„Mama, ich habe dir diese Reise selbst geschenkt. Dann erklär mir bitte, warum mein Mann auf deinen Selfies auftaucht?“ – Anna starrte auf die Fotos und begriff nicht, was sie da sah

Выкл. Автор ChatGpt
„Mama, ich habe dir diese Reise selbst geschenkt. Dann erklär mir bitte, warum mein Mann auf deinen Selfies auftaucht?“ – Anna starrte auf die Fotos und begriff nicht, was sie da sah

Jetzt öffnete sie sämtliche Fotos ihrer Mutter noch einmal. Doch diesmal sah sie nicht mehr den Urlaub, sondern suchte systematisch den Hintergrund ab. Auf einem Bild aus dem Restaurant stand in einer Ecke eine schwarze Sporttasche mit rotem Logo. Thomas hatte sich im vergangenen Jahr genau so eine gekauft und zuvor tagelang verschiedene Modelle verglichen.

Auf einem Foto aus einem Café spiegelte sich in einer Glastür die Gestalt eines großen Mannes mit weißem Hemd. Das Bild war unscharf, der Körper nur als Reflex zu erkennen, und doch hatte die Haltung, diese leichte Neigung des Kopfes, etwas erschreckend Vertrautes. Anna zoomte so weit hinein, bis nur noch grobe Pixel zu sehen waren. Trotzdem wurde ihr Verdacht nicht kleiner, sondern größer.

Er war nie mitten im Bild. Immer nur seitlich, weit hinten, angeschnitten, als hielte er sich absichtlich außerhalb der Kamera. Aber er war dort. Ihr Mann war in demselben Hotel wie ihre Mutter.

Was in Anna hochstieg, war mehr als Eifersucht. Es war eine wilde, beinahe unwirkliche Verwirrung. Wie sollte das möglich sein? Seit wann? Warum ausgerechnet die beiden?

„Mein Gott … ich habe ihr diese Reise doch selbst bezahlt“, sagte sie laut in das leere Wohnzimmer. Schon der Gedanke daran verursachte ihr Übelkeit.

Plötzlich fielen ihr Dinge aus den vergangenen Monaten ein, die sie damals kaum beachtet hatte. Thomas war immer häufiger mit dem Handy auf den Balkon gegangen und hatte die Tür hinter sich geschlossen. Und Helga hatte in kleinen Alltagsstreitigkeiten auffallend oft ihren Schwiegersohn verteidigt.

„Anna, jetzt lass ihn doch. Er ist müde. Gib ihm ein bisschen Ruhe.“

„Thomas hat recht, mit dem neuen Auto könnt ihr ruhig noch warten.“

„Du bist viel zu streng mit ihm. Er arbeitet doch für euch beide.“

Mit zittrigen Fingern wählte Anna die Nummer ihrer Mutter. Das Freizeichen schien kein Ende zu nehmen.

„Hallo, mein Schatz!“, meldete Helga sich fröhlich. „Ich wollte dich gerade anrufen. Du glaubst gar nicht, wie schön die Sonnenuntergänge hier sind!“

„Mama, wie geht’s dir? Fühlst du dich nicht manchmal allein?“

„Allein? Überhaupt nicht! Hier kann man so viel machen. Gestern war ich auf einem Ausflug.“

„Warst du da allein? Oder hast du jemanden kennengelernt?“

Helga lachte. Für jeden anderen hätte es wahrscheinlich ganz normal geklungen. Anna jedoch meinte plötzlich, etwas Gezwungenes darin zu hören.

„Was redest du denn? Was für Bekanntschaften? Ich mache einfach Urlaub.“

„Und beim Abendessen? Sitzt du immer alleine?“

„Anna, was ist denn das für ein Verhör? Man kommt am Tisch eben mit Leuten ins Gespräch. Gestern habe ich mich zum Beispiel mit einem Ehepaar aus Berlin unterhalten. Sehr nette Menschen.“

„Und Männer? Spricht dich keiner an? Du weißt doch, dass du gut aussiehst.“

„Jetzt hör aber auf“, antwortete Helga gereizter. „Was denkst du dir denn zusammen? Ich liege am Pool, schwimme, gehe in den Spa-Bereich. Mehr nicht.“

„Ich mache mir nur Sorgen um dich.“

„Brauchst du nicht. Mir geht es bestens. Du, entschuldige, ich muss los, ich habe gleich eine Massage. Wir telefonieren heute Abend!“

Dann war die Verbindung beendet.

Anna ließ das Handy sinken. Je mehr ihre Mutter den Fragen auswich, desto verdächtiger kam ihr jedes Wort vor. Warum antwortete sie nicht einfach gelassen? Weshalb klang sie plötzlich genervt?

In Annas Kopf entstand ein Bild, gegen das sich alles in ihr wehrte. Ihre Mutter und ihr Mann. Heimlich. Hinter ihrem Rücken. Wie lange konnte das schon gehen? Waren all diese Geschäftsreisen vielleicht gar keine gewesen? Hatten sie sich sogar in Annas eigener Wohnung getroffen, während sie bei der Arbeit war?

Ihr wurde schwindelig. Sie presste die Handflächen gegen die Schläfen, doch vor ihrem inneren Auge tauchte immer wieder dieselbe Szene auf: die blauen Shorts mit dem weißen Streifen, der Drache auf dem Schulterblatt, der gebräunte Rücken ihres Mannes – nur ein paar Schritte von ihrer Mutter entfernt.

Anna versuchte, Thomas per Videoanruf zu erreichen. Das Klingeln zog sich quälend lange hin. Schließlich wurde der Anruf weggedrückt. Zwei Minuten später kam eine Nachricht.

„Bin sehr beschäftigt. Melde mich später.“

Mehr nicht. Kein Herz, kein Smiley, nichts von dem, was er sonst selbst in kurzen Nachrichten angehängt hatte.

Anna rief erneut ihre Mutter an.

„Mama, entschuldige, dass ich schon wieder störe. Ich bin heute irgendwie unruhig.“

„Anna, was ist los?“, fragte Helga sofort, nun hörbar besorgt.

„Eigentlich nichts. Erzähl mir lieber noch etwas vom Hotel. Ist es voll?“

„Schon ziemlich. Aber es verteilt sich gut.“

„Sind viele Deutsche da?“

„Einige, ja. Aber keine riesigen Gruppen.“ Helga stockte kurz. „Sag mal, geht es dir wirklich gut?“

„Mama … bist du dort wirklich allein? Bitte sag mir einfach die Wahrheit.“

Auf der anderen Seite entstand eine Pause.

„Ich verstehe nicht, worauf du hinauswillst. Natürlich bin ich allein. Anna, was ist denn passiert?“

„Nichts. Entschuldige. Genieß deinen Urlaub.“