Fremde Spielregeln: Wie eine einsame Frau in Dubai einem reichen Verführer vertraute, ihren Mann verriet und erst im Schmerz verstand, warum glänzende Versprechen in den Emiraten gefährlich sein können
Verlassen.
Ich setzte mich auf eine Bank und bedeckte das Gesicht mit den Händen. Ich wollte schreien, aber aus meiner Brust kam nur ein Flüstern. Ich redete mir ein, dass es nicht umsonst war, dass Karim mich nicht betrügen würde. Er war doch nicht so. Er konnte nicht.
Das Handy klingelte.
— Alles läuft nach Plan, — sagte er. — Das Geld ist schon unterwegs. In ein paar Tagen komme ich. Wir feiern.
Seine Stimme klang wieder wie Musik. Und ich glaubte. Wenigstens bis zum Morgen.
Doch der Morgen kam ohne ihn. Der Tag verging in Stille. Dann noch einer. Das Handy schwieg. Ich schrieb: „Wo bist du? Was ist mit dem Geld?“ Als Antwort blieb ein grauer Haken.
Am dritten Tag verstand ich. Er war verschwunden.
Ich saß auf dem Boden zwischen Koffer und Papieren. Pass, Unterlagen, leeres Konto. Alles wirkte unwirklich. Karim war fort, und mit ihm acht Millionen Rubel. Acht Millionen, die nicht mir gehörten.
Ich starrte auf seine letzte Nachricht: „Du bist mein Schicksal.“ Und zum ersten Mal begriff ich: Schicksal gibt es wirklich. Nur ist es manchmal kein Geschenk, sondern ein Urteil.
Drei Tage vergingen. Dann vier. Dann eine Woche. Das Handy blieb stumm. Morgens und abends schrieb ich, hielt es fest in den Händen, als könnte ich durch Plastik hindurch Schmerz übertragen.
„Karim, antworte. Wo bist du? Du hast versprochen zurückzukommen. Bitte, schreib nur ein Wort.“
Die Nachrichten blieben grau wie Asche.
Zuerst glaubte ich es nicht. Ich dachte, er sei krank. Das Handy kaputt. Er sei wegen dringender Geschäfte fort. Doch dann flüsterte die Intuition — diese weibliche, genaue und grausame —: Er ist nicht weg aus Zufall. Er ist nicht tot. Er hat dich einfach gelöscht wie eine unnütze Nummer.
Ich ging in das Restaurant, in dem wir gegessen hatten. Der Kellner erinnerte sich an keinen Karim. Ich rief in der Notarkanzlei an — die Nummer war ungültig. Ich schrieb an die E-Mail-Adresse, von der die Dokumente gekommen waren. Die Mail kam zurück: Adresse existiert nicht.
Da brach alles zusammen.
Ich saß im Hotel auf dem Bett zwischen Koffern. Draußen leuchteten Lichter, Musik donnerte, Menschen lachten. In mir aber waren Stille, Leere und Schwärze.
Ich öffnete seine Fotos. Auf jedem Bild — Augen, Lächeln, Hände, das Meer im Hintergrund. Alles sah echt aus. Lebendig. Doch nun wirkten diese Augen fremd, bodenlos wie ein Loch.
Die Tränen kamen von selbst. Ich weinte laut, ohne Scham, wie ein Kind. Niemand hörte mich. Niemandem war es wichtig.
Am nächsten Tag kam ein Schreiben der Bank: „Die Mittel von Ihrem Konto wurden vollständig überwiesen. Bestätigung im Anhang.“
Ich öffnete die Datei und sah die Summe — acht Millionen. Mein Herz schien stehen zu bleiben. Ich las wieder und wieder. Erst da begriff ich endgültig: Das Geschäft war durch. Der Lkw verkauft. Das Geld weg.
Ich lief durchs Zimmer wie in einem Käfig. Ich wollte Thomas anrufen, konnte aber nicht. Was sollte ich sagen? „Verzeih, ich habe dein Leben wegen schöner Worte verkauft?“
Ich konnte nicht atmen.
Am Abend ging ich zur Rezeption.
— Kennen Sie Karim? — fragte ich.
Die Frau mit Kopftuch sah verwundert auf.
— Welche Zimmernummer?
Ich wusste es nicht. Ich hatte nie gewusst, wo er wohnte. Er war immer zu mir gekommen. Immer er.
In diesem Moment wurde alles klar.
Ich ging hinaus. Die Luft war heiß, roch nach Staub und Benzin. Menschen liefen vorbei — gebräunt, glücklich, eilig. Und ich stand allein in einer fremden Stadt, in der niemand wusste, dass ich gerade alles verloren hatte.
Meine Beine trugen mich zum Meer. Ich setzte mich direkt in den Sand. Die Wellen liefen mir entgegen, als flüsterten sie: „Du hast diesen Weg selbst gewählt.“
Ich weinte bis zum Morgengrauen. Sand klebte an Gesicht, Haaren, Tränen. Als die Sonne aufging, kehrte ich ins Hotel zurück und kaufte das nächstbeste Ticket nach Hause.
Vor dem Abflug öffnete ich den Koffer und fand das Amulett. Den grünen Stein gegen den bösen Blick. Ich hielt ihn in der Hand, bis die Kälte des Metalls in Wut umschlug. Dann trat ich auf den Balkon und warf ihn mit aller Kraft hinunter. Er schlug auf Steinplatten auf und zerbrach in drei Teile.
— Da hast du es, Karim, — flüsterte ich. — Da ist dein Glück.
Dann schloss ich den Koffer und fuhr zum Flughafen.
Im Flugzeug durfte ich nicht weinen. Neben mir saßen Touristen, lachten und sprachen über Einkäufe. Ich sah aus dem Fenster. Unter uns verschwanden die Lichter Dubais und wurden zu einer glänzenden Streuung.
Die Stadt, die mir ein Wunder versprochen hatte, war zu einer Wüste aus Glas und Betrug geworden.
In meiner Brust wuchs nur noch ein Gefühl — Angst. Angst vor der Rückkehr. Angst vor dem Geständnis. Angst vor mir selbst. Ich wusste: Das Schlimmste wartete zu Hause.
Das Flugzeug landete unter grauem Morgenhimmel. Schnee, Wind, Kerosingeruch. Alles wirkte fremd, als wäre ich nicht nach Hause zurückgekehrt, sondern in das alte Leben, aus dem ich hatte fliehen wollen.