„Welchen Koffer soll ich nehmen – den großen oder den kleinen?“: Als ihre Schwiegermutter plötzlich mit in den Jahrestagsurlaub wollte, traf Anna eine Entscheidung, mit der niemand gerechnet hatte

Выкл. Автор ChatGpt
„Welchen Koffer soll ich nehmen – den großen oder den kleinen?“: Als ihre Schwiegermutter plötzlich mit in den Jahrestagsurlaub wollte, traf Anna eine Entscheidung, mit der niemand gerechnet hatte

Auf dem Bildschirm erschien ein kleines, privat geführtes Hotel, zwei Straßen von ihrem bisherigen entfernt.

Sieben Zimmer gab es dort insgesamt.

Dazu einen eigenen Thermalpool.

Da die Saison fast vorbei war, war der Preis besonders günstig.

Am Freitag hatte Anna ihre Prämie für die zusätzlichen Nachtdienste erhalten.

Das Geld reichte vollkommen.

Sogar mit reichlich Spielraum.

Es war ihr Geld.

Sie musste niemanden um Erlaubnis bitten.

Anna drückte auf „Buchen“.

„Frau Weber, möchten Sie wirklich mit uns fahren?“

„Natürlich!“ Gertrud strahlte, überzeugt davon, endgültig gewonnen zu haben. „Wo mein Sohn hinfährt, da fahre ich auch hin.“

„Gut“, sagte Anna.

Martin atmete erleichtert aus.

Viel zu früh.

Anna ging zu ihrem bereits geschlossenen Koffer und öffnete ihn wieder.

Langsam begann sie, ihre Sachen herauszunehmen.

Eins nach dem anderen.

Das Kleid hängte sie auf einen Bügel.

Die Kulturtasche stellte sie zurück auf die Kommode.

„Anna, was machst du da?“, fragte Martin alarmiert. „Warum packst du wieder aus?“

„Weil ich nicht mit euch fahre.“

„Wie bitte? Du fährst nicht mit? Wir haben doch Fahrkarten.“

„Mit euren Fahrkarten ist alles in Ordnung. Fahrt ruhig zusammen. Das Dreibettzimmer ist bereits gebucht. Wie du selbst gesagt hast: So ist es sogar billiger.“

„Und du?“

„Ich fahre ebenfalls in dieselbe Stadt und an denselben Tagen. Aber ich nehme ein anderes Hotel. Ein Einzelzimmer. Und ich bezahle es selbst.“

Gertrud schoss vom Bett hoch.

„Was soll das heißen – du fährst allein?“

Von ihrer bisherigen Honigsüße war nichts mehr übrig.

„Geht es etwa ums Geld? Wegen ein paar Euro willst du nicht mit der Mutter deines Mannes in einem Zimmer wohnen? Willst du mich hinauswerfen?“

„Ich werfe niemanden hinaus“, erwiderte Anna ruhig. „Ihr fahrt in den Urlaub. Genießt ihn. Ich habe nur eine Fahrkarte geändert. Meine.“

„Sieh dir diese Frau an! Martin, hörst du, was deine Frau da veranstaltet? Sie tut das alles nur, um mich zu ärgern! Zwanzig Jahre lebt sie mit dir zusammen, und jetzt lässt sie dich mit deiner Mutter am Bahnhof stehen!“

„Ich lasse niemanden stehen. Ich werde in der Nähe sein. Nur wohnen werde ich woanders.“

Anna schloss ihre kleine Reisetasche und stellte sie neben die Tür.

„Frau Weber, Sie wollten unbedingt Urlaub machen. Dann wünsche ich Ihnen eine schöne Zeit.“

Gertrud ließ sich schwer wieder auf das Bett sinken.

Direkt auf ihren eigenen Sonnenhut.

Spät am Abend, als die Stimmen im Schlafzimmer endlich verstummt waren, kam Martin in die Küche.

Anna saß mit einer Tasse Tee am Tisch.

Das Licht hatte sie nicht eingeschaltet.

„Anna, warum musstest du es so weit treiben?“, begann er leise. „Ich wollte es doch nur gut machen. Mama sollte das warme Wasser nutzen. Ihr Arzt hat gesagt, Thermalbäder seien gut für ihre Gelenke.“

„Ihr Arzt?“

„Ja.“

„Und wann wolltest du mir sagen, dass deine Mutter mitkommt? Am Bahnhof? Oder erst im Zug, wenn ich plötzlich feststellen sollte, dass wir zu dritt sind?“

Martin schwieg.

Wenn ihm keine Antwort einfiel, betrachtete er am liebsten sehr aufmerksam den Boden.

„Sie hat mich angerufen und geweint“, sagte er schließlich. „Sie meinte, sie sei ganz allein und alle hätten sie vergessen. Ich konnte einfach nicht Nein sagen.“

„Mir konntest du sehr leicht Nein sagen“, erwiderte Anna. „Wir haben diesen Urlaub acht Monate lang vorbereitet. Ein einziger Anruf deiner Mutter, und plötzlich sind wir zu dritt.“

Sie trank den kalten Tee aus.

Dann spülte sie die Tasse.

Anschließend nahm sie den kleinen Kalender vom Kühlschrank – denselben Kalender, auf dem Martin die Tage bis zum Urlaub gestrichen hatte.

Wegwerfen konnte sie ihn nicht.

Sie legte ihn sorgfältig in den Pappordner mit der Aufschrift „Bad Reichenhall“.

Neben das Foto des Zimmers mit Balkon.

Sie reisten tatsächlich mit demselben Zug.

Martin saß mit seiner Mutter im dritten Wagen.

Anna fuhr im neunten.

Dort hatte sie noch einen freien Platz am Gang gefunden.

Am Bahnhof in Berchtesgaden trennten sich ihre Wege.

Gertrud marschierte entschlossen voran, gab über den gesamten Bahnsteig laute Anweisungen und zog ihren bordeauxroten Trolley hinter sich her.

Martin folgte ihr mit zwei Taschen.

Anna bestellte sich in aller Ruhe ein Taxi und fuhr zu ihrem Hotel.

Ihr Zimmer war klein.

Aber außergewöhnlich still.

Vom Balkon aus sah man auf einen Garten, in dem jemand ein frisch gewaschenes Hemd auf einer Leine aufgehängt hatte.

Anna räumte ihre Kleidung aus, zog sich um und ging hinunter zum Thermalpool.

Dann legte sie sich einfach ins warme Wasser.

Ende September lag über Berchtesgaden eine besondere Stimmung.

Tagsüber konnte die Luft noch bis auf zweiundzwanzig Grad steigen, während die Temperatur nachts auf etwa zwölf Grad fiel.

Früh am Morgen stieg dichter, weißer Dampf aus dem Becken.

Manchmal war er so kompakt, dass man den gegenüberliegenden Rand kaum erkennen konnte.

Anna schwamm allein durch diesen Nebel.

In einer Seitenstraße sprang irgendwo ein kleiner Motor an.

Der Geruch feuchter Erde mischte sich mit dem Rauch eines entfernten Kamins.