„Ich bin sechzig, nicht sechzehn!“ – Als Elisabeth erfährt, dass sie schwanger ist, gerät ihre Familie aus den Fugen, und die Wahrheit über ihren Enkel kommt ans Licht

Выкл. Автор ChatGpt
„Ich bin sechzig, nicht sechzehn!“ – Als Elisabeth erfährt, dass sie schwanger ist, gerät ihre Familie aus den Fugen, und die Wahrheit über ihren Enkel kommt ans Licht

Die Wohnung.

Das Erbe.

Ihre Beziehung zu Hans.

Und seine eigenen Pläne.

Nina sprach als Erste aus, was Tobias nicht auszusprechen wagte.

„Und was wird dann aus uns?“

Tobias fuhr zu ihr herum.

„Was soll aus euch werden?“

„Du hast gesagt, die Wohnung würde eines Tages dir gehören.“

„Nina, dafür ist jetzt wirklich nicht der richtige Zeitpunkt!“

„Wann ist er denn richtig?“

„Sei still!“

Noch nie hatte Tobias sie so scharf angefahren.

Genau in diesem Augenblick betrachtete Elisabeth ihren Enkel aufmerksam.

Seine Reaktion kam ihr merkwürdig vor.

Er sah nicht überrascht aus.

Auch nicht glücklich.

Er wirkte verängstigt.

In ihrem Gedächtnis tauchten die vergangenen Monate wieder auf.

Die Tees am Abend.

Tobias hatte auffällig oft angeboten, das Getränk selbst zuzubereiten.

Manchmal hatte neben ihrer Tasse eine kleine Verpackung gelegen.

Sie hatte nicht nachgefragt. Vermutlich Vitamine, hatte sie gedacht.

Dann erinnerte sie sich an etwas anderes.

Nach manchen dieser Abende war sie ungewöhnlich schläfrig gewesen.

Am nächsten Morgen dagegen hatte sie sich seltsam energiegeladen gefühlt.

Vielleicht war es Zufall.

Vielleicht auch nicht.

Elisabeth zog die Stirn kraus.

„Tobias.“

„Was ist?“

„Was hast du mir gegeben?“

Er blinzelte.

„Wie meinst du das?“

„In meinen Tee.“

Sein Gesicht veränderte sich augenblicklich.

„Nichts.“

„Lüg mich nicht an.“

„Oma, was soll das?“

„Ich habe mehrmals gesehen, wie du etwas in meine Tasse getan hast.“

Nina starrte ihren Verlobten an.

„Was behauptet sie da?“

„Ich habe gar nichts gemacht!“

„Tobias“, sagte Elisabeth mit eisiger Stimme, „du sagst mir jetzt die Wahrheit.“

Er blickte zur Seite.

Das genügte.

Hans stand auf.

„Junge, hast du deiner eigenen Großmutter etwas untergemischt?“

„Es war nichts Schlimmes!“

„Was war es?“

„Ich weiß es nicht genau.“

„Wie bitte? Du weißt es nicht?“

Tobias ballte die Hände zu Fäusten.

„Ich habe es im Internet bestellt.“

In der Küche wurde es still.

„Was genau hast du bestellt?“, fragte Elisabeth langsam.

„Irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel. Dort stand, sie würden die Energie, den Schlaf und den Stoffwechsel verbessern.“

„Und du hast sie heimlich in meinen Tee getan?“

„Ich wollte doch nur, dass du dich besser fühlst!“

Elisabeth sah ihn an, als würde sie ihn zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich betrachten.

„Wenn du mir helfen wolltest, warum hast du dann nichts gesagt?“

Tobias schwieg.

„Warum?“

„Weil du es abgelehnt hättest!“

„Und deshalb hast du entschieden, mir ohne mein Wissen irgendein unbekanntes Mittel zu geben?“

„Ich dachte nicht, dass es gefährlich sein könnte.“

„Hast du überhaupt nachgedacht?“

Nina wich von Tobias zurück.

„Du hast mir davon kein Wort erzählt.“

„Weil es dich nichts anging!“

„Du bist ja völlig verrückt geworden.“

Hans musste sich sichtbar beherrschen.

„Hol sofort die Verpackung.“

„Wozu?“

„Wir zeigen sie dem Arzt. Sofort.“

Tobias sah erschrocken zu Elisabeth.

Und plötzlich begriff sie alles.

Oder zumindest das Wesentliche.

„Du wolltest, dass ich mich weniger in euer Leben einmische.“

Tobias schwieg.

„Ist es so?“

„Oma …“

„Du hast gehofft, dass ich ruhiger werde. Dass ich seltener in eure Wohnung komme. Vielleicht sogar ganz zu Hans ziehe.“

„Ich wollte dir doch nichts Böses.“

„Du wolltest, dass ich dir nicht mehr im Weg stehe.“

„Das ist nicht dasselbe!“

„Für mich schon.“

Elisabeth wandte sich ab.

Früher hatte sie geglaubt, das Schlimmste in ihrem Leben sei der Tod ihrer Tochter gewesen.

Doch nun empfand sie einen ganz anderen Schmerz.

Der Junge, den sie nach dem Tod ihrer Tochter großgezogen hatte, für den sie ihre besten Jahre geopfert und den sie vor der ganzen Welt beschützt hatte, hatte heimlich in ihre Gesundheit eingegriffen, nur weil sie seinen Plänen im Weg stand.

„Ich hätte an dem sterben können, was du mir gegeben hast“, sagte sie leise.

Tobias wurde noch blasser.

„Aber du bist nicht gestorben.“

Elisabeth wirbelte zu ihm herum.

„Das ist deine Entschuldigung?“

„Ich wollte es doch nur gut machen!“

„Für wen?“

Darauf fand Tobias keine Antwort.

Hans sagte kalt:

„Für sich selbst wollte er es gut haben.“

Tobias fuhr ihn an.

„Mischen Sie sich nicht ein!“

„Ich werde mich einmischen, wenn es um die Gesundheit der Frau geht, mit der ich zusammenlebe.“

„Das alles ist doch nur wegen Ihnen!“

„Nein, Tobias“, sagte Elisabeth und hob die Hand. „Es reicht.“

Sie sah ihren Enkel lange an. Ihre Stimme blieb ruhig.

„Morgen packst du deine Sachen.“

„Was?“

„Du wirst ausziehen.“

Nina sprang sofort auf.

„Wohin sollen wir denn?“

„Das ist nicht mehr mein Problem.“

„Aber die Wohnung …“

„Gehört mir.“

„Tobias ist hier aufgewachsen!“

„Und genau deshalb habe ich ihm so viele Jahre erlaubt, sie für sein Eigentum zu halten.“

Tobias starrte sie fassungslos an.

„Oma, meinst du das ernst?“

„Zum ersten Mal seit langer Zeit vollkommen ernst.“

„Wegen ein paar Tabletten?“

„Nicht wegen der Mittel.“

Elisabeth schüttelte langsam den Kopf.

„Wegen des Verrats.“

Nina bekam einen Wutanfall.

„Ich gehe nicht zurück in eine Wohngemeinschaft! Tobias, sag ihr endlich etwas!“

„Sei still!“, schrie er.