Nach Feierabend entdeckte ich immer wieder seltsame Flecken in der Unterwäsche meiner Frau. Überzeugt davon, dass sie mich betrog, versteckte ich heimlich eine Kamera in ihrem Büro – doch als ich sah, was dort wirklich geschah, blieb mir die Sprache weg…
Zehn Jahre – ist das eine Ewigkeit oder nur ein Augenblick? Für Martin waren diese Jahre zu einem eigenen Leben geworden, eingespannt zwischen dem Dröhnen der Maschinen in der Möbelfabrik und den stillen Abenden in ihrer kleinen Zweizimmerwohnung. Katharina hatte er auf der Hochzeit ihres gemeinsamen Freundes Tobias kennengelernt. Damals war Martin ein junger, etwas zerzauster Mann gewesen, der gerade erst bei der Möbelfirma „Meisterholz“ angefangen hatte. Katharina dagegen war noch Studentin – zierlich, in einem leichten Kleid, und sie wirkte zwischen all den Gästen beinahe so, als wäre sie aus einer anderen Welt zufällig dort gelandet.
Alles zwischen ihnen ging erstaunlich schnell. Zuerst hatten sie zu einem alten bekannten Lied getanzt. Danach waren sie stundenlang durch die nächtlichen Straßen gelaufen, und wenig später folgte ihr erstes unbeholfenes richtiges Treffen im Stadtpark. Nicht einmal ein Jahr später standen sie bereits vor dem Traualtar und steckten einander die Ringe an. Bald darauf begann auch Katharina in derselben Firma zu arbeiten. Allerdings nicht dort, wo Maschinen kreischten und es nach Sägespänen und Lack roch, sondern im sauberen Verwaltungstrakt, in der Verkaufsabteilung, wo sich der Duft von frischem Kaffee, Parfüm und neuen Produktkatalogen in der Luft mischte.
Martin liebte seine Arbeit tatsächlich. Er gehörte zu jenen seltenen Handwerkern, bei denen Kollegen davon sprachen, sie hätten „goldene Hände“. Holz musste ihm nichts erklären. Er wusste, wie man widerspenstige Eiche bearbeitete, wie man Esche so schliff, dass ihre natürliche Maserung erst richtig lebendig wurde, und wie aus ein paar Brettern etwas entstand, das Jahrzehnte halten konnte. Sein Alltag war überschaubar, verlässlich und vertraut – bis jener Herbst kam, an dem eine winzige Beobachtung plötzlich alles veränderte.
Martin war ein ordentlicher Mensch, manchmal beinahe übertrieben ordentlich. Samstags kümmerte er sich grundsätzlich um die Wäsche. Zwischen ihm und Katharina hatte sich diese Aufteilung irgendwann ganz selbstverständlich ergeben: Sie bereitete sonntags das Mittagessen vor, während er Wäsche, Staubsauger und die schwereren Arbeiten im Haushalt übernahm. Eines Abends stand Martin vor dem Wäschekorb, sortierte die Sachen und hielt plötzlich inne.
Zwischen seinen Arbeitsshirts und der Kleidung, die sie zu Hause trugen, lagen mehrere Slips seiner Frau. Zunächst bemerkte er zwei. Dann fand er noch zwei. Darunter lagen weitere. Martin wusste genau, dass der Korb am Montagmorgen leer gewesen war. Am Dienstagabend hatten bereits zwei Unterhosen von Katharina darin gelegen. Am Mittwoch waren wieder zwei dazugekommen. Bis Freitag war zwischen seinen Sachen überall Spitze, Baumwolle und feiner Stoff zu sehen.
„Warum wechselt sie während eines einzigen Arbeitstages zweimal die Unterwäsche?“, fragte er sich zum ersten Mal.
Er sprach Katharina nicht sofort darauf an. Martin wollte zunächst beobachten, ob er sich vielleicht irrte. Doch in der folgenden Woche geschah genau dasselbe. Und in der Woche danach ebenfalls. Morgens verließ Katharina die Wohnung in einem bestimmten Set, abends lagen im Wäschekorb zuverlässig zwei weitere Slips.
Ansonsten schien sie unverändert. Sie war freundlich, ruhig und liebevoll wie zuvor. Mit zweiunddreißig besaß Katharina noch immer jene Leichtigkeit, die Martin damals auf Tobias’ Hochzeit sofort aufgefallen war. Ihre Gesichtszüge waren mit den Jahren reifer geworden, ihre Figur weiblicher, ihr Blick ernster und tiefer. Früher hatte Martin darin nur Wärme gesehen. Nun begann er sich einzureden, hinter diesem Blick verberge sich etwas, von dem er nichts wissen sollte.
Misstrauen verhält sich wie eine Infektion. Zuerst ist es kaum wahrnehmbar. Ein kleiner Gedanke, den man problemlos fortschieben könnte. Doch sobald er Nahrung bekommt, wächst er. Dann reicht irgendwann ein Blick, eine Bewegung oder ein zufälliges Schweigen, und plötzlich scheint alles eine Bedeutung zu besitzen.
Martin begann, die Männer in Katharinas unmittelbarer Umgebung genauer zu betrachten.
Die Verkaufsabteilung lag in einem eigenen Flügel des Verwaltungsgebäudes. Drei Männer arbeiteten dort regelmäßig mit ihr zusammen. Der erste war Herr Weber, ein älterer Mitarbeiter kurz vor dem Ruhestand, der beinahe ständig über Tabellen, Kalkulationen und Auftragslisten gebeugt saß. Der zweite war ein junger Praktikant, der meistens so sehr mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt war, dass er kaum bemerkte, was um ihn herum geschah.
Und dann war da Daniel.
Daniel war ungefähr dreißig, groß, sportlich und trug seine Hemden immer so makellos gebügelt, als kämen sie gerade aus einer Boutique. In Martins Augen verkörperte er das genaue Gegenteil von ihm selbst. Martins Hände waren rau, übersät mit winzigen Schnitten und Kratzern, und selbst nach dem Waschen blieb manchmal noch feiner Holzstaub an der Haut hängen. Daniel dagegen wirkte stets sauber, souverän und gepflegt.