Nach einer Nacht bei seiner Geliebten kam er lächelnd nach Hause – doch seine schwangere Frau wartete bereits mit Beweisen, Scheidungspapieren und einem Privatflugzeug

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Nach einer Nacht bei seiner Geliebten kam er lächelnd nach Hause – doch seine schwangere Frau wartete bereits mit Beweisen, Scheidungspapieren und einem Privatflugzeug

Katharina erhob sich langsam aus dem Sessel. Ihr Körper fühlte sich schwer an, die Knöchel waren geschwollen, und ihr Rücken schmerzte nach einer weiteren Nacht, in der sie kaum geschlafen hatte. Trotzdem stand sie aufrechter vor ihrem Mann als in all den Monaten zuvor.

„Dein Geld?“, fragte sie ruhig.

Markus verengte die Augen.

Katharina nahm die Mappe vom Beistelltisch, öffnete sie und zog mehrere Kopien von Kontoauszügen heraus. Ohne Hast legte sie ein Blatt nach dem anderen vor ihm auf den Tisch.

Die Miete für eine Wohnung im Frankfurter Westend.

Ein Collier mit Diamanten.

Eine neue Mercedes G-Klasse.

Überweisungen über eine Scheinfirma.

Abbuchungen vom Konto der gemeinnützigen Stiftung.

Vanessa Lorenz.

Für einen winzigen Moment entglitten Markus die Gesichtszüge.

Es dauerte kaum länger als einen Atemzug.

Doch Katharina sah es.

Angst.

„Was zum Teufel soll das sein?“, fragte er.

„Beweise.“

Er stellte sein Glas so hart ab, dass der Whisky über den Rand schwappte.

„Du hast in meinen privaten Konten herumgeschnüffelt?“

„In unseren Konten“, erwiderte Katharina. Ihre Stimme blieb beherrscht. „In meinem Erbe. In dem Vermögen meines Vaters. In den Spendengeldern. In allem, was du benutzt hast, um deine Affäre als geschäftliche Ausgabe zu tarnen.“

„Du weißt überhaupt nicht, wovon du redest.“

„Ich habe mich mit Dr. Johanna Falk getroffen.“

Diese Worte trafen ihn härter als alles andere.

Markus machte einen Schritt auf sie zu.

„Dazu hattest du kein Recht.“

„Ich hatte jedes Recht dazu. Vom ersten Euro bis zum letzten.“

„Glaubst du wirklich, du könntest mich damit erpressen?“ Seine Stimme wurde leise, kalt und gefährlich. „Du bist im sechsten Monat schwanger, emotional völlig außer Kontrolle und in jeder Hinsicht von mir abhängig. Wem werden die Leute wohl glauben? Mir? Oder einer verlassenen Ehefrau, die den Verstand verloren hat?“

In diesem Augenblick bewegte sich das Kind in Katharinas Bauch.

Diesmal war es kein sanftes Flattern.

Es war ein kräftiger, entschlossener Tritt.

Katharina legte die Hand auf die Wölbung unter ihrem Kleid. Zum ersten Mal an diesem Abend erschien ein echtes Lächeln auf ihrem Gesicht.

Markus bemerkte es sofort.

„Was ist daran so komisch?“

„Ich habe mich sehr lange gefragt, wann du aufgehört hast, mich zu lieben“, sagte sie leise. „Heute habe ich begriffen, dass die Antwort keine Bedeutung mehr hat. Denn ich habe aufgehört, dich zu brauchen.“

Für einige Sekunden herrschte vollkommene Stille in dem luxuriösen Penthouse. Durch die dreifach verglasten Fenster drang nur das ferne Rauschen des nächtlichen Verkehrs.

Dann lachte Markus.

Es war ein spöttisches, ungläubiges Lachen.

„Frauen verlassen Männer wie mich nicht, Katharina.“

Sie nahm einen Umschlag aus der Mappe und hielt ihn ihm hin.

„Da hast du recht“, sagte sie ruhig. „Frauen wie ich gehen nicht einfach. Sie befreien sich.“

Markus starrte den Umschlag an, ohne danach zu greifen.

Katharina legte ihn zwischen ihnen auf den Tisch.

„Meine Anwältin wird morgen früh Kontakt mit deinem Rechtsbeistand aufnehmen.“

Sein Gesicht verfinsterte sich.

„Scheidung?“

„Und eine vollständige forensische Prüfung sämtlicher Konten, die mit dem Nachlass meines Vaters oder der Stiftung verbunden sind.“

„Das wirst du nicht wagen.“

Katharina sah ihm direkt in die Augen.

Ihre Augen waren trocken.

Keine einzige Träne stand darin.

„Sieh mir einfach zu.“

Bevor Markus antworten konnte, vibrierte sein Telefon.

Er blickte auf das Display.

Vanessa.

Natürlich.

Auch Katharina sah den Namen, der auf dem Bildschirm aufleuchtete. Noch vor wenigen Monaten hätte dieser Anblick ihr den Boden unter den Füßen weggezogen. An diesem Abend war er nur noch die letzte Bestätigung einer Wahrheit, die sie längst angenommen hatte.

Markus nahm den Anruf an, ohne den Blick von ihr zu lösen.

„Was ist?“, fuhr er die Anruferin an.

Vanessas Stimme drang aus dem Lautsprecher. Süßlich, vertraut und ein wenig gereizt.

„Liebling, du hast deine Manschettenknöpfe bei mir liegen lassen.“

Liebling.

Dieses eine Wort blieb zwischen ihnen hängen wie ein Tropfen Gift.

Katharina ging schweigend an Markus vorbei.

Er griff nach ihrem Handgelenk und hielt sie fest.

„Wo willst du hin?“

Sie sah auf seine Finger.

Sie sagte nichts.

Sie blickte ihn nur so lange ruhig an, bis sein Griff sich lockerte und er sie schließlich losließ.

Erst dann antwortete sie.

„Ins Bett.“

An der Tür blieb sie noch einmal stehen.

„Zum ersten Mal in dieser Ehe werde ich nicht mehr auf dich warten.“

Sie ging ins Schlafzimmer, schloss die Tür hinter sich und drehte den Schlüssel im Schloss.

Auf der anderen Seite rief Markus ihren Namen.

Einmal.

Dann ein zweites Mal.

Katharina antwortete nicht.

Stattdessen öffnete sie den Kleiderschrank und nahm den kleinen Koffer vom obersten Fach, den sie bereits drei Tage zuvor gepackt hatte.

In dieser Nacht schlief sie keine einzige Minute.

Sie zog bequeme, weiche Kleidung an, nahm das Ultraschallbild aus der Schublade ihres Nachttisches und steckte es behutsam in ihre Handtasche. Danach saß sie auf der Bettkante und beobachtete schweigend, wie hinter den Hochhäusern allmählich der Morgen anbrach.