Eine Frau im roten Kleid stieg in ein gewöhnliches Taxi — doch als ein Verkehrspolizist den Fahrer vor ihren Augen erniedrigte, ahnte er nicht, wen er wirklich vor sich hatte

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Eine Frau im roten Kleid stieg in ein gewöhnliches Taxi — doch als ein Verkehrspolizist den Fahrer vor ihren Augen erniedrigte, ahnte er nicht, wen er wirklich vor sich hatte

Die Berliner Verkehrspolizistin Katharina Berger war auf dem Heimweg nach einem langen, kräftezehrenden Arbeitstag. Um schneller nach Hause zu kommen, bestellte sie sich ein ganz normales Taxi. Der Mann am Steuer konnte nicht einmal erahnen, dass auf dem Rücksitz seines Wagens eine Frau saß, die im Polizeipräsidium der Hauptstadt eine verantwortungsvolle Position innehatte.

Katharina trug an diesem Abend ein schlichtes rotes Kleid. Nichts an ihrem Äußeren verriet, dass sie sonst Uniform trug, Einsätze leitete und im Dienst mit Gesetzesverstößen zu tun hatte.

In diesen Tagen hatte Katharina Urlaub. Vor ihr lag ein wichtiges Familienereignis: die Hochzeit ihres jüngeren Bruders. An diesem Tag wollte sie wenigstens für ein paar Stunden nicht an Akten, Meldungen und Dienstpläne denken, sondern einfach nur Schwester sein.

Während der Fahrt sagte der Fahrer plötzlich:

— Heute müssen wir leider durch dieses Viertel fahren, obwohl ich normalerweise versuche, es zu meiden.

Katharina hob interessiert den Blick zu ihm.

— Weshalb?

Der Taxifahrer atmete schwer aus.

— Hier stehen oft Kollegen von der Verkehrskontrolle. Einer von denen legt es ständig auf Fahrer an, verlangt Geld und schreibt Bußgelder aus, obwohl gar nichts passiert ist. Und wenn jemand widerspricht, wird er laut, droht oder greift auch mal grob zu.

Nach einer kurzen Pause fügte er leiser hinzu:

— Ich hoffe wirklich, dass wir ihm heute nicht begegnen. Sonst ist der Tagesverdienst weg, selbst wenn man keinen einzigen Fehler gemacht hat.

Die Worte des Mannes ließen Katharina aufhorchen.

Konnte so etwas tatsächlich geschehen? Missbrauchte wirklich jemand Uniform und Dienststellung, um sich auf Kosten anderer zu bereichern?

Einige Minuten später tauchte vor ihnen eine Kontrollstelle auf. Mehrere Polizisten hielten Fahrzeuge an und prüften die Papiere. Die Leitung hatte Polizeiobermeister Markus Keller.

Kaum war das Taxi nähergekommen, hob er die Hand und befahl dem Fahrer, rechts heranzufahren.

Als er an den Wagen trat, fuhr er den Mann hinter dem Steuer scharf an:

— Sofort aussteigen! Wo wollen Sie denn so hinrasen? Glauben Sie, die Straßenverkehrsordnung gilt für Sie nicht? Das wird ein Bußgeld — fünfhundert Euro.

Dabei zog er sein Dienstnotizbuch hervor.

Der Fahrer hieß Tobias. Als er die Summe hörte, wurde er sichtbar blass.

— Entschuldigen Sie, aber ich habe nichts falsch gemacht. Wofür soll ich denn zahlen? So viel Geld habe ich nicht. Wo soll ich fünfhundert Euro hernehmen?

Doch sein Versuch, sich zu erklären, machte den Beamten nur noch wütender.

— Sie wollen also auch noch diskutieren? Wenn Sie kein Geld haben, warum setzen Sie sich dann ans Steuer? Führerschein und Fahrzeugpapiere her. Vielleicht gehört Ihnen der Wagen ja nicht einmal.

Tobias reichte ihm ohne Zögern alle Unterlagen. Die Prüfung ergab, dass mit den Papieren alles in bester Ordnung war.

Doch Markus Keller schien nicht im Geringsten daran zu denken, die Sache zu beenden.

— Papiere in Ordnung? Das heißt noch lange nichts. Zahlen müssen Sie trotzdem. Geben Sie wenigstens dreihundert Euro. Sonst lassen wir das Auto abschleppen und auf den Verwahrplatz bringen.

Katharina beobachtete alles schweigend. Direkt vor ihren Augen spielte sich der klare Versuch ab, Druck auf einen Menschen auszuüben, der nur ehrlich arbeitete und seinen Lebensunterhalt verdiente.

Obwohl in ihr Empörung aufstieg, blieb sie ruhig. Sie wollte sehen, wie weit dieser Beamte noch gehen würde.

Tobias sagte beinahe flehend:

— Bitte, verstehen Sie mich doch. Ich habe heute erst fünfzig Euro verdient. Zu Hause warten Kinder auf mich. Ich sitze von früh bis spät hinter dem Steuer, nur damit ich meine Familie ernähren kann. Ich habe einfach nichts, womit ich so eine Summe bezahlen könnte.

Doch diese Worte erreichten den Polizisten nicht.

Er packte den Fahrer grob am Kragen und zog ihn ruckartig zu sich heran.

— Kein Geld, aber hier arbeiten wollen! Glauben Sie, die Straße gehört Ihrer Familie? Und dann auch noch den Mund aufmachen! Sie kommen jetzt mit zur Wache, dort reden wir anders weiter.

Das konnte Katharina nicht länger unbeantwortet lassen.

Sie trat entschlossen nach vorn und stellte sich zwischen den Beamten und den Fahrer.

— Herr Polizeiobermeister, Ihr Verhalten verstößt gegen geltendes Recht. Dieser Mann hat keine Ordnungswidrigkeit begangen, und Sie verlangen Geld von ihm und wenden körperliche Gewalt an. Ein solches Auftreten ist für einen Polizeibeamten unzulässig. Lassen Sie ihn sofort los.

Für einen Augenblick erstarrte Markus Keller. Offenbar hatte er nicht erwartet, dass irgendjemand den Mut haben würde, sich mitten auf der Straße einzumischen und ihm zu widersprechen.

Ein paar Sekunden lag eine gespannte Stille über der Kontrollstelle. Sogar seine Kollegen hielten inne und sahen herüber.

Dann verzog Markus den Mund zu einem spöttischen Lächeln.

— Und wer sind Sie, dass Sie mir erklären wollen, wie ich meinen Dienst zu machen habe?

Katharina sah ihm ruhig in die Augen.

— Darum geht es im Moment nicht. Entscheidend ist, dass Sie Ihre Befugnisse überschreiten.

— Ach wirklich? — zog der Beamte höhnisch die Worte in die Länge. — Sind Sie etwa Anwältin?

— Nein. Aber ich kenne das Gesetz gut genug.

Tobias blickte unruhig von Katharina zu dem Polizisten. Er spürte, dass die Lage von Minute zu Minute gefährlicher wurde.

Markus ließ den Kragen des Fahrers los und machte einen Schritt auf die Frau zu.

— Hören Sie, Bürgerin. Mischen Sie sich nicht in Polizeiarbeit ein. Sonst werden Sie zusammen mit ihm zur Verantwortung gezogen.

— Ich stehe zu jedem Wort, das ich gesagt habe, — erwiderte Katharina fest.

Sie nahm ihr Telefon heraus und startete die Aufnahme.

Das Gesicht des Beamten veränderte sich kaum merklich.

— Was erlauben Sie sich?

— Ich dokumentiere, was hier geschieht. Sie haben gerade Geld von einem Mann verlangt, der keine Verkehrsregel verletzt hat. Außerdem haben Sie körperlich auf ihn eingewirkt.

— Das stimmt nicht!

— Dann müssen Sie sich auch keine Sorgen machen. Die Aufnahme wird zeigen, was passiert ist.

In diesem Moment wurde einer der jüngeren Polizisten an der Kontrollstelle sichtbar nervös. Er wusste sehr genau, dass die Frau die Wahrheit sagte.

In den vergangenen Monaten hatten viele ähnliche Szenen gesehen.

Aber niemand hatte sich getraut, eine Beschwerde einzureichen.

Markus nutzte die Beziehungen eines Verwandten, der in einer Behörde eine hohe Stellung bekleidete. Genau deshalb hatte er sich längst daran gewöhnt, sich unangreifbar zu fühlen.

— Schalten Sie das Telefon aus, — verlangte er.

— Nein.

— Das ist eine dienstliche Anweisung.

— Sie sind nicht berechtigt, mir solche Anweisungen zu erteilen.

In Katharinas Stimme lagen eine solche Ruhe und Sicherheit, dass der Beamte allmählich die Beherrschung verlor.

— Halten Sie sich für besonders klug?

— Ich halte es für selbstverständlich, dass jeder Polizeibeamte das Gesetz einhält.

Ringsum begannen Autos langsamer zu werden. Einige Fahrer stiegen aus.

Neugierige Menschen verfolgten den Streit.

Jemand hatte bereits sein Handy gezückt und filmte die Szene.

Markus bemerkte es und geriet noch stärker in Wut.

Er war es gewohnt, einzelne Menschen unter Druck zu setzen, nicht aber im Blickfeld dutzender Zeugen zu stehen.

— Ich warne Sie zum letzten Mal: Behindern Sie nicht die Polizeiarbeit!

Katharina richtete den Blick auf seine Dienstmarke.

— Gut. Dann nennen Sie bitte den Grund, aus dem Sie dieses Fahrzeug angehalten haben.

Der Polizist öffnete den Mund, fand aber nicht sofort eine Antwort.

— Kontrolle der Unterlagen.

— Die Unterlagen waren vollständig und in Ordnung.

— Ja.

— Auf welcher Grundlage haben Sie dann ein Bußgeld verhängt?

Ein langes Schweigen folgte.

Tobias spürte zum ersten Mal an diesem bitteren Tag einen schwachen Funken Hoffnung.

Ein Passant sagte leise:

— Stimmt eigentlich. Wofür soll er zahlen?

Kurz darauf war eine andere Stimme zu hören:

— Wir haben alles mitbekommen. Erst wollte er fünfhundert, dann dreihundert.

Die Menschenmenge begann zu murmeln.

Die Situation kippte immer schneller zu Ungunsten des Beamten.

Da beschloss Markus, härter aufzutreten.

— Schluss jetzt. Der Fahrer kommt zur Dienststelle für eine zusätzliche Überprüfung.

— Auf welcher Rechtsgrundlage? — fragte Katharina sofort.

— Das ist dienstlich intern.

— Nein. Jede Einschränkung der Rechte eines Bürgers braucht eine gesetzliche Begründung.

Markus begriff, dass ihm das Geschehen entglitt.

Er wollte diese unbequeme Frau so schnell wie möglich loswerden.

— Wer sind Sie überhaupt?

Katharina schwieg einige Sekunden.

Dann zog sie ihren Dienstausweis hervor.

Sie klappte das Dokument auf und zeigte es dem Beamten.

Zunächst warf er nur einen flüchtigen Blick darauf.

Doch schon im nächsten Moment wich die Farbe aus seinem Gesicht.

Sein Lächeln verschwand sofort.

Seine Hände zitterten kaum sichtbar.

Vor ihm stand keine zufällige Fahrgästin.

Vor ihm stand eine leitende Beamtin der Direktion, deren Name vielen im Berliner Polizeidienst gut bekannt war.

Mehrere Sekunden brachte Markus kein Wort heraus.

— Ist jetzt klar, wer ich bin? — fragte Katharina ruhig.

Die Umstehenden sahen einander überrascht an.

Tobias hatte vollends die Sprache verloren.

Er hätte sich nie vorstellen können, dass seine gewöhnliche Passagierin eine derart hochrangige Person sein würde.

Der Beamte versuchte, sich wieder zu fassen.

— Frau Berger… hier liegt ein Missverständnis vor…

— Wirklich?

— Sie haben die Situation falsch verstanden.

— Tatsächlich?

Sie sah ihn so an, dass der Mann unwillkürlich den Blick senkte.

— Dann erklären Sie bitte allen Anwesenden, weshalb Sie Geld verlangt haben.

Eine Antwort kam nicht.

— Erklären Sie, weshalb Sie damit gedroht haben, den Wagen abschleppen zu lassen.

Wieder Stille.

— Erklären Sie, weshalb Sie Gewalt gegen den Fahrer angewendet haben.

Markus spürte, wie ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wurde.

Zum ersten Mal seit langer Zeit befand er sich in der Lage eines Menschen, der sich selbst rechtfertigen musste.

Katharina nahm ihr Diensttelefon heraus.

— Leitstelle?

Als der Beamte dieses Wort hörte, verstand er endgültig: Jetzt würden die Folgen ernst werden.

— Bitte schicken Sie Einsatzkräfte der Internen Ermittlungen an diesen Abschnitt. Die dienstlichen Handlungen von Polizeiobermeister Markus Keller müssen überprüft werden.

Das Gesicht des Mannes wurde kreideweiß.

Einige seiner Kollegen traten vorsichtig zur Seite.

Niemand wollte für seine Taten gemeinsam mit ihm einstehen.

Etwa zwanzig Minuten später trafen die Ermittler am Ort ein.

Die offizielle Befragung der Zeugen begann.

Zu Katharinas Überraschung gab es viele Menschen, die bereit waren auszusagen.

Ein Fahrer berichtete, er habe vor zwei Monaten vierhundert Euro abgeben müssen.

Ein anderer sprach von regelmäßigen Geldforderungen.

Ein dritter zeigte gespeicherte Nachrichten von Kollegen, in denen sie sich gegenseitig gewarnt hatten, diesen Abschnitt zu meiden.

Das Bild wurde immer deutlicher.

Es handelte sich nicht um einen Einzelfall.

Vor den Prüfern trat nach und nach ein ganzes System illegaler Erpressung zutage.