Fremde Spielregeln: Wie eine einsame Frau in Dubai einem reichen Verführer vertraute, ihren Mann verriet und erst im Schmerz verstand, warum glänzende Versprechen in den Emiraten gefährlich sein können
Die nächsten Tage wirbelten mich herum wie ein Sturm. Ich unterschied Morgen und Abend kaum noch. Karim tauchte auf, als käme er aus der Luft: Mal schickte er weiße Lilien aufs Zimmer, mal lud er mich zu einem Spaziergang ein, mal rief er mittags nur an, um zu sagen: „Ich denke an dich.“
Er fand immer die richtigen Worte. Jeder Satz klang, als sei er noch nie zuvor auf der Welt ausgesprochen worden. Und ich glaubte ihm. Ich lachte, antwortete, schminkte wieder die Lippen, wählte Kleider aus, probierte Schmuck an. Mit jedem Treffen kam es mir vor, als würde ich jünger.
Einmal fuhr er mit mir ans Meer. Nicht an einen Touristenstrand, sondern dorthin, wo weiße Yachten am Steg lagen. Die Sonne spiegelte sich blendend im Wasser, die Luft roch nach Salz und Benzin.
Karim trat an eine Yacht und sagte:
— Heute gehört sie nur uns.
Ich war verwirrt.
— Hast du sie gemietet?
— Wie könnte ich zulassen, dass du das Meer nur vom Ufer aus siehst? — antwortete er und reichte mir die Hand.
Wir gingen an Bord. Die Yacht schaukelte sanft, der Motor brummte, und die Stadt entfernte sich. Das Meer war so blau, dass ich hätte weinen können. Der Wind zerzauste mein Haar, das Kleid klebte am Körper, und in mir war eine Leichtigkeit, als hätte ich Jahrzehnte abgeworfen.
Karim stand neben mir in weißem Hemd, ohne Brille. Seine dunklen Augen glänzten. In ihnen spiegelten sich die Sonne und ich.
— Du wirkst wie eine Frau aus einer alten Legende, — sagte er. — Sie kam zum Meer und änderte ihr Schicksal.
— Und wie endete die Legende?
— Sie fand Liebe.
Er sagte es so schlicht, als spreche er von etwas Unvermeidlichem.
Wir tranken Minztee und aßen Datteln. Er erzählte von Freunden, Geschäften, einer Vereinbarung, die alles verändern könne. Ich hörte zu, ohne richtig hinzuhören, verzaubert von seiner Stimme.
Als die Sonne sank, machte er leise Musik an. Eine arabische Melodie zog sich dahin wie der Atem der Wüste. Dann bat er mich zu tanzen. Ich wurde verlegen, doch er umarmte mich sicher und weich. Mein Herz schlug im Takt.
— Weißt du, Claudia, — sagte er und sah mir in die Augen, — ich habe viele Frauen gesehen, aber du bist anders. In dir ist Reinheit.
— Willst du wirklich nichts außer Gefühl? — flüsterte ich.
— Was soll an Gefühl falsch sein? Nichts. Es macht uns nur verletzlich.
Diese Worte jagten mir einen kühlen Schauer über die Haut. Aber Karim lächelte schon wieder, als hätte er nichts Besonderes gesagt.
Als die Yacht in den Hafen zurückkehrte, war der Himmel violett, und über dem Wasser hing ein riesiger Mond. Er fuhr mich zum Hotel, stieg aus, öffnete die Tür und bot mir die Hand.
— Heute warst du meine Königin, — sagte er leise. — Morgen zeige ich dir etwas Besonderes.
Im Zimmer stand ich lange am Fenster. Die Wellen liefen zum Ufer, irgendwo in der Ferne blinkten Lichter. In meinen Händen hielt ich das Armband, das er mir zum Abschied gegeben hatte. Schmal, golden, mit einem kleinen Stein. Schön. Viel zu schön.
Ich dachte an Thomas: seine rauen Hände, sein Schweigen, den Geruch der Straße. Plötzlich spürte ich Schuld. Ungebeten, kalt wie nächtlicher Sand. Doch daneben war Süße. Zum ersten Mal seit Jahren fühlte ich mich gebraucht, begehrt, lebendig.
Vor dem Schlafen öffnete ich das Handy. Neue Nachricht von Karim: „Du hast meinen Morgen verändert. Morgen veränderst du mein Leben.“
Ich lächelte, ohne zu wissen, dass diese Worte bald zu einer grausamen Prophezeiung werden würden.
Am nächsten Morgen wachte ich glücklich auf. In meinem Kopf klang noch die Musik von der Yacht, meine Haut erinnerte sich an seine Berührungen. Ich sah in den Spiegel und erkannte mich nicht: glänzende Augen, rosige Wangen, als käme ich aus einem Schlaf, auf den ich mein ganzes Leben gewartet hatte.
Karim kam nach dem Mittag. In den Händen hielt er eine Schachtel mit Schleife.
— Ein Geschenk, — sagte er. — Für meine Inspiration.
Darin lag ein Kleid. Türkis, leicht, schimmernd wie Wasser in der Sonne.
— Es ist wie du, — sagte er. — Zart, aber stark.
Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich war daran gewöhnt, zu geben, nicht zu bekommen.
Er führte mich in ein Restaurant auf einem Dach. Der Wind roch nach Jasmin, die Stadt unter uns glitzerte wie ein Meer aus Lichtern. Auf dem Tisch standen Kerzen, Kristall, Silber. Alles war so schön, dass es unwirklich schien.
— Sag mir, Claudia, — fragte er leise, — wovon träumst du?
— Ich weiß nicht. Vielleicht von Ruhe. Von einem Zuhause, in dem man auf mich wartet.
— Also von Liebe?
— Jeder will Liebe.
Er nickte.
— Und Sicherheit. Ohne Geld wird Liebe schnell müde.
Er sagte es beinahe beiläufig. Doch der Satz blieb in mir hängen.
— Du bist eine starke Frau, — fuhr er fort. — Du hast bestimmt etwas Eigenes. Etwas Wertvolles.
— Nein. Ich bin Köchin in einer Schule. Mein Mann ist Fernfahrer. Wir leben bescheiden.
Er lächelte.
— Bescheidenheit schmückt, aber sie ernährt nicht. Wenn es eine Chance gäbe, Geld anzulegen und zu vermehren, würdest du es wagen?
Ich zuckte mit den Schultern.
— Ich weiß nicht. Eher nicht.