobias sah mich an. Und hielt nicht ein. Zum ersten Mal acht Jahre — hielt nicht ein.

— Marie, — Erik trat auf mich zu, — lass uns reden. Nicht hier. Unter vier Augen. Ich…

— Nein, — sagte ich. — Sieben Jahre hast du mich vor allen erniedrigt. Jetzt antworte ich dir vor allen. Verträge gekündigt. Endgültige Entscheidung.

Ich setzte mich wieder. Nahm Törtchen. Biss. Beerencreme perfekt — Vanille, Himbeere, Geschmack exakt. Zufrieden mit mir.

Erik stand mitten in meinem Wohnzimmer, neben dem verschütteten Wein, mit einem Gesichtsausdruck, den ich nie zuvor gesehen hatte. Dann drehte er sich um und ging. Lena folgte. Tür knallte zu.

Stille am Tisch. Ich trank Wasser.

Tagirov räusperte sich.

— Frau Schmidt, — sagte er, — die Franchise ist wirklich sehr interessant.

Ich lächelte. Echt. Zum ersten Mal an diesem Abend.

Als die Gäste gingen, räumten Tobias und ich den Tisch. Er schwieg. Dann sagte er doch:

— Du weißt, er wird mich jetzt jeden Tag anrufen?

— Ich weiß.

— Und was sage ich ihm?

— Die Wahrheit. Dass er in mein Haus kam und die Hausherrin beleidigte.

Tobias stellte Teller in die Spüle. Sah mich an.

— Ich hätte ihn längst stoppen sollen.

Ich sagte nichts. Ja, hätte er. Aber tat er nicht. Teil dieser Geschichte.

Zwei Monate später. Erik verlor meine Verträge. 4,8 Millionen pro Jahr — erhebliche Lücke. Er musste drei Mitarbeiter entlassen. Dann zog er in ein kleineres Büro. Tobias erzählte es mir — er besuchte ihn immer noch alle zwei Wochen.

Man sagt, Erik erzählt nun allen, ich sei „nachtragend“ und „habe den Moment clever genutzt“. Dass ich „Business mit Privat vermischt“ habe. Vielleicht. Oder normale Geschäftsleute würden ihre Kundin nicht in den Pool stoßen.

Tobias besucht ihn gelegentlich allein. Ich verbiete es nicht. Er ist sein Freund. Aber an unserem Tisch saß Erik nie wieder. Und ich bin ruhig. Zum ersten Mal seit sieben Jahren — wirklich ruhig.

Nur eine Frage lässt mich noch nicht los.

Habe ich überreagiert, als ich die Verträge vor seinen Partnern kündigte? Oder ging er all die Jahre genau auf diesen Punkt zu — durch sechzig Treffen, „dicke Dummheit“, Pool? Und wie würdet ihr handeln?