Fremde Spielregeln: Wie eine einsame Frau in Dubai einem reichen Verführer vertraute, ihren Mann verriet und erst im Schmerz verstand, warum glänzende Versprechen in den Emiraten gefährlich sein können

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Fremde Spielregeln: Wie eine einsame Frau in Dubai einem reichen Verführer vertraute, ihren Mann verriet und erst im Schmerz verstand, warum glänzende Versprechen in den Emiraten gefährlich sein können

— Nein, das kann ich nicht.

— Doch. Für Ihr Lächeln.

Ich nahm die Ohrringe. Sie waren leicht und warm, als hätten sie die Sonne gespeichert. Ich bedankte mich und ging, doch seinen Blick spürte ich noch lange auf mir.

Am Abend saß ich auf dem Balkon, hielt die Ohrringe in der Hand und dachte: „Warum hat er das getan? Nur Höflichkeit? Händlertrick?“ Doch tief in mir regte sich bereits etwas Gefährliches. Das Gefühl, dass das Leben mich wieder mit den Augen eines Mannes ansah.

Am nächsten Tag ging ich wieder zum Markt. Ich sagte mir, ich wolle Obst kaufen. Doch tief in meinem Inneren wusste ich: Ich hoffte, Karim zu sehen.

Er stand an derselben Stelle und lächelte, als hätte er gewartet.

— Sie sind zurückgekommen, — sagte er leise. — Ich dachte, Sie vergessen mich.

— Konnte ich nicht, — antwortete ich und erschrak über meine Offenheit.

Wir redeten, lachten. Er erzählte von Dubai, von der Wüste, von Menschen, die ganz anders lebten. Ich hörte zu wie verzaubert. Die Zeit verschwand. Als ich gehen wollte, sagte er:

— Morgen zeige ich Ihnen die echte Stadt. Nicht die für Touristen. Einverstanden?

Ich nickte, ohne nachzudenken.

In dieser Nacht lag ich lange wach. Der Mond hing über dem Meer, und die Gedanken kreisten: „Was mache ich? Warum?“ Doch neben der Angst lebte Freude. In meiner Brust klang es wie vor einem Gewitter. Ich wusste nicht, dass dieses Klingen eine Warnung war.

Ich wachte vor Sonnenaufgang auf. Die Luft im Zimmer war süß, als hätte sie Meersalz und Jasmin in sich aufgenommen. Mein Herz schlug schnell, als wüsste es schon, dass dieser Tag besonders werden würde. Gestern hatte Karim gesagt: „Ich zeige dir das echte Dubai.“ Diese Worte klangen den ganzen Morgen in mir wie eine Beschwörung.

Zum Frühstück ging ich in einem weißen Kleid hinunter, das ich für einen besonderen Anlass aufgehoben hatte. Ich legte die Haare ordentlich, färbte die Lippen leicht. Und zum ersten Mal seit Jahren fühlte ich mich nicht wie eine Kantinenangestellte, nicht wie die Frau eines Fernfahrers, sondern wie eine Frau.

Im Spiegel des Aufzugs sah ich ein Gesicht, in dem etwas Neues lag. Erwartung.

Karim wartete vor dem Hoteleingang. Er trug ein weißes Hemd, leichte Hosen und dunkle Sonnenbrille. Als er mich sah, lächelte er.

— Heute sehen Sie aus wie der Morgen.

Ich senkte verlegen den Blick.

— Wohin fahren wir?

— Zuerst ins alte Viertel, dahin, wo meine Stadt geboren wurde. Danach kommt eine Überraschung.

Wir fuhren durch breite Straßen, und Karim erzählte von jedem Gebäude, als wäre es lebendig. Seine Stimme war weich, samtig, die Stimme eines Menschen, dem es gefällt, wenn man ihm zuhört. Ich hörte zu, und alles um uns herum wurde heller.

Das alte Viertel war wie ein Labyrinth. Enge Gassen, geschnitzte Türen, Gewürzgerüche, Tee, Stoffe, Gold, Lachen. Karim kaufte mir ein kaltes Dattelgetränk und sagte:

— Hier ist alles echt. Ohne Masken. So wie Sie.

Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Ich lächelte nur.

Dann führte er mich in ein kleines Museum. Dort lag in Glasgefäßen Sand in verschiedenen Tönen — von weiß bis karamellfarben.

— Sehen Sie? — sagte Karim. — Sogar Sand ist verschieden. Einer wirkt einfach, ein anderer leuchtet in der Sonne.

— Und was für Sand bin ich? — fragte ich scherzhaft.

Er sah mich aufmerksam an, leicht zusammengekniffen.

— Der, der leuchtet. Sie haben es nur lange vergessen.

Diese Worte trafen mich mitten ins Herz. Zum ersten Mal seit Jahren sah mich jemand nicht wie einen gewohnten Schatten an.

Nach dem Mittag fuhr er mit mir ans Meer. Dort waren keine Touristen, nur ein leerer Strand, heißer Wind und Sand, der unter den Füßen sang. Wir gingen schweigend. Dann sagte Karim:

— Wissen Sie, warum ich Sie eingeladen habe?

— Warum?

— Sie sind selten. In Ihren Augen wohnen Traurigkeit und Stärke zugleich.

Ich wandte mich ab, damit er nicht sah, wie meine Lippen bebten. Seine Worte waren süß und beängstigend zugleich.

Wir saßen im Sand und sahen den Sonnenuntergang an. Das Meer schimmerte rot und golden. Die Sonne sank langsam, wie in einem alten Märchen. Er sprach über Leben, Schicksal, Mut. Ich hörte zu und dachte: Passiert das wirklich mir?

Als er mich zum Hotel brachte, war es schon dunkel. An der Tür beugte er sich zu mir und sagte leise:

— Morgen zeige ich dir Dubai bei Nacht. Dort sind die Sterne näher, als man glaubt.

Ich nickte. Meine Stimme gehorchte mir nicht.

Im Aufzug betrachtete ich mein Spiegelbild. Die Augen glänzten, die Wangen brannten. Ich verstand: Ich hatte eine unsichtbare Grenze überschritten, und zurück würde ich nicht mehr gehen.

In dieser Nacht schlief ich lange nicht. Vom Balkon kamen Straßenlärm, Gewürzduft und das dumpfe Summen der großen Stadt. In meiner Brust wohnte leichte Angst, darunter fast kindliche Freude: „Ich lebe. Ich fühle wieder.“ Und irgendwo tief in mir flüsterte es: „Vorsicht, Claudia. Zu schön, um wahr zu sein.“

Am Abend, als die Sonne hinter den Türmen verschwunden war, schickte Karim eine Nachricht: „Sei um neun bereit. Die Nacht liebt Überraschungen.“