— Was soll das heißen, du bist befördert worden? — fragte ihr Mann fassungslos, und in seiner Stimme lag nicht Freude, sondern blanke Angst vor ihrem Erfolg

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— Was soll das heißen, du bist befördert worden? — fragte ihr Mann fassungslos, und in seiner Stimme lag nicht Freude, sondern blanke Angst vor ihrem Erfolg

— HALT DEN MUND! — brüllte Markus.

— NEIN, ICH HALTE NICHT DEN MUND! — Claudia konnte jetzt nicht mehr aufhören. — All die Jahre habe ich deine Grobheit ertragen, deine Überheblichkeit, deine Art, mich wie eine kostenlose Dienstmagd zu behandeln! Aber es ist VORBEI! Hörst du? ES REICHT!

Markus stand bleich vor ihr und ballte und öffnete die Finger. Er war an eine fügsame Ehefrau gewöhnt, die seine Forderungen erfüllte. Doch nun stand vor ihm eine Frau, die bereit war, für sich selbst und ihr Leben zu kämpfen.

— Wenn du diese Stelle nicht ablehnst, gehe ich, — presste er hervor und setzte seinen letzten Trumpf ein.

Claudia lachte. Bitter, zornig und vollkommen ehrlich.

— DANN GEH! Glaubst du wirklich, ich werde dich anflehen zu bleiben? Dass ich weine, um Verzeihung bitte und mich an dich klammere? NEIN, Markus! Geh! Und nimm deine Sachen mit!

— Du kannst mich nicht aus MEINER Wohnung werfen!

— Aus WELCHER deiner Wohnung? — Claudia zog Unterlagen aus einer Schublade. — Hier ist der Kaufvertrag. Die Wohnung läuft auf MICH. Gekauft von MEINEM Geld, das mir meine Großmutter hinterlassen hat. Du hast hier NICHT EINEN CENT investiert!

Markus wurde rot vor Wut. Offenbar hatte er diese Tatsache tatsächlich verdrängt. Die Wohnung hatte Claudia noch vor der Hochzeit von ihrem Erbe gekauft.

— Aber… wir sind doch Mann und Frau…

— Noch. Aber das lässt sich ändern, — Claudia nahm ihr Handy. — Morgen gehe ich zu einer Anwältin. Scheidung, Vermögensaufteilung. Wobei es kaum etwas aufzuteilen gibt. Fast alles hier wurde von meinem Geld gekauft.

— Claudia, lass uns doch vernünftig reden… — Markus wechselte plötzlich den Ton. Seine Stimme wurde weicher, beinahe zärtlich. — Ich war aufgebracht. Lass uns alles besprechen…

— ZU SPÄT zum Besprechen! Sieben Jahre lang habe ich gehofft, dass du dich änderst, dass du ein anständiger Mensch wirst und nicht nur ein Nutznießer! Aber es war für dich BEQUEM, auf meine Kosten zu leben! Bequem, eine Frau zu haben, die schweigt, erträgt und keine eigene Stimme hat!

— Ich LIEBE dich! — rief Markus.

— LÜG NICHT! — Claudia trat fast direkt vor ihn. — Du liebst nur dich selbst! Deinen Komfort, deine Ordnung, deine Bequemlichkeit! Und ich bin für dich eine Putzfrau mit Gehalt!

In diesem Moment klingelte es an der Tür. Claudia ging öffnen. Vor ihr stand Herr Schneider, der Nachbar von oben, mit besorgtem Gesicht.

— Frau Weber, ist bei Ihnen alles in Ordnung? Ich habe Schreie gehört…

— Alles ist AUSGEZEICHNET, Herr Schneider! — sagte Claudia laut genug, damit Markus es sicher hörte. — Ich werfe nur gerade einen Parasiten aus meiner Wohnung!

Der Nachbar nickte verlegen und verschwand schnell wieder. Claudia kehrte zurück. Markus stand bereits im Flur und zog seine Jacke an.

— Das ist noch nicht vorbei, — zischte er. — Du wirst noch zu mir zurückkriechen und BETTELN, dass ich wiederkomme!

— DARAUF KANNST DU LANGE WARTEN! — Claudia riss die Tür auf. — RAUS! Und lass die Schlüssel hier!

Markus schleuderte die Schlüssel wütend auf den Boden und ging. Claudia schlug die Tür zu und lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Ihr Herz raste, ihre Hände zitterten, doch in ihrem Inneren breitete sich plötzlich Leichtigkeit aus. Als hätte jemand endlich eine schwere Last von ihren Schultern genommen, die sie viel zu lange getragen hatte.

Sie ging in die Küche, kochte Tee und setzte sich ans Fenster. Draußen gingen die Straßenlaternen an, in den Fenstern der Nachbarhäuser leuchtete Licht auf. Ein gewöhnlicher Abend in einer gewöhnlichen Stadt. Doch für Claudia war es der Abend ihrer BEFREIUNG.

Das Telefon klingelte. Sabine.

— Claudia, wo bist du? Ich mache mir schon Sorgen!

— Zu Hause. Alles ist gut. Ich habe Markus rausgeworfen.

— WAS? Wie rausgeworfen? Was ist passiert?

Claudia erzählte ihr knapp alles. Am anderen Ende der Leitung herrschte für einige Sekunden Stille.

— Sabine? Bist du noch dran?

— Claudia, ich bin STOLZ auf dich! Endlich hast du diesem unverschämten Kerl gezeigt, wo seine Grenze ist! Komm zu mir, wir feiern deine Freiheit!

— Danke, aber im Moment möchte ich allein sein. Ich muss das alles erst begreifen.

— Ich verstehe. Aber du sollst wissen: Ich bin da. Ruf mich jederzeit an.

Claudia legte auf und lächelte. Zum ersten Mal seit vielen Jahren ruhig, ehrlich, wirklich.

Drei Monate vergingen. Claudia stürzte sich in die Arbeit. Die neue Position verlangte viel Kraft, Verantwortung und Aufmerksamkeit, doch sie meisterte alles glänzend. Die Abteilung unter ihrer Leitung erzielte Rekordwerte. Frau Dr. Hoffmann verbarg ihre Zufriedenheit nicht.

— Frau Weber, Sie haben meine Erwartungen übertroffen. Wenn Sie so weitermachen, sprechen wir in einem Jahr bereits über die Position der stellvertretenden Geschäftsführerin.

Auch zu Hause hatte sich alles verändert. Claudia stellte die Möbel um, entsorgte die letzten Sachen von Markus, kaufte neue Vorhänge, frische Blumen und schöne kleine Dinge nur für sich selbst. Die Wohnung schien aufzuleben — heller, freier, gemütlicher.