Meine Frau sagte, sie werde Leihmutter und 70.000 Euro verdienen, damit wir endlich ein eigenes Haus kaufen könnten – doch als ich zufällig hörte, worüber sie mit meinem Chef sprach, wurde mir schlagartig kalt

Выкл. Автор ChatGpt
Meine Frau sagte, sie werde Leihmutter und 70.000 Euro verdienen, damit wir endlich ein eigenes Haus kaufen könnten – doch als ich zufällig hörte, worüber sie mit meinem Chef sprach, wurde mir schlagartig kalt

Sie hob die Hand und strich mir über die Wange.

„Wir sind verheiratet, Tobias. Du musst nicht alles allein tragen. Lass mich wenigstens einen Teil übernehmen.“

Dann atmete sie tief ein.

Was sie anschließend sagte, traf mich noch härter als alles zuvor.

Der Embryotransfer sei bereits vereinbart.

Fast drei Stunden lang stritten wir. Ich schlug einen Kredit vor, noch mehr Überstunden, einen Umzug in eine günstigere Gegend, den Verkauf unseres Wagens und sogar die Möglichkeit, den Hauskauf einfach um mehrere Jahre zu verschieben.

Katharina hörte sich jeden Vorschlag bis zum Ende an. Sie fiel mir kein einziges Mal ins Wort.

Danach schüttelte sie jedes Mal traurig den Kopf.

Ihre Entscheidung war längst gefallen.

Der Termin stand bereits fest, bevor sie mir überhaupt von ihrem Plan erzählt hatte.

Als am nächsten Morgen das erste graue Licht durch die Vorhänge drang, wusste ich, dass ich sie nicht mehr umstimmen würde.

Die Monate danach schmerzten auf eine Weise, über die ich mit niemandem sprach.

Katharina fuhr regelmäßig zu angeblichen Terminen. Manche dauerten nur eine Stunde, andere fast den ganzen Tag. Wenn sie zurückkam, war sie völlig erschöpft. Ihre Schultern wirkten steif, ihre Hände zitterten manchmal vor Müdigkeit und abends klagte sie über Rückenschmerzen.

Gelegentlich fand ich sie auf dem Teppich in Jonas’ Zimmer. Sie war beim Vorlesen eingeschlafen, den Rücken an sein Bett gelehnt, während unser Sohn neben ihr lag und das Bilderbuch noch zwischen beiden geöffnet war.

Dann deckte ich sie vorsichtig zu.

Keiner von ihnen hatte mehr die Kraft, in ein richtiges Bett zu gehen.

Jeder müde Versuch eines Lächelns, den Katharina mir schenkte, erschien mir wie ein weiterer Beweis dafür, dass ich als Ehemann nicht genügte.

Auf der Arbeit ertappte ich mich dabei, wie ich immer wieder Möglichkeiten durchrechnete, die längst keine Bedeutung mehr hatten.

Was wäre gewesen, wenn ich früher den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hätte?

Was, wenn ich jeden Samstag gearbeitet hätte?

Was, wenn ich mit unserem Geld klüger umgegangen wäre?

Ganz gleich, wie oft ich darüber nachdachte, ich kam immer zu demselben Ergebnis.

Ich war nicht genug gewesen.

Jeden Abend, kurz bevor wir das Licht ausschalteten, kniete ich neben unserem Bett. Ich küsste Katharina auf die Wange und flüsterte:

„Danke.“

Doch in meinem Inneren fraß sich ein einziger Gedanke immer tiefer fest.

Ich hatte sie zu diesem Opfer gezwungen, weil ich versagt hatte.

Katharina fuhr mir dann sanft durch die Haare und schwieg.

Ich glaubte, sie müsse sich beherrschen, um nicht zu weinen.

Am vergangenen Dienstag hatte ich meinen Drehmomentschlüssel zu Hause liegen lassen.

Martin stand in einem halbfertigen Mehrfamilienhaus, in dem wir gerade die Leitungen erneuerten. Als ich nach meinem Autoschlüssel griff, rief er mir hinterher:

„Alles in Ordnung, Tobias?“

Ich hob nur den Daumen.

Es erschien mir nicht wichtig zu erklären, dass ich kurz nach Hause fahren musste.

Ich arbeitete seit sechs Jahren für Martin. Fast alles, was ich heute über meinen Beruf wusste, hatte er mir beigebracht. Er war bei Jonas’ Geburtstag gewesen. Einmal hatte er mir kurz vor Weihnachten eine unerwartet hohe Sonderzahlung überwiesen und behauptet, die Buchhaltung habe sich verrechnet.

Ich hatte ihm ohne jeden Vorbehalt vertraut.

Deshalb dachte ich zunächst nichts Schlimmes, als ich seinen Firmentransporter vor unserem Haus stehen sah.

Es überraschte mich, aber ich geriet nicht in Panik.

Ich parkte am Straßenrand und ging zur Haustür. Das Küchenfenster stand einen Spalt offen.

Kurz bevor ich die Stufen zur kleinen Terrasse erreichte, hörte ich Martins Stimme.

„Er glaubt also immer noch die ganze Geschichte mit der Leihmutterschaft?“

Ich blieb stehen.

Jeder Muskel in meinem Körper erstarrte.

Dann hörte ich Katharina.

Sie lachte leise.

„Er glaubt wirklich alles.“

Mein Herz schlug so heftig, dass das Blut in meinen Ohren rauschte.

Martin sagte etwas, doch seine Stimme war zu gedämpft, als dass ich die Worte verstehen konnte.

Wenig später antwortete Katharina:

„Nächste Woche ziehen wir endlich ein.“

Danach nahm ich nichts mehr wahr.

Meine Knie gaben nach. Ich rutschte an der Hauswand hinunter und landete im schmalen Beet neben der Terrasse. Meine Hände versanken in der feuchten Rindenmulchschicht, aber ich spürte weder den Schmutz noch die kleinen Holzsplitter.

Wir ziehen ein?

Martin hatte Zugang zu sämtlichen Häusern, die unsere Firma renovierte. Für mich bestand kein Zweifel daran, von welchem Haus Katharina gesprochen hatte.

Noch bevor ich wieder aufstand, hatte sich die schlimmstmögliche Erklärung in meinem Kopf festgesetzt.

Sie wollte mit meinem Chef zusammenziehen.

Das Kind war vielleicht gar nicht für ein fremdes Paar bestimmt.

Vielleicht war es Martins Kind.

Vielleicht waren die Termine keine Klinikbesuche gewesen.

Vielleicht hatte meine Frau seit Monaten ein zweites Leben geführt, während ich jeden Abend neben ihr gekniet und mich für ihr angebliches Opfer bedankt hatte.