Er hatte bereits über ihr Gehalt und ihre billigen Schuhe gespottet – doch als der Sicherheitschef plötzlich auf sie zukam und sagte: „Frau Weber, das Flugzeug wartet schon“, blieb Markus mitten im Satz die Luft weg

Выкл. Автор ChatGpt
Er hatte bereits über ihr Gehalt und ihre billigen Schuhe gespottet – doch als der Sicherheitschef plötzlich auf sie zukam und sagte: „Frau Weber, das Flugzeug wartet schon“, blieb Markus mitten im Satz die Luft weg

Ihr ehemaliger Kommilitone hatte gerade noch spöttische Bemerkungen über ihr Einkommen und ihre schlichten Schuhe gemacht. Dann ging der Leiter des Sicherheitsdienstes ausgerechnet auf sie zu.

— Frau Weber, das Flugzeug steht bereit.

Markus verstummte mitten in seiner Rede.

Zuerst starrte er den fremden Mann im makellos geschnittenen dunklen Anzug an. Dann wanderte sein Blick zu Charlotte, bevor er wieder bei dem Sicherheitschef landete.

Und plötzlich begann er zu lachen.

Es klang allerdings nicht fröhlich. Sein Lachen war abgehackt, angespannt und irgendwie unecht.

Bis es so weit kam, sollten jedoch noch etwa anderthalb Stunden vergehen.

Alles hatte im März mit einem Anruf von Klara begonnen.

— Charlotte, kannst du dir vorstellen, dass unser Abschluss schon fünfzehn Jahre zurückliegt? Am dreiundzwanzigsten April treffen wir uns in einem Restaurant. Kommst du auch?

Charlottes erster Impuls war, abzusagen.

Das Treffen fiel auf einen Samstag, und ausgerechnet an diesem Wochenende ging ihr Quartal zu Ende. Am Montag sollte sie dem Aufsichtsrat den Abschlussbericht vorlegen. Für private Pläne blieb ihr kaum Zeit.

Doch Klara ließ nicht locker.

— Ach, Charlotte, komm wenigstens für eine kurze Zeit! Fast alle sind dabei. Tobias Neumann, erinnerst du dich? Er ist inzwischen Zahnarzt. Julia Schneider hat ebenfalls zugesagt. Bitte.

Schließlich gab Charlotte nach.

Sie nahm sich vor, höchstens eine Stunde, vielleicht eineinhalb, zu bleiben und anschließend in Ruhe nach Hause zu fahren.

Am Samstag fuhr Charlotte mit einem gewöhnlichen Stadttaxi zum Restaurant.

Ein Wagen der gehobenen Klasse kam für sie nicht infrage.

Für den Abend hatte sie ein schlichtes graues Kleid ohne auffällige Marken gewählt. Dazu trug sie bequeme Schuhe mit niedrigem Absatz. Ihr Haar band sie zu einem ordentlichen Pferdeschwanz, und an ihrem Handgelenk glänzte lediglich eine schmale silberne Uhr.

Charlotte hatte nie das Bedürfnis verspürt, anderen ihren finanziellen Erfolg vorzuführen.

Als sie den Festsaal betrat, war die Feier längst in vollem Gang.

Ungefähr dreißig ehemalige Studenten saßen an einer langen Tafel. Aus den Lautsprechern liefen bekannte Lieder aus den 2000er-Jahren, und überall hingen Luftballons mit der Aufschrift „15 Jahre“.

Klara entdeckte Charlotte als Erste und fiel ihr sofort um den Hals.

— Charlotte! Du hast dich überhaupt nicht verändert!

— Du auch nicht, Klara.

Die beiden setzten sich nebeneinander.

Als der Kellner an ihren Tisch kam, bestellte Charlotte Tee.

Klara hob verwundert die Augenbrauen.

— Nicht einmal ein Glas Wein?

— Morgen früh muss ich fahren. Ich möchte kein Risiko eingehen.

Das war nur teilweise die Wahrheit.

Am frühen Morgen musste Charlotte zu geschäftlichen Verhandlungen fliegen. Dort sollte der Kauf eines großen Logistikzentrums endgültig abgeschlossen werden.

Den ehemaligen Kommilitonen wollte sie von ihrer Arbeit jedoch nichts erzählen.

Wozu auch?

Etwa zwanzig Minuten später tauchte Markus auf.

Zunächst hörten die anderen nur seine Stimme, bevor er überhaupt im Saal erschien.

Schon aus dem Flur dröhnte es:

— Na, Leute! Erinnert sich hier überhaupt noch jemand an mich?

Markus betrat den Saal in einem teuren Sakko. An seinen Ärmeln blitzten goldene Manschettenknöpfe, und seine massive Uhr war selbst im gedämpften Licht nicht zu übersehen.

Hinter ihm kam ein junger Mann mit einer Aktentasche.

Markus stellte ihn beiläufig vor:

— Das ist mein Assistent. Ohne ihn mache ich inzwischen keinen Schritt mehr.

Der junge Mann stellte sich an die Wand und beschäftigte sich sofort mit seinem Handy.

Markus selbst nahm ohne zu fragen am Kopfende der langen Tafel Platz.

Niemand hatte ihn dorthin gebeten, doch ebenso wenig fand sich jemand, der mit ihm darüber diskutieren wollte.

Die ersten vierzig Minuten verliefen noch verhältnismäßig entspannt.

Man sprach über frühere Dozenten, Reisen während des Studiums, peinliche Erlebnisse und den Abschlussabend.

Markus redete vor allem über sich selbst.

Er erzählte von seinem Bauunternehmen, den Niederlassungen in verschiedenen Regionen, der Zahl seiner Beschäftigten und den Dimensionen seines Geschäfts.

— Allein im vergangenen Jahr haben wir drei Wohnanlagen fertiggestellt, sagte er und zählte an den Fingern ab. — Vierhundert Mitarbeiter gehören inzwischen zu unserem Team. Und unser Umsatz … Na ja, ich will euch nicht mit Zahlen langweilen.

Genau mit diesen Zahlen verbrachte er allerdings beinahe den gesamten restlichen Abend.

Charlotte hörte ruhig zu, lächelte hin und wieder und nickte höflich.

Klara beugte sich zu ihr hinüber und flüsterte:

— Er hat sich wirklich kein bisschen verändert.

— Nein, kein bisschen, flüsterte Charlotte zurück.

Ungefähr eine Stunde nach seinem Eintreffen bemerkte Markus sie endlich.

Er nahm sein Glas, erhob sich und ging zu den beiden Frauen hinüber.

— Charlotte! Bist du das wirklich? Ich hätte dich zuerst beinahe nicht erkannt.

Charlotte sah ihren früheren Kommilitonen an.

— Hallo, Markus.

Langsam ließ er seinen Blick über sie gleiten, von ihrem Gesicht bis zu ihren Schuhen.

Gerade dort blieb er besonders lange hängen.

— Sag mal, wo arbeitest du eigentlich inzwischen?

— Bei einem Unternehmen. Ich bin im Bereich Investments tätig.

Markus verzog leicht den Mund.

— Investments? Also bei irgendeiner Bank?

— So ungefähr.

Er zog einen freien Stuhl heran, setzte sich neben sie und stellte sein Glas auf den Tisch.

Von diesem Moment an nahm der Abend eine andere Wendung.

— Ich weiß noch, dass du an der Universität Wirtschaft studiert hast. Nach dem Abschluss bist du dann plötzlich völlig verschwunden. Ich dachte schon, du hättest geheiratet, Kinder bekommen, wärst in Elternzeit gegangen – und damit wäre deine Karriere vorbei gewesen.

— Nein, erwiderte Charlotte gelassen. — Ich war nicht in Elternzeit.