„Gesucht wird eine schlanke Frau mit eigener Wohnung, die sich gern um mich kümmert“: Ich antwortete auf das Profil eines sechzigjährigen „Traummanns“ und stellte ihn mit einer kleinen Probe auf die Wirklichkeit

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„Gesucht wird eine schlanke Frau mit eigener Wohnung, die sich gern um mich kümmert“: Ich antwortete auf das Profil eines sechzigjährigen „Traummanns“ und stellte ihn mit einer kleinen Probe auf die Wirklichkeit

Mit Datingportalen hatte ich eigentlich längst abgeschlossen. Man könnte meinen, in unserem Alter hätten die meisten Menschen schon genug erlebt, um sich selbst und andere ohne rosarote Brille zu betrachten.

Doch am vergangenen Freitag überredete mich meine Freundin dazu, die App noch einmal zu öffnen. Sie lachte Tränen und las mir laut die kleinen Meisterwerke der dortigen Herren vor, jedes noch erstaunlicher als das vorherige. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus, lud die Anwendung wieder herunter — und kaum zehn Minuten später wusste ich: Ich hatte einen echten Fund gemacht.

Auf dem Bildschirm blickte mir ein Mann streng entgegen. Rein äußerlich hätte ich ihn ohne Zögern auf deutlich über sechzig geschätzt, obwohl in seinem Profil selbstbewusst 58 stand. Das Foto war von unten aufgenommen, vermutlich in der Hoffnung, sein Gesicht dadurch bedeutender, männlicher und gewichtiger wirken zu lassen.

Der eigentliche Genuss wartete allerdings in der Beschreibung. Ich las den Text zweimal, weil ich beim ersten Mal wirklich glaubte, das könne unmöglich ernst gemeint sein. Dort stand:

„Suche Frau für eine ernsthafte gemeinsame Zukunft. Alter streng bis 45 Jahre (mein Alter sieht man mir nicht an, im Herzen bin ich jung). Schlank, ohne überflüssige Pfunde und ohne schlechte Angewohnheiten. Eigene Wohnung zwingend erforderlich — zu mir lade ich nicht ein, ich habe genug von berechnenden Damen, die nur auf meine Quadratmeter aus sind. Voraussetzungen: Gemütlichkeit schaffen, gut kochen, sich um den Mann kümmern, keine Dramen machen. Frauen mit Kindern oder finanziellen Problemen bitte nicht melden.“

Ich saß auf meinem Sofa und spürte, wie gleichzeitig Empörung und eine beinahe wilde Neugier in mir hochstiegen. Dieser „jung gebliebene“ Herr vor einem alten Wohnzimmerschrank suchte also eine jüngere, schlanke, unabhängige Frau mit eigener Wohnung, die ihn zusätzlich noch umsorgen sollte? Einfach nur, weil er beschlossen hatte, sie mit seiner Anwesenheit zu beglücken?

Normalerweise wische ich solche Männer kommentarlos weg. Aber diesmal erwachte in mir eine Art Forschungsdrang. Zu gern wollte ich wissen, was für ein kostbarer Schatz sich hinter einer derart stolzen Forderungsliste verbarg.

Mein eigenes Profil war fast leer: kein Gesicht, nur ein Foto von hinten, aufgenommen an der Ostsee. Mein Alter hatte ich mit 43 angegeben. Und ich schrieb ihm zuerst.

„Guten Abend, Klaus-Dieter! Ich habe Ihr Profil gelesen und sofort gedacht: Da ist er, der Mann meiner Träume, einer, der genau weiß, was er will. Ich glaube, ich passe zu Ihnen: schlank, lebe allein in meiner eigenen Dreizimmer-Altbauwohnung mitten in der Stadt, koche gern Rinderrouladen und backe Apfelkuchen. Nur habe ich bisher noch niemanden getroffen, um den ich mich wirklich kümmern möchte. Sind Sie noch zu haben?“

Die Antwort kam fast sofort, vielleicht nach drei Minuten. Offenbar saß Klaus-Dieter bereits am Handy und wartete auf seine ideale Frau.

„Guten Abend. Ja, bin noch frei. Aber ich sage gleich dazu: Ich bin ein Mann mit Ansprüchen. Mir ist wichtig, dass eine Frau ihre Rolle versteht. Wie groß und wie schwer sind Sie?“

Ich hätte mich beinahe an meinem Tee verschluckt, schrieb aber wahrheitsgemäß: 165 und 60. Diese Angaben gefielen Klaus-Dieter offenbar. Er schlug sofort vor, erst zu telefonieren und sich danach zu treffen. Das Treffen setzte er für den nächsten Tag in einer kleinen Grünanlage nahe der U-Bahn-Station an.

Als ich vorschlug, wegen des angekündigten Regens doch lieber in ein Café zu gehen, antwortete Klaus-Dieter bedeutungsvoll:

„Ich bevorzuge Spaziergänge an der frischen Luft. Diese Lokale, in denen man für nichts Geld bezahlt, mag ich nicht.“

Damit war endgültig alles klar. Unser Prinz war also auch noch ein Mann von seltener Sparsamkeit. Ich erschien gut vorbereitet in der Grünanlage. Schlicht gekleidet, aber ordentlich und mit Geschmack. Klaus-Dieter saß bereits auf einer Bank. In Wirklichkeit sah er nach seinem echten Alter aus — und vielleicht noch fünf Jahre älter. Er trug eine abgewetzte Windjacke und drehte einen Autoschlüssel zwischen den Fingern.

Wir begrüßten uns. Sofort musterte er mich von oben bis unten mit einem prüfenden, fast buchhalterischen Blick. Offenbar bestand ich die Figurkontrolle, denn er nickte gönnerhaft und schlug vor, ein Stück zu gehen.

In den ersten fünfzehn Minuten sprach Klaus-Dieter ausschließlich über sich selbst. Genauer gesagt: Er beklagte sich. Über seine frühere Ehefrau, die angeblich nie mit Geld umgehen konnte, über seine Vorgesetzten, die sein Talent nicht erkannt hatten (er arbeitete als Wachmann im Schichtdienst), über die Jugend von heute, über die Preise und natürlich über habgierige Frauen, die von ihm angeblich nur Geld wollten. Welche Summen bei dieser beruflichen Lage gemeint sein könnten, fragte ich lieber nicht nach.

— Und Sie, — erinnerte er sich schließlich daran, dass ich auch noch da war, — haben gesagt, Sie hätten eine Dreizimmerwohnung in der Innenstadt. Von den Eltern geerbt oder dem Ex-Mann vor Gericht abgenommen?

Sein Ton klang, als würde er im Kopf bereits seine Kartons in mein Wohnzimmer stellen. Genau in diesem Augenblick begriff ich: Jetzt war der richtige Moment für meine kleine Prüfung gekommen. Ich seufzte schwer, setzte den unglücklichsten Gesichtsausdruck auf, den ich zustande brachte, und sah ihm direkt in die Augen.

— Klaus-Dieter, Sie sind ein so scharfsinniger Mann… Ich muss Ihnen etwas gestehen. Ich möchte keine Beziehung mit einer Lüge beginnen.

Er spannte sich sofort an. Sogar sein Schritt wurde langsamer.

— Die Wohnung habe ich wirklich, — fuhr ich mit beinahe tragischem Flüstern fort. — Aber vor einem Monat ist etwas Schlimmes passiert. Meine Tochter hat sich von ihrem Mann getrennt, er hat sie vor die Tür gesetzt. Und nun ist sie bei mir eingezogen. Mit drei Kindern. Und zwei Labradoren.

Klaus-Dieters Augen wurden sichtbar größer.

— Zu Hause ist es inzwischen der reinste Albtraum, — sagte ich und schluchzte fast. — Dauernd Lärm, die Kinder rennen herum, die Hunde bellen, nirgends ist Platz. Ich bin so erschöpft! Und als ich Ihr Profil gesehen habe, dachte ich sofort: Das ist Schicksal. Sie wünschen sich doch Gemütlichkeit und Fürsorge! Ich bin bereit, Ihnen Suppe, Hauptgericht und Kompott zu machen, Ihnen abends die Füße zu massieren, mich um Sie zu kümmern, jedes Staubkorn von Ihnen fernzuhalten… Nur, lieber Klaus-Dieter, lassen Sie mich doch bei Ihnen wohnen! Wenigstens ein kleines Jahr, bis meine Tochter ihre Sache mit dem Kredit geklärt hat. Bei Ihnen findet sich doch bestimmt ein winziges Eckchen für Ihre Muse? Ich brauche wirklich nicht viel Platz!

Es wurde so still, dass man sogar die Autos auf der benachbarten Hauptstraße hören konnte. Klaus-Dieter blieb wie angewurzelt stehen. Sein Gesicht, das eben noch voller selbstsicherer Überlegenheit gewesen war, bekam plötzlich rote Flecken.

— Äh… — presste er hervor und wich vorsichtig einen Schritt zurück. — Bei mir wohnen? In meiner Wohnung?

— Natürlich! Sie sind doch ein Mann, eine Stütze, ein Hausherr, ein Versorger! Und ich wäre an Ihrer Seite, leise und treu. Ich bringe sogar meine eigenen Gardinen mit, damit es bei Ihnen noch gemütlicher wird. Und jeden Morgen Pfannkuchen…

— Also wissen Sie was! — fuhr der „Prinz“ plötzlich auf. — Machen Sie mir hier nichts vor! Ich habe in meinem Profil klar geschrieben: Frauen mit Wohnproblemen sollen sich nicht melden! Das ist ja unglaublich — sich einfach in fremden Wohnraum einnisten wollen! Und ich dachte schon, Sie wären eine anständige Frau!

Er drehte sich so ruckartig um, dass er beinahe über seine eigenen Füße gestolpert wäre, und eilte fast laufend zum Ausgang der Grünanlage. Nicht einmal verabschiedet hat er sich. Er verschwand einfach in der Menge und rettete seine unbezahlbaren Quadratmeter vor der furchtbaren Eindringlingin.

Ich blieb mitten auf dem Weg stehen und lachte so laut, dass sich die Leute um mich herum nach mir umdrehten.

Als ich nach Hause kam, öffnete ich als Erstes die App. Selbstverständlich hatte Klaus-Dieter mich bereits blockiert. Sein Profil war jedoch noch immer da. Unverändert suchte er eine schlanke, problemlose Frau mit eigener Wohnung, die sein Leben verschönern und ihm einen ruhigen, warmen, gut versorgten Lebensabend sichern sollte.

Lustig? Ja. Aber nur zur Hälfte. Denn hinter diesem Lachen steckt auch Traurigkeit. Woher nehmen manche Männer in einem so respektablen Alter nur diese betonharte Gewissheit, etwas ganz Besonderes zu sein?

Warum glauben sie aufrichtig, allein die Tatsache ihrer Existenz müsse genügen, damit eine Frau mit Wohnung, normalem Aussehen und einem friedlichen Leben sie freudig in die komplette häusliche Rundumversorgung übernimmt?

Vielleicht hat ihnen irgendwann einmal jemand eingeredet, sie seien ein Geschenk des Schicksals — und sie haben es einfach nie geschafft, aufzuhören, daran zu glauben.