Als ich im Schreibtisch meines Mannes nach unserem Hochzeitsalbum suchte, fand ich einen USB-Stick mit der Aufschrift „Sieh es dir allein an“ – und nach dem ersten Video saß ich zitternd vor dem Bildschirm

Выкл. Автор ChatGpt
Als ich im Schreibtisch meines Mannes nach unserem Hochzeitsalbum suchte, fand ich einen USB-Stick mit der Aufschrift „Sieh es dir allein an“ – und nach dem ersten Video saß ich zitternd vor dem Bildschirm

Auf einmal erschien mir das als perfekte Idee. Ich würde das Album holen, die schönsten Fotos auswählen, sie vergrößern lassen und im ganzen Haus verteilen. Wenn Thomas am Abend unseres Jubiläums von der Arbeit kam, sollten ihm von jeder Wand unsere gemeinsamen Jahre entgegenblicken, eingefangen in den glücklichsten Momenten.

Der Gedanke an dieses Album ließ mich nicht mehr los.

Ich sah auf die Uhr. Thomas würde noch stundenlang im Büro sein, und ich hatte mir für die Vorbereitungen freigenommen.

Fast beschwingt ging ich den Flur entlang zu seinem Arbeitszimmer. Es war dieses kindliche, heimliche Glück, das man empfindet, wenn man für einen geliebten Menschen etwas vorbereitet, von dem er noch nichts ahnt.

Als ich die Hand auf den Schreibtisch legte, blitzte für einen Moment die Erinnerung an jene Schublade in mir auf, die Thomas damals so nervös zugeschlagen hatte. Doch ich schob den Gedanken fort. Unser fünfter Hochzeitstag stand bevor. Was immer er dort verwahrte, konnte unmöglich schwerer wiegen als all die Jahre, die wir miteinander geteilt hatten.

Schließlich hatte ich mir genau für diesen Tag freigenommen.

Ich zog an der untersten Schublade und erwartete, das vertraute weiße Hochzeitsalbum aus Leder zu sehen.

Doch darin lag etwas völlig anderes.

Zuerst bewegte sich die Schublade kaum, als hätte sie seit Monaten niemand mehr geöffnet. Ich musste kräftiger ziehen. Schließlich glitt sie mit einem leisen Knarren heraus.

Vom Album fehlte jede Spur.

Stirnrunzelnd hob ich die Dokumente an, die obenauf lagen. Alte Steuerbescheide, Garantiescheine, ein Ordner voller Quittungen. Nichts davon hatte mit unseren Hochzeitsbildern zu tun.

Damit hatte ich nicht gerechnet.

Für einen Augenblick wollte ich die Suche aufgeben. Dann berührten meine Fingerspitzen ganz hinten etwas Kleines und Hartes.

Vorsichtig zog ich den Gegenstand hervor.

Auf meiner Handfläche lag ein silberner USB-Stick. Mit schwarzem Filzstift hatte Thomas in seiner ordentlichen Schrift drei Worte darauf geschrieben:

„SIEH ES ALLEIN AN.“

Lange starrte ich darauf und drehte den Stick langsam zwischen den Fingern.

Beinahe hätte ich ihn zurückgelegt.

Es kam mir seltsam vor, dass er ausgerechnet dort versteckt war, unter alten Steuerunterlagen. Vielleicht hatte Thomas ihn vor Jahren in die Schublade geschoben und längst vergessen. Möglicherweise enthielt er alte Aufnahmen oder ein unfertiges Arbeitsprojekt.

Dann kam mir ein anderer Gedanke.

Unser Hochzeitstag war nur wenige Tage entfernt. Was, wenn das hier seine Überraschung war? Etwas Liebevolles, das er für mich vorbereitet hatte. Vielleicht wollte er es mir persönlich zeigen und hatte bisher nur nicht den richtigen Augenblick gefunden.

„Thomas, du heimlicher Romantiker“, flüsterte ich lächelnd.

Vielleicht war wirklich etwas Schönes darauf.

Mit dem Stick ging ich ins Wohnzimmer. Mein Laptop stand geöffnet auf dem Tisch. Vor Aufregung schlug mein Herz schneller, als ich den Bildschirm aktivierte, den Stick einsteckte und wartete.

Sofort öffnete sich ein Ordner.

Darin lagen nur vier Videodateien.

Keine Titel. Keine Erklärung. Lediglich nüchterne Nummern.

Einen Moment lang zögerte ich. Dann siegte die Neugier. Ich öffnete das erste Video und erwartete eine rührende Erinnerung oder eine romantische Botschaft.

Meine Finger bebten leicht.

Auf dem Bildschirm erschien ein Zimmer, das ich noch nie gesehen hatte.

Helle Wände. Eine schlichte Tischlampe. Ein Fenster mit halb geschlossenen Jalousien.

Auf der Bettkante saß Thomas.

Er sah furchtbar aus.

Seine Augen waren rot, das Gesicht erschöpft, und seine Hände zitterten deutlich. Lange blickte er schweigend direkt in die Kamera, als müsste er erst den Mut sammeln, überhaupt anzufangen.

„Ich weiß nicht, wie ich ihr von dir erzählen soll“, sagte er schließlich so leise, dass ich ihn kaum verstand.

Mein Lächeln verschwand.

So hatte ich ihn noch nie gesehen.

Thomas fuhr sich über das Gesicht und wandte den Blick kurz ab.

„Klara … ich habe es bestimmt hundertmal versucht. Ich setze mich mit ihr an den Tisch, öffne den Mund, und plötzlich bringe ich kein einziges Wort heraus. Meine Frau hat das nicht verdient. Sie verdient die Wahrheit.“

Klara?

Diesen Namen hatte ich noch nie gehört.

In den vier Jahren unserer Ehe hatte Thomas ihn nicht ein einziges Mal erwähnt.

Mit dem Handrücken wischte er sich über die Augen.

„Ich werde einen Weg finden, es ihr zu sagen. Ich muss es tun. Bevor es zu spät ist.“

Dann endete das Video.

Klara.

Ich saß vollkommen reglos da.

Es fühlte sich an, als würde sich meine Brust zugleich zusammenziehen und aushöhlen, als hätte mir jemand ein Stück aus dem Herzen gerissen.

Innerhalb weniger Sekunden jagten die schlimmsten Vorstellungen durch meinen Kopf.

Eine andere Frau.

Ein Verhältnis.

Ein verborgenes Doppelleben.

Plötzlich schienen all die merkwürdigen Dinge zusammenzupassen. Die angeblichen Überstunden. Die zugeschlagene Schublade. Das Foto, das Thomas im vergangenen Winter so hastig vor mir versteckt hatte.

Ich war wie erstarrt.