Fremde Spielregeln: Wie eine einsame Frau in Dubai an einen charmanten Millionär glaubte, ihren Mann verriet und erst im Absturz begriff, warum glänzende Versprechen in den Emiraten tödlich teuer werden können

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Fremde Spielregeln: Wie eine einsame Frau in Dubai an einen charmanten Millionär glaubte, ihren Mann verriet und erst im Absturz begriff, warum glänzende Versprechen in den Emiraten tödlich teuer werden können

— Ich schaue nur.

— Schauen ist schon der Anfang einer Wahl, — lächelte er.

Unwillkürlich lachte ich. Er stellte sich vor:

— Samir. Und Sie, woher kommen Sie?

— Aus dem Norden, — antwortete ich.

— Kaltes Land, warme Frauen, — sagte er zwinkernd.

Meine Wangen brannten. Aber in seinen Worten lag nichts Grobes. Es war eine leichte, spielerische Aufmerksamkeit, die ich seit Jahren nicht mehr gespürt hatte.

Er zeigte mir Schmuckstücke und erzählte von jedem, als lägen vor ihm nicht Ohrringe und Armbänder, sondern kleine Geschichten. Seine Stimme war tief, warm, einhüllend.

— Nehmen Sie diese Ohrringe, — sagte er plötzlich. — Geschenk.

— Nein, nein, das kann ich nicht.

— Doch. Für Ihr Lächeln.

Ich nahm die Ohrringe. Sie waren leicht und warm, als hätten sie die Sonne gespeichert. Ich bedankte mich und ging, aber seinen Blick spürte ich noch lange auf mir.

Am Abend saß ich auf dem Balkon, hielt die Ohrringe in der Hand und dachte: Warum hat er das getan? Nur Höflichkeit? Händlertrick? Doch tief in mir regte sich schon etwas Gefährliches. Das Gefühl, dass das Leben mich wieder mit den Augen eines Mannes ansah.

Am nächsten Tag ging ich wieder zum Markt. Ich sagte mir, ich wolle Obst kaufen. Aber in Wahrheit wusste ich: Ich hoffte, Samir zu sehen.

Er stand an derselben Stelle und lächelte, als hätte er gewartet.

— Sie sind zurück, — sagte er leise. — Ich dachte, Sie vergessen mich.

— Konnte ich nicht, — antwortete ich und erschrak über meine Offenheit.

Wir redeten und lachten. Er erzählte von Dubai, von der Wüste, von Menschen, die ganz anders leben. Ich hörte wie verzaubert zu. Die Zeit verschwand. Als ich gehen wollte, sagte er:

— Morgen zeige ich Ihnen die echte Stadt. Nicht die für Touristen. Einverstanden?

Ich nickte, ohne nachzudenken.

In dieser Nacht lag ich lange wach. Der Mond hing über dem Meer, und die Gedanken kreisten: Was tue ich da? Warum? Doch neben der Angst wohnte Freude. In meiner Brust klang es wie vor einem Gewitter. Ich wusste nicht, dass dieses Klingen eine Warnung war.

Ich wachte vor Sonnenaufgang auf. Die Luft im Zimmer war süß, als hätte sie Salz vom Meer und Jasmin aufgenommen. Mein Herz schlug schnell, als wüsste es im Voraus: Dieser Tag würde besonders werden. Gestern hatte Samir gesagt: „Ich zeige dir das echte Dubai.“ Diese Worte klangen den ganzen Morgen in mir wie ein Zauber.

Zum Frühstück ging ich in einem weißen Kleid hinunter, das ich für einen besonderen Anlass aufgehoben hatte. Die Haare legte ich sorgfältig, die Lippen schminkte ich leicht. Und zum ersten Mal seit vielen Jahren fühlte ich mich nicht wie eine Kantinenfrau, nicht wie die Frau eines Lkw-Fahrers, sondern wie eine Frau.

Im Spiegel des Fahrstuhls sah ich ein Gesicht, in dem etwas Neues erschienen war. Erwartung.

Samir wartete vor dem Hoteleingang. Er trug ein weißes Hemd, leichte Hosen und dunkle Brille. Als er mich sah, lächelte er:

— Heute sehen Sie aus wie der Morgen.

Ich wurde verlegen und senkte den Blick.

— Wohin fahren wir?

— Zuerst in das alte Viertel, dorthin, wo meine Stadt geboren wurde. Danach gibt es eine Überraschung.

Wir fuhren durch breite Straßen, und Samir erzählte von jedem Gebäude, als wäre es lebendig. Seine Stimme war weich, samtig, die Stimme eines Menschen, dem es gefiel, wenn man ihm zuhörte. Ich hörte zu, und alles um mich herum wurde heller.

Das alte Viertel glich einem Labyrinth. Schmale Gassen, geschnitzte Türen, Gewürzgerüche, Tee, Stoffe, Gold, Lachen. Samir kaufte mir ein kaltes Dattelgetränk und sagte:

— Hier ist alles echt. Ohne Masken. Wie Sie.

Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Ich lächelte nur.

Dann führte er mich in ein kleines Museum. Dort lagen in gläsernen Gefäßen Sandproben in verschiedenen Farbtönen — von weiß bis karamellfarben.

— Sehen Sie? — sagte Samir. — Sogar Sand ist verschieden. Einer wirkt einfach, der andere leuchtet in der Sonne.

— Und welcher Sand bin ich? — fragte ich scherzend.

Er sah mich aufmerksam an, leicht mit zusammengekniffenen Augen:

— Der, der leuchtet. Sie haben es nur lange vergessen.

Diese Worte trafen mich mitten ins Herz. Zum ersten Mal seit Jahren sah mich jemand nicht wie einen gewohnten Schatten an.

Nach dem Mittagessen fuhr er mich ans Meer. Dort waren keine Touristen, nur ein leerer Strand, heißer Wind und Sand, der unter den Füßen sang. Wir gingen schweigend. Dann sagte Samir:

— Wissen Sie, warum ich Sie eingeladen habe?

— Warum?

— Sie sind selten. In Ihren Augen wohnen Traurigkeit und Stärke zugleich.

Ich wandte mich ab, damit er nicht sah, wie meine Lippen zitterten. Seine Worte machten mich süß und ängstlich zugleich.

Wir saßen im Sand und sahen dem Sonnenuntergang zu. Das Meer schimmerte rot und golden. Die Sonne sank langsam, wie in einem alten Märchen. Er sprach über Leben, Schicksal, Mut. Und ich hörte zu und dachte: Passiert das wirklich mir?

Als er mich zum Hotel brachte, war es schon dunkel. An der Tür beugte er sich zu mir und sagte leise:

— Morgen zeige ich dir Dubai bei Nacht. Dort sind die Sterne näher, als man denkt.