„Du willst die Scheidung? Gut, ich bin einverstanden.“ Nach Annas ruhiger Antwort war Markus völlig aus dem Konzept gebracht – und dafür gab es einen sehr triftigen Grund

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„Du willst die Scheidung? Gut, ich bin einverstanden.“ Nach Annas ruhiger Antwort war Markus völlig aus dem Konzept gebracht – und dafür gab es einen sehr triftigen Grund

„Mama, warum hast du das gemacht?“, fragte Anna, als sie in der Tür des Kinderzimmers stehen blieb. „Lina weiß doch selbst, wo ihre Sachen liegen.“

„Es war völlig unpraktisch. Die Sommersachen gehören nach unten, die Wintersachen nach oben. So sieht ein ordentlicher Schrank aus.“

„Das ist ihr Zimmer. Sie hat sich an ihre eigene Ordnung gewöhnt.“

„Ach, Anna, nun übertreib nicht. Sie ist zehn Jahre alt. Was soll dieses Gerede von ihrer eigenen Ordnung? Du lässt ihr viel zu viel durchgehen.“

Als Lina aus der Schule kam, stand sie lange vor dem geöffneten Schrank. Dann schloss sie wortlos die Tür und ging in die Küche, um zu malen. Anna sah, wie ihre Tochter die Lippen zusammenpresste. Genau so hatte sie selbst früher dagestanden, wenn Renate wieder einmal über ihr Leben entschieden hatte.

Renate fuhr erst nach dreieinhalb Wochen wieder nach Hause. An ihrem Abreisetag setzte Markus sich zum ersten Mal seit langer Zeit mit allen an den Tisch. Trotzdem wollte kein richtiges Gespräch entstehen. Die wenigen Worte zwischen ihnen wirkten wie Möbel in einer verlassenen Wohnung: Alles stand noch an seinem Platz, und doch war kein Leben mehr darin.

Zwei Tage nach Renates Abreise fasste Markus den Entschluss, mit Anna zu sprechen. Es war Sonntag. Lina und Emil waren mit der Nachbarin unterwegs, die regelmäßig mit ihrem Hund spazieren ging.

„Anna, setz dich bitte. Wir müssen reden.“

Sie nahm auf dem Stuhl Platz. Eigentlich wusste sie schon, was kommen würde. Es fühlte sich an wie das Herannahen eines Gewitters: Der Himmel war noch klar, doch die Luft hatte sich längst verändert.

„Ich möchte die Scheidung“, sagte Markus.

„Gut“, erwiderte Anna. „Ich bin einverstanden.“

Für einige Sekunden herrschte vollkommene Stille. Markus blinzelte verwirrt. Er hatte offensichtlich mit etwas anderem gerechnet – mit Tränen, Bitten oder dem Versprechen, dass Anna von nun an alles ändern würde.

„Du fragst nicht einmal, warum?“, fragte er, und seine Stimme zitterte leicht.