Eine arrogante Frau nahm meiner achtjährigen Tochter und mir die reservierten Poolliegen weg und warf unsere Handtücher in den Müll – zwanzig Minuten später wurde sie kreidebleich

Выкл. Автор ChatGpt
Eine arrogante Frau nahm meiner achtjährigen Tochter und mir die reservierten Poolliegen weg und warf unsere Handtücher in den Müll – zwanzig Minuten später wurde sie kreidebleich

„Mama, sehe ich aus wie ein Mädchen, das den ganzen Sommer am Pool verbringt?“

Ich betrachtete sie mit gespieltem Ernst.

„Du siehst eher so aus, als müsste sich der Pool nach diesem Tag erst einmal von deiner Energie erholen.“

Lena lachte.

Dann glitt ihre Hand wie von selbst zu dem Krankenhausarmband an ihrem Handgelenk.

„Meinst du, ich sollte es jetzt langsam abnehmen?“

„Nur wenn du selbst das Gefühl hast, dass der richtige Zeitpunkt gekommen ist.“

Sie betrachtete das Band mehrere Sekunden lang.

„Noch nicht“, entschied sie schließlich.

„Dann bleibt es noch.“

Wenig später erreichten wir den Poolbereich.

Unter einem großen Sonnenschirm, direkt neben dem flachen Teil des Beckens, fanden wir zwei ausgezeichnet gelegene Liegen.

Es waren genau die Plätze, die ich für Lena gebraucht hatte: viel Schatten, ein kurzer Weg zum Wasser und freie Sicht auf das Becken.

Ich befestigte unsere Handtücher genau so, wie es uns an der Rezeption gezeigt worden war.

Lenas Handtuch strich ich noch einmal glatt. Sie mochte es in letzter Zeit, wenn alles sauber ausgerichtet war und keine Falte störte.

Die Krankheit hatte ihr viel zu viele Dinge genommen, über die sie selbst bestimmen konnte.

Deshalb versuchte ich, ihr wenigstens bei den kleinen Entscheidungen die Kontrolle zurückzugeben.

Welcher Badeanzug.

Welcher Becher.

Welche Seite des Bettes.

Wo der Plüschdelfin liegen sollte.

Und wie ordentlich ein Handtuch auf einer Poolliege ausgebreitet war.

Fast eine halbe Stunde lang spielte Lena glücklich im Wasser.

Mit der rosafarbenen Schwimmbrille auf der Nase tauchte sie unter, kam prustend wieder hoch und lachte jedes Mal, wenn ihr Wasser ins Gesicht spritzte.

„Mama, es ist wunderschön hier!“, rief sie mir zu.

Hinter meiner dunklen Sonnenbrille musste ich mehrmals blinzeln, um meine Tränen zurückzuhalten.

„Ich liebe es wirklich“, sagte sie.

Diese wenigen Worte trafen mich tiefer, als sie ahnen konnte.

Nach einer Weile bekam Lena Lust auf einen Smoothie.

„Wir sind sofort wieder zurück“, sagte ich mehr zu mir selbst als zu ihr.

Wir waren höchstens fünfzehn Minuten fort.

Vielleicht sogar weniger.

Als wir zurückkamen, waren unsere beiden Liegen besetzt.

Auf meiner lag eine Frau in einem weißen Designer-Badeanzug. Ihre Sonnenbrille steckte in den makellos frisierten Haaren. Sie wirkte, als sei sie nicht zum Schwimmen gekommen, sondern direkt von einem Modefoto an den Pool getreten.

Auf Lenas Liege saß ein Mann, vermutlich ihr Partner. Er wischte gelangweilt über sein Handy und sah dabei so selbstverständlich aus, als müsse die Welt ihm automatisch Schatten, Ruhe und Bequemlichkeit bereitstellen.

Unsere Handtücher lagen nur wenige Schritte entfernt im Abfalleimer.

Zusammengeknüllt.

Weggeworfen wie wertloser Müll.

Ich blieb stehen.

Einige Sekunden lang konnte ich weder sprechen noch mich bewegen.

Lena umklammerte ihren Smoothiebecher fester.

„Mama“, flüsterte sie, „das sind doch unsere Liegen.“

„Ich weiß, mein Schatz.“

„Das war unser Platz.“

„Lass mich mit ihnen reden.“

Langsam ging ich auf das Paar zu.

„Entschuldigen Sie bitte“, begann ich möglichst ruhig. „Diese Liegen waren von uns reserviert.“

Die Frau hob nicht einmal den Kopf.

„Eine Reservierung zählt nicht, wenn niemand darauf liegt.“

„Wir waren nur kurz an der Saftbar.“

„Das ist nicht mein Problem.“

Der Mann auf Lenas Liege verzog den Mund zu einem spöttischen Grinsen, ohne seinen Blick vom Telefon zu lösen.

„Ganz bestimmt nicht unser Problem“, murmelte er.

Ich zeigte auf die Kunststoffklammern, die noch immer am kleinen Beistelltisch befestigt waren. Unsere Zimmernummer war deutlich mit blauem Stift darauf zu erkennen.

„Diese gekennzeichneten Klammern gehören zu unserem Zimmer.“

Nun sah die Frau endlich zu mir auf.

Danach wanderte ihr Blick zu Lena.

Langsam musterte sie den kahlen Kopf meiner Tochter.

Ihre schmalen Schultern.

Die dünnen Arme.

Und zuletzt das Krankenhausarmband, das an ihrem Handgelenk glänzte.

Es konnte keinen Zweifel daran geben, was Lena in den vergangenen Monaten durchgemacht hatte.

„Die Klammern gehören uns“, wiederholte ich.

Der Mund der Frau verzog sich zu einem abfälligen Ausdruck.

„Ganz ehrlich? Vielleicht sollten Sie sich einen Ort suchen, an den Sie besser passen.“

In genau diesem Moment schien der gesamte Poolbereich um uns herum zu verschwinden.

Ich hörte das Plätschern des Wassers nicht mehr.

Die Musik aus den Lautsprechern verstummte in meinem Kopf.

Sogar das Brummen des Mixers an der Saftbar schien plötzlich aufgehört zu haben.

Alles, was ich noch wahrnahm, war der stockende Atemzug meiner Tochter.

Die Frau betrachtete uns weiterhin kühl.

„Es gibt bestimmt passendere Plätze für Sie beide.“

Ein ganzes Jahr aus Angst, Erschöpfung und Hilflosigkeit bäumte sich in mir auf.

Für einen Augenblick fühlte es sich an, als könnte ich daran zerbrechen.

Ich wollte ihr sagen, was für ein Mensch sie war.

Ich wollte verlangen, dass sie Lena ansah und ihre Worte wiederholte.

Ich wollte all die Wut herausschreien, die ich während der vergangenen Monate hatte hinunterschlucken müssen.