„Zerstörte Träume im Garten: Wie Nachbars Enkel meinen ganzen Blaubeerstrauch vernichteten und niemand reagierte“

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– Helga, deine Enkel haben all meine Blaubeersträucher abgeerntet! – Die Nachbarin reagierte nicht einmal überrascht.

– Helga, deine Enkel haben alle meine Blaubeeren geplündert! – Ja, und? Kinder eben. – Wie bitte? Sie haben meine ganze Ernte vernichtet! – Ach, ach, beruhige dich, Tonja.

Tonja Meier spazierte jeden Morgen mit einer Tasse Tee über ihr Grundstück, überprüfte die Beete und betrachtete liebevoll ihre Obstbäume.

Ihr und ihrem Mann Peter Huber gehörten fünfzehn Ar groß, halb Garten mit Kartoffeln, Möhren, Kohl, die andere Hälfte Obstgarten mit Apfel- und Birnbäumen sowie Beerensträuchern.

Besonders stolz war sie auf ihre Blaubeersträucher. Vor fünf Jahren hatte sie die ersten Pflanzen gesetzt und wartete nun auf die erste reiche Ernte.

Daneben wuchsen Himbeersträucher, die jedes Jahr große süße Früchte trugen, und entlang des Zauns rankte eine Weinrebe mit schweren Trauben.

– Peter, sieh nur, wie die Blaubeeren reif werden! – rief sie ihrem Mann zu.
– Wunderschön, – stimmte er zu.

Im Sommer kamen ihre Enkel Max, zwölf, und Lena, zehn. Sie halfen im Garten, pflückten Beeren und badeten im Bach. Tonja schmolz vor Freude über die Kinder.

Ihre Nachbarin, Regina Bauer, hatte ein kleines Grundstück von sechs Ar ohne Gemüsebeete, nur Blumenrabatten und ein Häuschen.

Im Sommer betreute sie fünf Enkel im Alter von vier bis vierzehn Jahren, während die Eltern in der Stadt arbeiteten. Die Kinder verstanden sich mit Tonjas Enkel und rannten zwischen den Gärten umher. Tonja störte es nicht, sie genoss das Kinderlachen.

– Tante Tonja, können wir bei euch spielen? – fragten die Nachbarskinder.
– Natürlich, meine Lieben. Aber passt auf die Beete auf.

Eines Morgens entdeckte Tonja eine seltsame Szene: Einige Blaubeersträucher standen fast kahl, nur grüne, unreife Beeren hingen noch daran.

– Peter, komm schnell! – rief sie.
– Was ist los?
– Schau dir die Blaubeeren an. Wo sind die Früchte?

Peter trat näher, musterte die Sträucher.
– Seltsam. Gestern war noch alles voll.
– Vielleicht die Vögel?
– Vögel nehmen höchstens ein paar Beeren, hier ist alles weg. Jemand muss absichtlich gepflückt haben.

Tonja überprüfte die Himbeeren: auch sie waren nahezu kahl. Selbst die unreifen Früchte waren verschwunden.

– Peter, sie haben auch die Himbeeren abgeerntet! – ungläubig.
– Das kann nicht sein!

Der Fakt blieb: Gestern noch voller Beeren, heute kahl.

Am Abend setzte sich Tonja mit einem Buch auf die Bank und beobachtete den Garten. Nach einer Stunde sah sie, wie die Enkel der Nachbarin durch ein Loch im Zaun kletterten, alle fünf stürmten zu den Blaubeersträuchern.

– Schaut mal, wie blau sie sind! – jubelte die Jüngste.
– Lasst uns alles pflücken! – schlug der Älteste vor.

Die Kinder begannen systematisch, die restlichen Sträucher abzuernten, aßen unterwegs und füllten Taschen und einen gefundenen Beutel.

Tonja trat hervor:
– Was macht ihr da?

Erschrocken blieben die Kinder stehen, die Älteren versuchten, den Beutel hinter dem Rücken zu verstecken.

– Wir haben nur ein bisschen probiert, – stammelte der dreizehnjährige Michael.
– Ein bisschen? Ihr habt alles gepflückt!
– Tante Tonja, dürfen wir noch mehr nehmen? – fragte die vierjährige Katharina. – Sie schmecken so gut!
– Nein! Das sind unsere Beeren, wir haben sie selbst angebaut.

Die Kinder schlichen zum Zaun zurück. Tonja folgte ihnen und ging zur Nachbarin, die auf der Veranda saß.

– Regina, wir müssen reden. –
– Sag schon. –
– Deine Enkel haben alle meine Blaubeersträucher abgeerntet!

Die Nachbarin zuckte nicht einmal mit der Wimper.
– Na und? Kinder eben.
– Wie bitte? Sie haben meine ganze Ernte zerstört!
– Ach, ach, warum regst du dich auf? Es sind doch nur Beeren.

Tonja war fassungslos:
– Nur Beeren? Ich habe fünf Jahre daran gearbeitet, jeden Strauch gegossen, gedüngt!
– Du wirst neue pflanzen. Warum aufregen?
– Regina, kannst du dich wenigstens entschuldigen?
– Wofür? Kinder sind Kinder. Was soll man ihnen vorwerfen?

Das Gespräch war festgefahren, die Nachbarin sah das Verhalten ihrer Enkel offenbar nicht als problematisch.

Am nächsten Tag waren auch die Weintrauben verschwunden, jene, die eigentlich Ende August reif sein sollten.

– Regina! – rief Tonja über den Zaun.
– Was nun?
– Deine Enkel haben die Trauben gepflückt!
– Na und? Wahrscheinlich sauer.
– Sauer? Sie waren noch grün! Fast alle Trauben sind weg!
– Na ja, probiert und fallen lassen. Kinder eben neugierig.

Tonja spürte, wie in ihr die Wut hochkochte:
– Regina, deine Kinder zerstören meinen ganzen Garten!
– Übertreib nicht! Dein Garten ist groß und üppig.
– Was heißt groß? Ich habe jahrelang daran gearbeitet!
– Dann mach weiter.

Die Nachbarin ging ins Haus, die Tür knallte hinter ihr zu.

Am Abend erzählte Tonja Peter von dem Gespräch.
– Stell dir vor, sie hat sich nicht einmal entschuldigt! –
– Ach, was hättest du erwartet? – zuckte Peter die Schultern. – Ihr ist es lieber, wegzuschauen, als den Kindern Grenzen zu setzen.
– Aber das ist Diebstahl!
– Tonja, beruhige dich. Die Kinder sind noch klein. Sie verstehen es nicht.

– Der Älteste ist dreizehn! – erwiderte Tonja. – Er sollte wissen, dass man nichts Fremdes nimmt.

Peter seufzte. Er wollte keinen Streit mit den Nachbarn wegen Beeren.

Einige Tage später verschwanden auch die Johannisbeeren.
– Jetzt reicht’s! – sagte Tonja entschlossen.

Sie ging erneut zur Nachbarin, die gerade Blumen goss.
– Jetzt auch die Johannisbeeren!
– Welche Johannisbeeren?
– Meine! Deine Enkel klettern wieder über den Zaun!
– Ach Tonja, jetzt regst du dich wie verrückt. Die Kinder haben nur Beeren gepflückt, keine Katastrophe.
– Keine gepflückt, sondern alles abgeerntet! Meine ganze Ernte ist weg!
– Warum regst du dich über Kinder? Selbst Schuld!

Tonja konnte es kaum glauben:
– Wie soll das meine Schuld sein?
– Wer hat ihnen erlaubt, über dein Grundstück zu rennen? Sie haben gelernt, dass alles erlaubt ist.
– Ich wollte nur Gutes tun! – dachte Tonja. – Die Kinder sollen sich verstehen!
– Und? Ergebnis deiner guten Absichten!

Die Nachbarin stellte die Gießkanne ab und ging ins Haus:
– Und wenn du nicht willst, dass sie nehmen, mach den Zaun höher. Überall Löcher, jeder kann durch.
– Regina, man muss den Kindern erklären, dass man nichts Fremdes nehmen darf!
– Schon, aber sie verstehen es eh nicht.

Tonja kehrte betrübt nach Hause zurück. Setzte sich auf die Bank und weinte. Jahrelange Arbeit im Garten, die Ernte futsch.

– Tonja, warum weinst du? – tröstete Peter. – Nächstes Jahr gibt’s neue Beeren.
– Es geht nicht um die Beeren! – schluchzte sie. – Es geht darum, dass sie sich nicht einmal entschuldigt!
– Was willst du machen? – meinte Peter.

Regina hatte im Garten einen Ruf: schwierig im Umgang, aber bisher kamen Tonja und sie gut aus.

– Peter, lass uns den Zaun höher machen.
– Geht, kostet nur mehr.
– Aber sonst zerstören sie den ganzen Garten.

Am nächsten Tag begannen die Arbeiten. Peter brachte Bretter, Draht und Pfosten, arbeitete von morgens bis abends. Regina beobachtete spöttisch:
– Wie geizig! Sichern sich die Kinder mit einem Zaun!

Tonja schwieg, presste die Lippen zusammen.

Die Nachbarskinder versuchten am Zaun neue Schlupflöcher zu finden, Peter schloss alle Spalten.

– Tante Tonja, warum habt ihr den Zaun gebaut? – fragte die kleine Katharina.
– Um die Beeren zu schützen.
– Dürfen wir dann noch bei euch spielen?
– Nein, ab jetzt nicht mehr.

Der Zaun half, doch das Verhältnis war endgültig zerstört. Regina wandte sich ab, die Kinder kamen nicht mehr.

– Geizige Alte! – riefen sie über den Zaun.
– Die Geizige!

Tonja ignorierte es, doch innerlich war es schwer. Früher war der Hof voller Kinderlachen, jetzt herrschte Stille.

Regina erzählte den anderen Nachbarn ihre Version:
– Stellt euch vor, wie geizig! Den Kindern wird keine Beere erlaubt! Ein hoher Zaun!
– Und wie viele haben sie gegessen? – fragten die Nachbarn.
– Nur eine Handvoll! Und sie tut so, als wären Millionen weg!

Reginas Version wirkte vorteilhaft. Wer glaubt schon, dass Kinder alle Beeren eines Gartens essen können?

Im Dorf entstand das Bild: Tonja geizig und mürrisch, Regina die liebevolle Großmutter, die fünf Enkel allein großzieht.

Bis zum Ende des Sommers verschlechterte sich die Situation. Die Kinder, die nicht mehr in den Garten konnten, begannen, anders zu rächen: Mal flog ein Ball über den Zaun, mal Müll. Eines Morgens fand Tonja Zigarettenstummel und Papier über den Beeten verstreut.

– Regina, bring deine Enkel zur Vernunft!
– Was haben sie getan?
– Müll in den Garten geschmissen!

– Woher weißt du, dass es deine sind? Vielleicht der Wind.

Die Kinder setzten ihr Unwesen fort, spritzten Wasser über den Zaun, warfen Steine auf Fenster.

Tonja verstand: Die Großmutter stoppte sie nicht, sondern ermutigte sie.

– Peter, sollen wir die Polizei rufen?
– Tonja, wegen Kinderstreichen? Nicht nötig.
– Aber sie randalieren!
– Wir warten ab, der Sommer endet bald.

Tatsächlich verließ die lärmende Gesellschaft Ende August die Stadt. Tonja saß abends still auf der Bank, dachte an den nächsten Sommer. Wahrscheinlich bringt Regina wieder ihre fünf Enkel. Und dann? Wieder angespannte Stimmung wegen des Zauns, wieder Steine auf dem Gemüsebeet, Beleidigungen? Die Kinder halten sie jetzt für eine böse, geizige Großmutter, und ihre eigene Großmutter wird sie nicht umstimmen.

Der Garten war nun kein Ort der Freude, sondern eine Festung, in der sie nicht nur die Beeren, sondern auch ihren Frieden schützen musste.