„Raus aus diesem Haus! Du bist uns fremd!“ – Die erschütternde Stunde, in der eine junge Mutter alles verliert und um ihre Tochter kämpft
— Nein. Faul, wollte morgen. Halte Anna. Vierzig Minuten.
Clara zog Jacke an. Draußen graues Morgengrau. Stadt erwachte. Clara ging schnell.
Eingang roch nach Chlor. Schlüssel passte. Lukas hatte noch nicht gewechselt.
Wohnung roch nach gebratener Wurst, billigem Männerdeo. Beiges Mantel von Elvira an der Garderobe. Stimmen aus der Küche:
— Morgen Anwalt sagt, wie sie Konto verliert. Sie ist Frau, Vermögen gemeinsam.
— Nur die Wohnung nicht erwähnen, — flüstert Elvira. — Den Schuldschein denkt sie, habe ihn. Ich habe gestern alles umgedreht — Box weg. Vielleicht selbst entsorgt beim Krankenhausbesuch. Total nervös.
Clara stand im Flur, an der Wand gelehnt. Blick auf Hände, rosa Band noch am Handgelenk, schmutzig von Tee.
In Schlafzimmer. Auf ihrem Bett fremde rote Tasche, billig, klein. Schrank leer, nur Kleiderbügel. Schuhkarton in Ecke. Clara packte ihn an die Brust. Etwas raschelte.
— Wer da? — Lukas Stimme schrill.
Er stand nur in Unterwäsche und T-Shirt, Gesicht geschwollen vom Schlaf, Augen böse.
Elvira hinter ihm. Sie blass, griff nach Türrahmen.
— Clara, was machst du? — versuchte zu lächeln, doch verzog sich. — Gib die Box, das sind Lukas Papiere.
— Papiere? — Clara öffnete Box. Pass oben, Schuldschein. — Elvira, in OTK lernen wir Fehler erkennen, nicht nur Details.
— Welche Fehler, wovon sprichst du? — Lukas stürmte. — Gib her!
Clara steckte Schuldschein schnell in Jackentasche.
— Fehler in deiner Erziehung, Lukas. In deiner Logik.
Türgriff gegriffen.
— Nicht berühren. Noch ein Schritt — Polizei, Großbetrug. 1,2 Mio Schuldschein. Plus 280k auf Konto. Willst du sitzen, bevor dein Kind spricht?
Lukas starrte. Blick auf Mutter, sie schweigt.
— Wohnung Jubiläumsstraße jetzt beschlagnahmt. Klage auf Rückzahlung. Lebt, bis Gericht kommt. Zwei Monate Zeit.
Clara ging und schlug die Tür. Auf Treppenpodest endlich: tief ausgeatmet, wie seit drei Jahren nicht. Kurz, scharf, als Last von Schultern fallend.
Rückweg langsam. Im Laden neuen Wasserkocher, Tee, Schokolade gekauft. Vic wartete.
— Na? Gefunden?
— Ja. Morgen Möbel umziehen und Schloss ändern.
— Zurück zur Jubiläumsstraße? — Bruder freudig.
— Nein, — Clara blickte auf Fenster der Cousine. — Lassen sie sich kümmern. Wir bleiben hier. Mein Besitz. Sauber. Fehlerfrei.
Morgen graues Licht. Clara öffnet Augen, Anna schläft ausgestreckt. Wohnung warm. Zweiter Heizkörper, Vic klebt Fenster ab.