Fremde Spielregeln: Wie eine einsame Frau in Dubai an einen charmanten Millionär glaubte, ihren Mann verriet und erst im Absturz begriff, warum glänzende Versprechen in den Emiraten tödlich teuer werden können
— Wann gibst du das Geld zurück? — fragte ich leise.
— In einer Woche. Spätestens zwei. Du weißt doch, ich lasse dich nicht im Stich.
Er sprach sicher wie immer. Nur lag jetzt etwas Kaltes in dieser Sicherheit.
Am Abend ging ich die Promenade entlang. Das Meer war ruhig, der Mond hing tief. Menschen lachten, machten Fotos, und ich ging, als watete ich durch Wasser. In meinem Kopf hämmerte ein einziges Wort: verkauft.
Den großen Lastwagen. Das Fahrzeug, das Thomas mehr liebte als sein Leben. Das Fahrzeug, mit dem er die Familie ernährte. Es war aus steuerlichen Gründen auf mich angemeldet. Ich erinnerte mich, wie er mir die Papiere gegeben und gesagt hatte: „Auf dich kann ich mich verlassen.“
Verlassen.
Ich setzte mich auf eine Bank und schlug die Hände vors Gesicht. Ich wollte schreien, doch aus meiner Brust kam nur ein Flüstern. Ich redete mir ein, es sei nicht umsonst, Samir werde mich nicht betrügen. Er war doch nicht so. Er konnte nicht.
Das Telefon klingelte.
— Alles läuft nach Plan, — sagte er. — Das Geld ist schon in Bewegung. In ein paar Tagen komme ich. Wir feiern.
Seine Stimme klang wieder wie Musik. Und ich glaubte ihm. Zumindest bis zum Morgen.
Doch der Morgen kam ohne ihn. Der Tag verging in Stille. Dann noch einer. Das Handy schwieg. Ich schrieb: „Wo bist du? Was ist mit dem Geld?“ Als Antwort blieb nur ein grauer Haken.
Am dritten Tag verstand ich. Er war verschwunden.
Ich saß auf dem Boden zwischen Koffer und Papieren. Pass, Unterlagen, leeres Konto. Alles wirkte unwirklich. Samir war fort, und mit ihm achthunderttausend Euro. Achthunderttausend, die nicht mir gehört hatten.
Ich starrte auf seine letzte Nachricht: „Du bist mein Schicksal.“ Und zum ersten Mal begriff ich: Schicksal gibt es wirklich. Nur ist es manchmal kein Geschenk, sondern ein Urteil.
Drei Tage vergingen. Dann vier. Dann eine Woche. Das Handy schwieg. Morgens und abends schrieb ich, hielt es in den Händen, als könne man Schmerz durch Plastik schicken.
„Samir, antworte. Wo bist du? Du hast versprochen zurückzukommen. Bitte schreib wenigstens ein Wort.“
Die Nachrichten blieben grau wie Asche.
Zuerst glaubte ich es nicht. Ich dachte, er sei krank. Sein Telefon kaputt. Er sei wegen dringender Geschäfte verreist. Doch dann flüsterte meine Intuition — diese weibliche, genaue und grausame —: Er ist weg. Nicht gestorben. Nicht zufällig verschwunden. Er hat dich einfach gelöscht wie eine unnütze Nummer.
Ich ging in das Restaurant, in dem wir gegessen hatten. Der Kellner erinnerte sich an keinen Samir. Ich rief in der angeblichen Kanzlei an — die Nummer war ungültig. Ich schrieb an die Mailadresse, von der die Unterlagen gekommen waren. Die Nachricht kam zurück: Adresse existiert nicht.
Da brach alles zusammen.
Ich saß im Hotel auf dem Bett zwischen Koffern. Draußen leuchteten die Lichter, Musik dröhnte, Menschen lachten. In mir aber waren Stille, Leere und Schwärze.
Ich öffnete seine Fotos. Auf jedem Bild — Augen, Lächeln, Hände, Meer im Hintergrund. Alles sah echt aus. Lebendig. Doch jetzt wirkten diese Augen fremd, bodenlos wie ein Schacht.
Die Tränen kamen von selbst. Ich schluchzte laut, ohne mich zu schämen, wie ein Kind. Niemand hörte mich. Niemand kümmerte sich.
Am nächsten Tag kam eine Nachricht von der Bank: „Die Mittel wurden vollständig von Ihrem Konto überwiesen. Transaktionsbestätigung im Anhang.“
Ich öffnete die Datei und sah die Summe — achthunderttausend Euro. Mein Herz schien stehenzubleiben. Ich las es wieder und wieder. Und erst da verstand ich endgültig: Das Geschäft war durch. Der Lastwagen verkauft. Das Geld weg.
Ich lief im Zimmer herum wie eingesperrt. Ich wollte Thomas anrufen, konnte aber nicht. Was hätte ich sagen sollen? „Verzeih, ich habe dein Leben wegen schöner Worte verkauft?“
Ich bekam keine Luft.
Am Abend ging ich zur Rezeption.
— Kennen Sie einen Samir? — fragte ich.
Die Frau im Kopftuch sah mich erstaunt an:
— Welche Zimmernummer?
Ich wusste sie nicht. Ich hatte nie gewusst, wo er wohnte. Er war immer zu mir gekommen. Immer er.
In diesem Moment wurde alles klar.
Ich ging hinaus. Die Luft war heiß, roch nach Staub und Benzin. Menschen liefen vorbei — gebräunt, glücklich, eilig. Und ich stand allein mitten in einer fremden Stadt, in der niemand wusste, dass ich gerade alles verloren hatte.
Meine Beine trugen mich zum Meer. Ich setzte mich direkt in den Sand. Die Wellen rollten an meine Füße, als flüsterten sie: Du hast diesen Weg selbst gewählt.
Ich weinte bis zum Morgengrauen. Sand klebte an Gesicht, Haaren, Tränen. Als die Sonne aufging, kehrte ich ins Hotel zurück und kaufte das nächste Ticket nach Hause.
Vor dem Abflug öffnete ich den Koffer und fand das Amulett. Den grünen Stein gegen den bösen Blick. Ich hielt ihn in der Hand, bis aus der Kälte des Metalls Wut wurde. Dann trat ich auf den Balkon und schleuderte ihn mit aller Kraft hinunter. Er schlug auf die Steinfliesen und zerbrach in drei Teile.
— Da hast du es, Samir, — flüsterte ich. — Da ist dein Glück.
Dann schloss ich den Koffer und fuhr zum Flughafen.