„Fünf Uhr morgens: Wie ich mich weigerte, seine Hemden zu bügeln und endlich die Kontrolle über mein Leben zurückerlangte“
Mein Lebensgefährte verlangte, dass ich um fünf Uhr morgens aufstehe, um seine Hemden zu bügeln. Wortlos deutete ich auf das Bügelbrett und legte mich wieder hin.
— Lara, Borschtsch ist doch keine richtige Mahlzeit. Wo ist das richtige Abendessen?
Vadim stand am Herd und rührte gelangweilt in der Suppe. Ich hatte fast drei Stunden daran gearbeitet: die Rote Bete separat gegart, das Fleisch langsam geschmort — alles nach dem Rezept meiner Großmutter. Doch er starrte nur auf den Topf, als hätte ich Wasser aus dem Hahn hineingekippt.
— Das ist Essen, antwortete ich. Großmutters Rezept.
— Bei meiner Mutter ist das Borschtsch Borschtsch, mit Fleisch. Bei dir ist es nur Gemüsewasser.
Ich schwieg. Seit vier Jahren schweige ich ohnehin meist. Seit dem Tag, als wir endgültig in meiner Wohnung zusammengezogen sind.
Vadim setzte sich an den Tisch, schöpfte selbst Suppe, während ich bereits am Abwasch stand. Er biss in ein Stück Brot und verzog das Gesicht.
— Und das Brot ist hart.
— Ich habe es heute Morgen gekauft.
— Dann hast du schlechtes gekauft.
Ich betrachtete meine Hände, die seit Jahren nicht mehr zitterten, nur rot von der heißen Spüle waren. Ich schloss den Wasserhahn und wandte mich ihm zu.
— Vadim, ich war den ganzen Morgen arbeiten, dann einkaufen, dann kochen. Drei Stunden am Herd sind kein Wasser. Ich habe drei Stunden gekocht.
— Und ich arbeite nicht?
Er ist Werkmeister in einer Fabrik, verdient 4500 Euro, davon 500 Euro für die Nebenkosten. Den Rest gibt er für Auto, Angeln und Bier am Freitag aus. Ich weiß das genau, weil die Hauptausgaben immer bei mir liegen. Die Wohnung zahle ich — 3800 Euro im Monat. Strom, Internet, Lebensmittel auch.
— Du arbeitest, sagte ich. Ich streite das nicht ab.
— Dann will ich auch ordentlich essen.
Er schob den Teller weg, drehte sich zum Fernseher und schaltete Fußball ein. Die Suppe blieb fast unberührt, nur eine dünne Fettschicht auf der Oberfläche.
Ich sah ihn an und erinnerte mich. Früher aß er mit Appetit, lobte mich: „Lara, du bist die beste Hausfrau.“ Vor drei Jahren. Danach nur noch: „Nicht so“, „Nicht das“.
Seine Mutter, Tamara, kocht übrigens Borschtsch aus dem Maggi-Beutel. Ich habe es selbst gesehen, als wir im August bei ihr waren.
— Weißt du was, sagte ich ruhig. Morgen kochst du selbst. Ich bin müde.
Er sah mich an.
— Was?
— Morgen. Du. Kochen. Selbst.
— Ich bin doch kein Koch.
— Und ich? Bin ich deine Köchin?
Fünf Sekunden starrte er mich an, dann grinste er.
— Mal sehen.
Ich ging ins Schlafzimmer, legte mich auf das Bett, Herzschlag schnell — nicht aus Angst, eher aus Überraschung. Zum ersten Mal sagte ich „nein“ wegen Essen.
Am Morgen stand ich um sieben auf — Arbeit ab neun. Vadim saß bereits in der Küche, ein Paket Fertig-Pelmeni lag auf dem Tisch, eine Gabel daneben. Gespräch war unnötig.
— Frühstück? fragte er.
— Auf dem Herd. Wenn du es selbst gemacht hast.
Er trank schweigend seinen Kaffee und ging zur Arbeit, knallte die Tür hinter sich zu. Ich setzte mich ruhig hin, allein. Stille. Keine Vorwürfe, kein „Wasser statt Borschtsch“.
Das war ein kleiner Sieg. Ich wusste, dass er Folgen haben würde — und sie kamen zwei Tage später.
Samstag kam Tamara unangemeldet. Nie kündigt sie vorher an. Sie hat immer diesen Blick: Lippen zusammengepresst, Augen schmal — bereit, „die Dinge zu regeln“.
— Hallo, Tamara, sagte ich.
— Hallo, Lara. Tee mach.
Sie betrat das Wohnzimmer, als gehöre es ihr, zog meine Hausschuhe zur Seite. Setzte sich auf das Sofa.
— Staubig hier, meinte sie.
Ich schwieg. Gestern jammerte sie noch am Telefon über Kopfschmerzen. Heute über Staub.
Vadim saß in seinem Sessel und scrollte durch sein Handy, ignorierte seine Mutter.
— Lara, begann Tamara. Du verstehst mich richtig. Ich mische mich nicht ein. Aber Vadik beschwert sich.
— Worüber?
— Über alles. Dass du nicht richtig kochst, abends nicht redest, das Haus unordentlich ist.
Ich sah zu Vadim. Er starrte auf sein Handy.
— Tamara, sagte ich ruhig. Wer sind „wir“?
— Was?
— Sie sagten: „Du lebst bei uns“. Wer ist „wir“?
Ihr Blick wurde kalt.
— Na, wer? Unsere Familie. Vadik, ich, sein verstorbener Vater.
— Verstehe. Und ich? Wo lebe ich?
— Bei Vadik natürlich.
Ich holte den Mietvertrag, legte ihn auf den Tisch.
— Lies, wer Mieter ist.
Sie nahm das Papier nicht in die Hand. Blick flüchtig.
— Ich sehe ohne Brille.
— Gut, dann lese ich. „Mieterin: Lara Kotova.“ Die Wohnung ist meine, ich zahle sie. Vier Jahre schon.
Tamara sah zu ihrem Sohn. Er starrte noch immer aufs Handy.
— Vadik?
Er hob endlich den Kopf.
— Mama, egal wer zahlt.
— Egal? — sie schrie fast. — Willst du sagen, dein Sohn lebt auf deinen Kosten?
— Ich sage, dass ich nicht „bei euch“ wohne. Ich zahle, ich lebe hier.
Sie stand auf, rot im Gesicht, die Tasse noch auf dem Tisch.
— Vadik, komm. Ich will das nicht hören.
Vadim ging mit. Ich sagte leise:
— Genau das.
Sie zog sich langsam an, murmelte, als sie die Tür schloss: „Danke für den Tee“.
Ich blieb ruhig auf dem Sofa, Herzschlag ausgeglichen. Vertrag zurück in der Mappe. Zum ersten Mal seit vier Jahren ging ich nicht entschuldigend auf ihn zu. Kein Abendessen.
Er aß auch nichts. Legte sich still schlafen. Zweiter kleiner Sieg.
Eine Woche später begann die „Rache“. Nicht mit Schreien — Vadim agierte subtil.
Dienstagabend saß er mir gegenüber mit Taschenrechner und Zetteln.
— Lara, wir müssen über Geld reden.
— Dann sprich.
— Du gibst zu viel aus.
— Wofür?
— Für Lebensmittel. 2200 Euro in diesem Monat! Für uns beide!
— Und du?

— 300 Euro.
— Für zwei. Im Monat. Meinst du, das reicht zum Essen?
— Reicht, wenn man keinen Lachs kauft.
Ich seufzte. Lachs kaufe ich alle zwei Wochen für Aufläufe, Stück 6 Euro. Sonst Hühnchen, Buchweizen, Gemüse, Milch, Brot.
— Vadim, du isst zwei Mal täglich zu Hause. Frühstück, Abendessen. Manchmal Wochenende Mittag. Ich koche für uns beide. Du gibst 300, ich 1900 dazu. Und jetzt sagst du, ich gebe zu viel aus?
— Man kann sparen.
— Gut. Ab morgen teilen wir das Essen. Deine Hälfte, meine Hälfte. Zwei Kühlschrankfächer. Dein — dein. Mein — mein.
Er nickte still. Rechner zu, Blatt eingesteckt.

— Nicht übertreiben.
— Ich übertreibe nicht. Das ist „sparen“. Ich koche mein, du dein. Willst du Buchweizen — iss Buchweizen. Willst Steak — kauf und brate selbst.
— So lebt man nicht.
— Wie dann, Vadim? Ich zahle die Miete, Nebenkosten, Essen für uns beide — und du kritisierst mich?
Er schwieg. Ich auch. Ich wusste: er wird sich rächen.
Eine Woche später verlangte er, dass ich um fünf Uhr morgens alle Hemden bügle. Ich zeigte auf das Bügelbrett. Ich legte mich wieder hin. Er verließ das Schlafzimmer, schlug die Tür, Glas im Schrank klirrte. Ich schlief ruhig bis sieben.
Er ist weg. Ich schlafe endlich ungestört, kein Aufstehen um sechs, keine Hemden, keine Rechnungen. Auf dem Kühlschrank hängt ein Magnet: „Lara Kotova“ — erinnert mich, wem die Wohnung gehört. Das Bügelbrett steht wieder im Schrank, fast unbenutzt.