„Das esse ich nicht“: Mit 51 zog ich zu einem Mann, der meine selbst gemachten Frikadellen in den Müll warf – in diesem Augenblick erkannte ich, mit wem ich wirklich zusammenlebte
Vielleicht spare ich auf diese Weise Kraft für etwas Wichtigeres. Wofür genau, weiß ich selbst noch nicht.
Ich möchte hier keine fertigen Sätze schreiben wie: „Alles wird sich ändern“ oder „Ich werde ganz sicher den Mut finden und gehen.“ Vielleicht werde ich das. Vielleicht brauche ich länger. Im Moment stecke ich noch mitten in dieser Geschichte und kann sie nicht aus der sicheren Entfernung eines Lesers betrachten, der bereits auf der letzten Seite angekommen ist und weiß, wie alles ausgeht.
Was ich inzwischen verstanden habe, ist etwas anderes: Aus meiner schönen Geschichte über eine Liebe, die ich nach fünfzig noch gefunden zu haben glaubte, wurde schleichend ein Alltag, in dem ich jedes Wort, jeden Anruf, jedes Treffen und jeden Einkauf abwäge.
Und ich denke immer wieder an diese Frikadellen im Müll. An das Essen, das ich mit meinen Händen zubereitet hatte und das ein Mann wegwarf, den ich einmal beinahe für meine Rettung gehalten hatte.
Ein Ende hat diese Geschichte noch nicht. Ich befinde mich irgendwo in der Mitte eines Kapitels, das den Titel tragen könnte: „Und was mache ich jetzt?“
Wenn Sie diese Zeilen lesen und in meinen weggeworfenen Frikadellen etwas Eigenes wiedererkennen – ein Abendessen, ein Geschenk, eine liebevolle Geste, ein Gespräch, eine Anstrengung oder eine Demütigung –, dann reden Sie sich bitte nicht ein, es sei alles halb so schlimm, nur weil dieser Mensch vor anderen freundlich, höflich und makellos wirkt.
Ein Schaufenster und der Raum dahinter können offenbar zu zwei völlig verschiedenen Welten gehören.
Und ich habe eine Frage an diejenigen, die bis hierher gelesen haben. Vielleicht hat jemand von Ihnen etwas Ähnliches erlebt. Es müssen keine Frikadellen gewesen sein. Es geht um dieses Gefühl, wenn die eigene Mühe, die eigenen Gefühle und irgendwann sogar die eigene Würde im Leben des anderen immer weniger zu zählen scheinen.
Woran haben Sie erkannt, dass Sie nicht länger so tun konnten, als sei alles normal? Was war der Augenblick, der Sie dazu gebracht hat, tatsächlich etwas zu verändern? Und was haben Sie danach getan?
Schreiben Sie es ehrlich. Im Moment brauche ich weniger die üblichen tröstenden Sätze als echte Lebenserfahrung: Was hat wirklich geholfen? Welche Fehler sollte man vermeiden? Und wann haben Sie begriffen, dass man aufhören muss, sich alles schönzureden, und die eigene Situation einmal von außen betrachten sollte?