Nach dem Training eilte Hanna nach Hause, weil sie ihrem Mann seine Lieblingsfischsuppe versprochen hatte – doch am Küchentisch wartete ein Geständnis, das ihr ganzes Leben veränderte

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Nach dem Training eilte Hanna nach Hause, weil sie ihrem Mann seine Lieblingsfischsuppe versprochen hatte – doch am Küchentisch wartete ein Geständnis, das ihr ganzes Leben veränderte

Die Scheidung von Matthias verlief still und ohne Streit. Im Gerichtsflur sah Hanna Laura für einen kurzen Moment. Eine wirkliche Schönheit, das musste man ihr lassen. Ihr früherer Mann hatte offenbar tatsächlich einen guten Geschmack.

Wie versprochen überwies Matthias jeden Monat Geld. Hanna war ihm für diese Großzügigkeit dankbar. Sie wusste, dass er es sich leisten konnte: Seine Firma lief hervorragend, und die Unterstützung für sie und Daniel belastete ihn kaum. Vielleicht war es seine Art, sich für die gemeinsam verbrachten Jahre erkenntlich zu zeigen. Laura wusste vermutlich nichts von den Überweisungen. Gutheißen hätte sie sie wohl kaum.

Ein Jahr verging. Hannas Leben folgte inzwischen einem angenehmen Rhythmus: Tanzabende, Training und mehrere Reisen ins Ausland. Dann blieben die Zahlungen von Matthias plötzlich aus. Nach dem Grund zu fragen, war ihr unangenehm. Wahrscheinlich hatte Laura es ihm verboten. Nun gut, sie würde auch ohne seine Hilfe zurechtkommen. Daniel verdiente neben dem Studium bereits ordentlich und konnte seine Kosten inzwischen selbst tragen. Außerdem reichte Hannas Gehalt für alles, was sie brauchte.

Es war ein freier Tag, und Hanna musste nirgendwohin. Solche ruhigen Morgen genoss sie inzwischen besonders. Sie hatte Fischsuppe gekocht und bemerkte erst danach, dass kein Brot mehr im Haus war. Ohne Brot mochte sie die Suppe nicht. Also zog sie rasch ihre Jacke an und ging zur Bäckerei an der Ecke. Direkt vor dem Laden stieß sie unerwartet mit Matthias zusammen.

— Matze? Was machst du denn hier?

— Hanna, hallo. Ich … ich wohne jetzt ganz in der Nähe. Ich habe mir eine kleine Wohnung gekauft.

— Das sind ja Neuigkeiten. Und Laura? Das Kind? Was ist es eigentlich geworden?

— Ein Mädchen … Aber die ganze Sache ist anders gelaufen, als ich dachte. Stell dir vor, ein Konkurrent hat Laura gezielt auf mich angesetzt. Sie hat sich mein Vertrauen erschlichen, ich habe mich verliebt, und den Rest kennst du. Später setzte sie mich immer stärker unter Druck, die Firma auf sie zu überschreiben. Sie behauptete, sie habe Angst, ich könnte sie verlassen und mittellos zurücklassen.

Ich habe schließlich zugestimmt. Nach der Geburt der Kleinen war ich vollkommen überwältigt und habe alles auf ihren Namen übertragen. Für mich behielt ich nur einen Teil des Geldes auf einem Konto, von dem sie nichts wusste. Kurz darauf warf sie mich aus dem Haus. Dann erfuhr ich, dass das Mädchen gar nicht von mir ist, und die Firma landete bei meinem Konkurrenten. So bin ich ganz unten angekommen. Komisch, nicht wahr? Am Ende wurde es tatsächlich genau so eine schlechte Fernsehromanze, wie du damals gesagt hast.

Ich habe mir diese Wohnung gekauft und eine Stelle gefunden. Ich muss nicht hungern, aber mein früheres Leben bekomme ich nie zurück. Und dir kann ich nun auch nichts mehr überweisen … Verzeih mir. Vermutlich willst du nicht einmal mehr mit mir sprechen. Ich habe dir schrecklich wehgetan. Ich habe dich für diese Frau eingetauscht und …

Plötzlich tat er Hanna leid. Er sah erschöpft aus, ausgebrannt und ohne jeden Glanz. Nichts erinnerte mehr an den selbstsicheren Matthias, der einst mit seinen Koffern zu einer jungen Schönheit gezogen war. Laura hatte sich als eiskalte Betrügerin erwiesen. Und er hatte seine Firma über so viele Jahre aufgebaut, hatte Kraft, Zeit und sein ganzes Herz hineingesteckt.

— Du bist wirklich ein Dummkopf, Matze. Komm mit zu mir. Ich habe gerade Fischsuppe gekocht. Deine Lieblingssuppe.

Lange saßen sie in jener Küche zusammen, in der sie sich früher Abend für Abend nach der Arbeit getroffen und die Ereignisse des Tages besprochen hatten. Das Gespräch war warm, offen und beinahe vertraut wie früher. Nur waren sie nun nicht mehr Mann und Frau.

Danach telefonierten sie gelegentlich miteinander. Von einem gemeinsamen Neuanfang war jedoch nie die Rede. Jeder von ihnen hatte inzwischen sein eigenes Leben. Beim Tanzen lernte Hanna später einen Mann kennen. Sie verliebte sich, heiratete ihn und wurde an seiner Seite aufrichtig glücklich.

Hanna lud Matthias zu ihrer Hochzeit ein. Er kam und freute sich, wie es schien, ehrlich für seine frühere Frau. Bei dieser Feier lernte er die Schwester des Bräutigams kennen. Ein halbes Jahr später waren Hanna und ihr neuer Mann Gäste auf seiner Hochzeit.

Das Leben ist eben erstaunlich unberechenbar. Was auch geschieht, man sollte niemals aufgeben oder glauben, für einen selbst sei alles vorbei. Niemand weiß, welche Wendung schon hinter der nächsten Ecke wartet. Man muss weiterleben, seinen Weg gehen und jeden neuen Tag annehmen.