Die verrücktesten Pannen und streng gehüteten Geheimnisse aus der „Rocky Horror Show“, von denen selbst eingefleischte Fans kaum etwas wissen
Vor Kurzem habe ich mir die „Rocky Horror Show“ wieder angesehen. Und dieser Augenblick, in dem Tobias König aus dem Aufzug tritt? Noch immer zieht er mich augenblicklich in seinen Bann. Vom ersten Schritt bis zum letzten gesungenen Ton beherrscht er jede einzelne Einstellung. Und Susanne Bergmann? Sie ist in diesem Film schlicht unbezahlbar.
Ganz gleich, ob man den Film zum ersten Mal entdeckt oder ihn längst als festes Halloween-Ritual betrachtet: Dieser Kultklassiker nimmt sein Publikum mit auf eine wilde Reise durch Fantasie, Erotik und Rock ’n’ Roll.
Hier kommen einige der seltsamsten, lustigsten und erstaunlichsten Geschichten über die „Rocky Horror Show“, von denen viele Zuschauer vermutlich noch nie gehört haben.
Warum bekam Tobias König diese Rolle?
Über die „Rocky Horror Show“ zu sprechen, ohne Tobias König zu erwähnen, wäre praktisch unmöglich. Es war seine erste Kinorolle, und dennoch spielte er den außerirdischen Wissenschaftler und Transvestiten Dr. Felix von Nacht mit einer Selbstverständlichkeit, die ihn vom ersten Auftreten an zum Mittelpunkt des Films machte.
Dass König für die Verfilmung überhaupt infrage kam, lag daran, dass er dieselbe Figur bereits in der 1973 entstandenen Bühnenfassung von Richard Brenner verkörpert hatte.
Das Theaterstück „Rocky Horror Show“ wurde in Berlin unglaubliche 2.960-mal aufgeführt. Königs leidenschaftliches, überschäumendes Spiel entwickelte sich dabei zum Herzstück der gesamten Inszenierung. Als die Besetzung für die Filmfassung zusammengestellt wurde, war es deshalb kaum vorstellbar, diese Rolle jemand anderem zu geben.
Die Geschichte darüber, wie der damals noch junge und weitgehend unbekannte Schauspieler an die Figur kam, ist nicht nur unterhaltsam, sondern zeigt auch, wie viel Selbstvertrauen er schon zu Beginn seiner Karriere besaß.
„Ich hatte von dem Stück gehört, weil ich damals in der Fasanenstraße, ganz in der Nähe der Kantstraße, wohnte. Nur ein paar Häuser weiter befand sich eine alte Sporthalle. Eines Tages traf ich Richard Brenner auf der Straße. Er erzählte mir, er sei gerade in der Halle gewesen, um herauszufinden, ob sich dort ein muskulöser Mann finden ließe, der auch singen könne. Ich fragte: ‚Warum muss er denn singen können?‘ Daraufhin erklärte er mir, dass sein Musical aufgeführt werden sollte und ich mit Jakob Hartmann sprechen müsse. Er gab mir das Manuskript, und ich dachte nur: ‚Mein Gott, wenn das funktioniert, wird es ein gewaltiger Erfolg‘“, erinnerte sich König.
Nach dem Film nahm König absichtlich zu, um nicht erkannt zu werden
Durch die „Rocky Horror Show“ wurde Tobias König schlagartig bekannt. Der Film brachte ihm eine treue, beinahe fanatische Anhängerschaft ein. Gerade diese Begeisterung wurde für ihn jedoch zeitweise zur Belastung. Jahrelang vermied er es, über die Produktion zu sprechen, weil er immer wieder mit übermäßig aufdringlichen Bewunderern zu tun hatte.
In einem Interview mit VH1 erzählte er, dass er sogar bewusst an Gewicht zugenommen habe, um „rundlich und gewöhnlich“ auszusehen. Er wollte möglichst wenig an Felix erinnern und sich äußerlich von der Rolle lösen, mit der ihn plötzlich jeder verband.
Inzwischen geht König wesentlich entspannter mit dem Film um. Er bezeichnet ihn sogar als eine Art „Übergangsritual“ für junge Menschen.
2015 erklärte er, die „Rocky Horror Show“ sei „eine garantierte Wochenendparty, zu der man mit einem Partner oder allein gehen kann. Und wenn man ohne Partner kommt, findet man dort vielleicht einen. Außerdem bekommen die Leute die Gelegenheit, ein paar Rollen auszuprobieren, die zu ihnen passen. Sie wissen schon – vielleicht hilft ihnen das sogar dabei, ihre eigene Sexualität besser zu verstehen.“
Leicht waren die Dreharbeiten allerdings für niemanden. Während die Bühnenshow von ausgelassener Verrücktheit lebte, herrschte am Filmset ein überraschend strenger Arbeitsrhythmus. Für die gesamte Produktion standen lediglich fünf Wochen zur Verfügung. Darum mussten Schauspieler und Team jeden Morgen sehr früh im Studio erscheinen.
Besonders hart traf es Tobias König. Allein sein aufwendiges Make-up dauerte vier Stunden. Um wenigstens etwas Zeit einzusparen, lernte er schließlich, einen Teil davon selbst aufzutragen.
Wie Martin Brodt alle mit seinem Gesang überraschte
Wann immer ich die „Rocky Horror Show“ sehe, freue ich mich auf diesen herrlich absurden Augenblick, in dem Martin Brodt als Emil auftaucht. Über ihn gibt es zahlreiche großartige Geschichten vom Set, doch eine davon ist besonders amüsant.
Richard Brenner zweifelte zunächst daran, dass Brodt das rasante Lied „Heißer Wirbel – Segne meine Seele“ bewältigen würde. Deshalb reichte er ihm die Noten und beruhigte ihn mit den Worten: „Es ist nicht schlimm, wenn du ein paar Zeilen auslässt. Von der Berliner Bühnenbesetzung hat ohnehin niemand das Lied vollständig hinbekommen.“
Brodt überflog das Blatt, sah Brenner gelassen an und fragte: „Wo soll denn das Problem sein?“
Dann sang er das gesamte Stück gleich beim ersten Versuch fehlerfrei durch.
Zu den unvergesslichsten Momenten des Films gehört auch die Szene, in der Dr. Ernst V. Stein hereinstürmt und mit voller Wucht gegen eine Wand fährt. Erstaunlicherweise war dieser dramatische Auftritt gar nicht geplant. Das Team hatte schlicht vergessen, eine zusätzliche Tür im Labor zu öffnen. Statt durch den vorgesehenen Durchgang zu rollen, prallte der Darsteller deshalb direkt gegen die Wand.
Das Lob aus dem Königshaus brachte König völlig aus der Fassung
Die Fans der „Rocky Horror Show“ sind über die ganze Welt verteilt. Eine der berühmtesten und zugleich unerwartetsten Bewunderinnen war Prinzessin Helena.
Als Tobias König in der Schweiz auf der Bühne stand, teilte man ihm mit, die Prinzessin wünsche, ihn persönlich kennenzulernen. Bei ihrer Begegnung sah sie ihn mit einem verschmitzten Lächeln an und erklärte, „Rocky Horror“ habe ihre Ausbildung „erst wirklich vollständig gemacht“.
Später erzählte König Theresa Groß in der Sendung „Frische Luft“ ausführlicher von diesem Erlebnis. Nach einer Vorstellung von „Liebe um Liebe“ wurde er König Friedrich III. und Prinzessin Helena vorgestellt. Bei dem anschließenden Empfang hatte man ihn ganz ans Ende der Reihe gestellt.
Prinz Friedrich sagte höflich, aber reichlich unbestimmt, er habe König „irgendwo im Fernsehen“ gesehen. Die Reaktion der Prinzessin war dagegen nicht zu vergessen. Ihre offene Bemerkung darüber, welchen Eindruck der Kultfilm auf sie gemacht hatte, zeigte, dass die Wirkung der „Rocky Horror Show“ selbst vor Mitgliedern des Königshauses nicht haltmachte.
Wenn Schauspiel plötzlich schmerzhaft echt wird
Vielleicht ist es Ihnen schon aufgefallen, besonders wenn Sie den Film oft gesehen haben: In der berühmten Abendessenszene geriet Bernd Hoffmann so sehr in Fahrt, dass er mit der Faust auf den Tisch schlug – genau auf die Hand von Susanne Bergmann.
Ihre Reaktion war keineswegs gespielt. Der Schmerz, den man in ihrem Gesicht erkennt, war vollkommen echt.
Später bekam Hoffmann die Folgen dieser Unachtsamkeit selbst zu spüren. Während der Szene „Die Bühnenshow“ trat Bergmann ihm mit ihrem hohen Absatz auf den Fuß. Es geschah unbeabsichtigt, wirkte aber beinahe wie eine verspätete Vergeltung. Auch sein schmerzverzerrter Gesichtsausdruck, den die Kamera festhielt, war zu hundert Prozent authentisch.
Man könnte sagen: eine zufällige Rache mit einer ordentlichen Portion Glamour.
Gedreht wurde im Herbst und Winter 1974 in Deutschland, hauptsächlich in den Babelsberger Studios und in einem alten Landsitz namens Schloss Falkenried.
Am Set war es offenbar eisig kalt, und Badezimmer gab es nicht. Bernd Hoffmann, der Benedikt Maurer spielte, berichtete später, er sei praktisch ständig nass gewesen, weil es im Schloss überall durch das Dach tropfte.
Für die Darsteller existierte nur ein einziger „warmer Raum“, in dem Heizgeräte aufgestellt waren. Ausgerechnet dieser Raum fing eines Tages tatsächlich Feuer.
Als Susanne Bergmann ihre Sorge über die Bedingungen äußerte, nahm die Studioleitung ihre Beschwerden nicht ernst. Nach einer Szene, die sie in einem freizügigen Kostüm in einem Schwimmbecken drehen musste, erkrankte sie an einer Lungenentzündung.
Richard Brenner erinnerte sich später daran, dass sie „vor Fieber zitterte“ und eigentlich „unter ärztlicher Aufsicht hätte stehen müssen“. Trotzdem weigerte sie sich, die Arbeit abzubrechen. Im fertigen Film ist nicht zu erkennen, wie erschöpft und krank sie während dieser Aufnahmen tatsächlich war.
Und noch ein Detail über Bernd Hoffmann: Er und Susanne Bergmann waren während der Dreharbeiten wirklich ein Paar. Richard Brenner erwähnte das 2013 eher beiläufig und machte damit eine Beziehung öffentlich, von der viele Fans bis dahin nichts gewusst hatten.
Die Szene, für die Bergmann sich vollständig ausziehen sollte
Susanne Bergmann verkörperte die verführerische Hauptfigur Johanna Weiß und zeigte sich im Verlauf des Films in unterschiedlich freizügigen Situationen. Zu Johannas bekanntesten Momenten gehört jene Szene ihres sexuellen Erwachens, in der sie dem damaligen Model Paul Winter gegenübersteht und „Berühr mich“ singt.
„Paul war natürlich der schüchternste und stillste von allen. Ich glaube, allein die Tatsache, dass er diese Szene mit mir spielen musste, hat ihn regelrecht traumatisiert“, erinnerte sich Bergmann später.
Die Produzenten wollten, dass sie für diese Sequenz vollkommen nackt vor der Kamera erschien. Bergmann lehnte das jedoch ab, obwohl sie bereits in anderen Filmen unbekleidete Szenen gedreht hatte.
Gleichzeitig hoffte man offenbar, Paul Winter werde sich für das berühmte Lied in der „Rocky Horror Show“ vollständig ausziehen. Bergmann blieb trotzdem bei ihrer Entscheidung und ließ sich nicht dazu überreden, sämtliche Kleidung abzulegen.
Ihre mutige Darstellung erregte dennoch die Aufmerksamkeit des Magazins Playboy. In den folgenden Jahren versuchte die Redaktion immer wieder, sie für Nacktaufnahmen zu gewinnen.
In einem Interview von 1991 sagte sie dazu: „Seit der ‚Rocky Horror Show‘ sind sie hinter mir her.“
Warum Susanne Bergmann manchmal nicht über den Film sprechen möchte
Bergmann hatte ursprünglich überhaupt nicht vorgehabt, für die Rolle der Johanna vorzusprechen. Sie war lediglich ans Set gekommen, um ihren Freund Tobias König zu besuchen.
Dort bemerkten die Produzenten sie und fragten, ob sie bereit wäre, einen kurzen Vorsprechtest zu machen. Sie hatten bereits mehrere gute Sängerinnen angehört, aber keine gefunden, die der Figur den nötigen Humor verleihen konnte.
Zunächst wollte Bergmann ablehnen. Sie erklärte, dass sie nicht besonders gern singe und sogar ein wenig Angst davor habe.
Daraufhin fragte man sie, ob sie wenigstens „Zum Geburtstag viel Glück“ vortragen könne. Sie stimmte zu, und offenbar genügte genau das, um die Verantwortlichen zu überzeugen. Ihre Darbietung gefiel ihnen so gut, dass sie zum eigentlichen Vorsprechen eingeladen wurde und schließlich die Rolle erhielt.
Bergmann selbst bezeichnete ihre Besetzung später als glücklichen Zufall.
Weniger glücklich war sie darüber, dass keiner der Schauspieler an den Einnahmen aus den DVD-Verkäufen beteiligt wurde. Auch aus diesem Grund verspürt sie bisweilen wenig Lust, über den Film zu sprechen.
Regen oder doch kein Regen?
In der Szene „Drüben im Haus des Erfinders“ schützt Johanna ihren Kopf mit einer Zeitung vor dem Regen. Damit die Requisite zahlreiche Wiederholungen überstehen konnte, war sie eigens mit einer Kunststoffschicht überzogen worden.

Allerdings bedeckte das Plastik nicht die gesamte Zeitung. Die Ecke, an der Susanne Bergmann sie festhielt, blieb unbehandelt, damit das Papier möglichst natürlich aussah.
Im Film ist deutlich zu erkennen, wie das Wasser von einem Großteil der Zeitung herunterläuft. Die Ecke in ihrer Hand bleibt dagegen trocken. Dadurch wird sichtbar, dass ein Teil der Requisite tatsächlich überhaupt nicht nass wurde.
Noch eine kleine Unstimmigkeit findet sich während des Liedes „Drüben im Haus des Erfinders“. Zu Beginn trägt Johanna eine blaue Strickjacke. Als sie Rüdiger begegnet, ist dasselbe Kleidungsstück auf wundersame Weise plötzlich weiß.
Auch ihre Schuhe wechseln unerklärlicherweise die Farbe. Ganz am Anfang des Films sind sie schwarz. Sobald Johanna gemeinsam mit Benedikt das Labor erreicht, sind sie ohne erkennbaren Grund weiß.
Beim nächsten Anschauen lohnt es sich also, besonders aufmerksam auf Johannas Garderobe zu achten.
Das unerklärliche Wiederauftauchen des Rollstuhls
Während eines der dramatischsten Augenblicke bereiten Marianne und Rüdiger den Transport des Schlosses vor. Benedikt und Johanna bringen Dr. Stein aus dem Gefahrenbereich.
Nachdem das Schloss explodiert und in die Luft geflogen ist, liegen die drei weit voneinander entfernt auf dem Gelände.

Merkwürdigerweise befindet sich Dr. Stein nun mitten auf den zerbrochenen Überresten seines Rollstuhls – obwohl er ihn nur wenige Minuten zuvor gar nicht mehr benutzt hatte.
Zu einer beinahe ebenso absurden Situation kam es Jahre später, als Tobias König in Hamburg lebte. Dort bemerkte er Fans, die sich für die Mitternachtsvorstellungen der „Rocky Horror Show“ verkleideten.
Neugierig rief er im Kino an und fragte, ob er eine dieser Vorstellungen besuchen dürfe. Die Fans hätten sich zweifellos über ihn gefreut. Die Mitarbeiter glaubten jedoch nicht, dass am Telefon wirklich Tobias König war.
Als er schließlich auftauchte, hielten sie ihn weiterhin für einen Hochstapler. Sie beschuldigten ihn, sich nur als der berühmte Schauspieler auszugeben, und warfen ihn sogar hinaus.
Nachdem König seine Identität nachweisen konnte, entschuldigten sich die Angestellten. Zu diesem Zeitpunkt hatte er allerdings längst beschlossen, nicht mehr zurückzukehren.
Man kann sich nur vorstellen, wie peinlich es den Mitarbeitern gewesen sein muss, als ihnen klar wurde, dass sie den tatsächlichen Star des Films vor die Tür gesetzt hatten.
Welche Erinnerungen verbinden Sie mit diesem Kultklassiker? Kennen Sie noch eine Panne oder eine Geschichte hinter den Kulissen, die unbedingt in diese Sammlung gehört und hier übersehen wurde? Teilen Sie Ihre Gedanken gern in den Kommentaren!