Ein Feldwebel aus der Sowjetunion verschwand mit neun japanischen Gefangenen im Wald und blieb neunzehn Jahre lang unauffindbar: Was man fast zwei Jahrzehnte später in der abgelegenen Taiga entdeckt haben soll
Erklärt wird dies dort mit der strengen japanischen Militärdisziplin und einer kulturell geprägten Unterordnung gegenüber Ranghöheren.
Tatsächlich war die Disziplin in der japanischen Armee außerordentlich hart. Befehle wurden nicht diskutiert, Verstöße gegen die Hierarchie galten als schweres Fehlverhalten.
Man darf jedoch nicht vergessen, dass es sich zu diesem Zeitpunkt bereits um Kriegsgefangene handelte, die sich in einem fremden Land, unter extremen Bedingungen und nach dem Ende der Kampfhandlungen befanden. Deshalb kann heute niemand mit Gewissheit sagen, wie sie sich wirklich verhalten hätten.
Die ersten Monate im Wald
Wenn man annimmt, dass sich eine solche Episode tatsächlich ereignet hat, stellt sich vor allem eine Frage: Wie konnte diese Gruppe überleben?
Die fernöstliche Taiga gehört zu den härtesten Naturräumen Russlands. Im Winter kann die Temperatur weit unter minus dreißig Grad fallen, und der Schnee bleibt oft bis in den Frühling hinein liegen.
Selbst moderne Reisende benötigen für längere Aufenthalte in solchen Gegenden gründliche Vorbereitung, verlässliche Ausrüstung, Kommunikationsmittel und ausreichende Vorräte.
Chinesische Publikationen behaupten, der Gruppe sei es gelungen, einen Teil der Lebensmittel vom Lastwagen mitzunehmen, eine provisorische Unterkunft einzurichten und nach und nach einen einfachen Alltag aufzubauen.
Theoretisch wäre ein solches Szenario nur dann denkbar, wenn ausreichend Nahrung, warme Kleidung, Werkzeuge, Waffen, Medikamente und eine dauerhafte Feuerquelle vorhanden gewesen wären. Genau deshalb betrachten viele Forscher diesen Teil der Erzählung mit großer Skepsis.
Hinzu kommt eine naheliegende Frage: Wie konnte eine kleine Gruppe über Jahre hinweg unbemerkt bleiben, obwohl in solchen Gebieten gelegentlich Jäger, Förster, Geologen oder militärische Einheiten auftauchten?
Die Legende bekommt immer mehr Einzelheiten
An diesem Punkt nimmt die Geschichte beinahe abenteuerliche Züge an. In chinesischen Quellen heißt es, mit der Zeit seien zwischen dem Feldwebel und den ehemaligen Gefangenen vertrauensvolle Beziehungen entstanden. Später habe sich daraus eine Art kleine Gemeinschaft entwickelt, die völlig getrennt von der Außenwelt lebte.
Bis heute wurden jedoch keine Archivunterlagen, Fotografien oder offiziellen Berichte veröffentlicht, die eine solche Entwicklung bestätigen würden. Deshalb neigen die meisten Fachleute dazu, diesen Bericht eher als historische Legende zu betrachten, die auf einzelnen realen Fakten der Nachkriegszeit aufbaut.
Die Erzählung vom Waldlager
Im weiteren Verlauf wird die Version aus den chinesischen Veröffentlichungen noch ungewöhnlicher. Demnach soll sich die kleine Gruppe im Laufe der Jahre zu einer richtigen Siedlung entwickelt haben, die fast zwanzig Jahre fernab der Zivilisation bestanden habe. Die Autorinnen und Autoren schreiben, die früheren Gefangenen hätten gelernt, eine einfache Wirtschaft zu führen, Gemüse anzubauen, Wildpflanzen zu sammeln, zu fischen, zu jagen und mit eigenen Händen Unterkünfte zu errichten.
Ähnliche Fälle sind aus der Weltgeschichte durchaus bekannt. Menschen haben aus unterschiedlichen Gründen jahrelang in Isolation gelebt. Fast immer befanden sich solche Gemeinschaften jedoch in der Nähe von Flüssen, Jagdgebieten oder verlassenen Siedlungen, was die Chancen auf Überleben deutlich erhöhte. In dieser Geschichte geht es dagegen um eine abgelegene Taiga des Fernen Ostens mit einem äußerst schweren Klima.
Gerade deshalb halten viele Forschende ein solches Szenario ohne regelmäßigen Zugang zu Vorräten, Werkzeugen, Kleidung und Medikamenten für wenig wahrscheinlich.
Konnte man so viele Jahre fernab der Zivilisation leben?
Diese Frage gehört zu den zentralen Problemen der gesamten Erzählung. Selbst heute erfordert ein unabhängiges Leben in der Taiga große Fähigkeiten. Man muss ständig Nahrung beschaffen, sauberes Wasser finden, große Mengen Brennholz vorbereiten, Unterkünfte instand halten und sich vor wilden Tieren schützen.
Besonders schwierig wäre die medizinische Versorgung gewesen. Jede schwere Verletzung, jede Infektion und jede Entzündung hätte ohne Medikamente tödlich enden können. Fachleute bezweifeln daher, dass eine relativ große Gruppe jahrzehntelang völlig selbstständig leben und dabei den Großteil ihrer Mitglieder am Leben erhalten konnte.
Nicht weniger Fragen wirft die Kleidung auf. Auch robuste Sachen nutzen sich mit der Zeit ab. Um sie zu ersetzen, braucht man Stoffe, Leder, Garn, Werkzeuge und Kenntnisse im Nähen. In den chinesischen Veröffentlichungen wird kaum erklärt, wie dieses Problem gelöst worden sein soll.
Der meistdiskutierte Teil der Geschichte
Am stärksten zieht Leser gewöhnlich die Behauptung an, in dieser Waldgemeinschaft seien im Laufe der Jahre viele Kinder geboren worden. Gerade dieses Detail machte die Geschichte im Internet besonders populär.