„Dann fahrt eben zu dritt“ – nachdem ihre Schwiegermutter heimlich den dritten Platz im Hotel und im Urlaub an sich gerissen hatte, buchte Clara kurzerhand ein eigenes Zimmer und zeigte ihrem Mann, was seine Ehe wirklich wert war

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„Dann fahrt eben zu dritt“ – nachdem ihre Schwiegermutter heimlich den dritten Platz im Hotel und im Urlaub an sich gerissen hatte, buchte Clara kurzerhand ein eigenes Zimmer und zeigte ihrem Mann, was seine Ehe wirklich wert war

Auf dem Bildschirm erschien ein kleines privates Hotel, zwei Straßen von ihrer Unterkunft entfernt.

Es besaß nur sieben Zimmer.

Dazu einen eigenen warmen Quellpool.

Da die Saison fast vorbei war, lag der Preis erstaunlich niedrig.

Am Freitag hatte Clara die Sonderzahlung für ihre zusätzlichen Nachtdienste erhalten.

Das Geld reichte vollkommen.

Sogar mit deutlichem Rest.

Es war ihr eigenes Geld.

Sie musste niemanden um Erlaubnis bitten.

Clara drückte auf „Buchen“.

— Frau Berger, wollen Sie wirklich mit uns fahren?

— Natürlich! — Brigittes Gesicht leuchtete auf, weil sie glaubte, endgültig gewonnen zu haben. — Wohin mein Sohn fährt, dorthin fährt auch seine Mutter!

— Gut, sagte Clara.

Thomas atmete erleichtert aus.

Viel zu früh.

Clara ging zu ihrem bereits geschlossenen Koffer und öffnete den Reißverschluss wieder.

Langsam begann sie, ihre Sachen herauszunehmen.

Eins nach dem anderen.

Das Kleid hängte sie auf einen Bügel.

Die Kulturtasche stellte sie zurück auf die Kommode.

— Clara, was machst du da? fragte Thomas beunruhigt. — Warum packst du wieder aus?

— Weil ich nicht mit euch fahre.

— Wie bitte? Du fährst nicht? Wir haben doch die Fahrkarten …

— Mit euren Fahrkarten ist alles in Ordnung. Fahrt ruhig zusammen. Das Dreibettzimmer ist bereits gebucht. Wie du selbst gesagt hast, ist das sogar günstiger.

— Und du?

— Ich fahre auch in denselben Kurort und an denselben Tagen. Nur wohne ich in einem anderen Hotel. In einem Einzelzimmer. Und ich bezahle es selbst.

Brigitte sprang abrupt vom Bett auf.

— Was soll das heißen – allein?!

Von ihrer früheren honigsüßen Stimme war nichts mehr übrig.

— Geht es etwa ums Geld? Wegen ein paar Euro willst du nicht mit der Mutter deines Mannes in einem Zimmer wohnen? Willst du mich hinauswerfen?

— Ich werfe niemanden hinaus, antwortete Clara ruhig. — Ihr fahrt in den Urlaub. Genießt ihn. Ich habe nur meine eigene Fahrkarte geändert.

— Das sollst du dir anhören! Thomas, hörst du, was deine Frau da macht? Sie tut das alles nur, um mich zu ärgern! Zwanzig Jahre lebt sie mit dir zusammen, und jetzt lässt sie dich am Bahnhof mit deiner Mutter allein!

— Ich lasse niemanden allein. Ich werde in eurer Nähe sein. Ich wohne nur woanders.

Clara schloss ihre kleine Reisetasche und stellte sie neben die Tür.

— Frau Berger, Sie wollten doch unbedingt verreisen. Dann wünsche ich Ihnen einen schönen Urlaub.

Brigitte ließ sich schwer wieder auf das Bett fallen.

Direkt auf ihren eigenen Sonnenhut.

Spät am Abend, als die Stimmen im Schlafzimmer endlich verstummt waren, kam Thomas in die Küche.

Clara saß mit einer Tasse Tee am Tisch.

Das Licht hatte sie nicht eingeschaltet.

— Clara, warum musstest du so reagieren? begann er leise. — Ich wollte es doch nur gut machen. Für Mama ist warmes Wasser gut. Ein Spezialist hat ihr gesagt, dass solche Quellen ihren Gelenken helfen.

— Ein Spezialist?

— Ja.

— Und wann wolltest du mir mitteilen, dass deine Mutter mitkommt? Am Bahnhof? Oder erst im Zug, wenn ich plötzlich feststellen sollte, dass wir zu dritt sind?

Thomas schwieg.

Wenn ihm keine Antwort einfiel, betrachtete er am liebsten sehr gründlich den Fußboden.

— Sie hat mich angerufen und geweint, sagte er schließlich. — Sie meinte, sie sei ganz allein und niemand kümmere sich mehr um sie. Ich konnte einfach nicht Nein sagen.

— Zu mir konntest du sehr leicht Nein sagen, erwiderte Clara. — Wir haben diese Reise acht Monate lang vorbereitet. Ein einziger Anruf deiner Mutter, und plötzlich sind wir drei.

Sie trank den kalten Tee aus.

Spülte die Tasse ab.

Dann nahm sie den kleinen Kalender vom Kühlschrank, auf dem Thomas die Tage bis zum Urlaub gezählt hatte.

Sie warf ihn nicht weg.

Stattdessen legte sie ihn sorgfältig in den Pappordner mit der Aufschrift „Bergland“.

Neben das Foto des Zimmers mit Balkon.

Tatsächlich fuhren sie im selben Zug.

Thomas saß mit seiner Mutter im dritten Wagen.

Clara im neunten.

Dort hatte sie noch einen freien Platz an der Seite gefunden.

Am Bahnsteig des Kurortes gingen sie in verschiedene Richtungen.

Brigitte marschierte selbstbewusst voraus, gab laut Anweisungen und zog ihren weinroten Koffer hinter sich her.

Thomas schleppte zwei Taschen.

Clara bestellte sich ruhig ein Taxi und fuhr zu ihrem Hotel.

Ihr Zimmer war klein.

Aber erstaunlich still.

Vom Balkon sah man in einen Garten, in dem ein frisch gewaschenes Hemd auf einer Leine hing.

Clara räumte ihre Sachen aus, zog sich um und ging hinunter zum Pool.

Dann legte sie sich einfach ins warme Wasser.

Ende September herrschte im Bergland ein besonderes Wetter.

Am Tag konnte die Luft sich auf zweiundzwanzig Grad erwärmen, während die Temperaturen nachts auf ungefähr zwölf Grad sanken.

Früh am Morgen stieg dichter weißer Dampf von der Wasseroberfläche auf.

Manchmal war er so undurchdringlich, dass man den gegenüberliegenden Beckenrand kaum erkennen konnte.

Clara schwamm allein durch diesen Nebel.

In einer Seitenstraße ließ irgendwo ein Mann eine kleine landwirtschaftliche Maschine an.

In der Luft mischten sich der Geruch feuchter Weintrauben und der ferne Duft von Rauch.