Zehn Jahre lang kam ich allein bestens zurecht, doch kaum ließ ich eine Frau in meine Wohnung, bekam ich plötzlich Angst, selbst nur noch eine Tüte Milch zu kaufen
Von meiner Frau bin ich seit über zehn Jahren geschieden. Wir gingen damals ruhig auseinander, ohne Geschrei, ohne zerschlagenes Geschirr, ohne Gerichte. Seitdem hatte ich mich an das Leben allein gewöhnt.
Ich bin siebenundvierzig. Die Wohnung gehört mir, eine ganz normale Zweizimmerwohnung. Die Renovierung habe ich komplett selbst gemacht: alte Leitungen raus, neue Kabel gelegt, Kunststoffrohre verschweißt, Tapeten geklebt. Ich habe auch ein Auto, einen alten, schon ziemlich mitgenommenen Renault Logan, aber er läuft ordentlich, weil ich ihn pflege. Ich lebe nicht schlechter als andere.
Ich war nie einer von den Männern, die im Alltag hilflos sind. Ich kann Soljanka kochen und auch mal einen Kuchen backen. Waschen und Bügeln sind für mich erst recht kein Problem. Bei mir war es immer sauber. Staub kann ich genauso wenig ausstehen wie schmutziges Geschirr im Spülbecken.
Zehn Jahre lang habe ich mein Geld selbst eingeteilt, Lebensmittel gekauft, Rechnungen bezahlt und bin dabei auch nicht im Dreck versunken.
Vor einem halben Jahr lernte ich Katrin kennen. Sie ist dreiundvierzig und arbeitet als leitende Kassiererin in einem Baumarkt. Eine angenehme, gepflegte Frau, die sich gut ausdrücken konnte. Wir begannen uns zu treffen, spazierten durch die Stadt, und irgendwann blieb sie an den Wochenenden immer öfter bei mir.
Am Anfang war alles schön. Doch dann fielen mir Dinge auf, die mir langsam Angst machten. Mein männliches Selbstvertrauen schmolz dahin wie Schnee unter warmer Frühlingssonne.
Es fing unter einem sehr anständigen Vorwand an. Katrin wollte mir einen Teil des Haushalts abnehmen. Ich hatte nichts dagegen. Man kommt nach der Schicht nach Hause, auf dem Herd steht ein warmes Abendessen, und die Wohnung riecht nach frischem Gebäck. Welcher Mann würde das nicht mögen.
Ich bedankte mich, brachte ihr Blumen mit und versuchte, sie von jedem Gehalt mit kleinen Geschenken zu erfreuen.
Aber nach und nach bekam diese Fürsorge etwas Seltsames, etwas Erstickendes. Katrin begann, mich Schritt für Schritt aus meinem eigenen Alltag zu verdrängen. Und sie tat das mit der Haltung einer strengen Lehrerin, die einen begriffsstutzigen Schüler zurechtweist.
Ich stopfe meine Wäsche in die Maschine, schütte wie immer mein Waschpulver ins Fach und stelle die Temperatur ein. Da schießt Katrin in das Bad, drückt sofort auf Abbrechen und seufzt schwer, während sie die Augen verdreht.
– Stefan, was machst du da? – Sie schüttelt vorwurfsvoll den Kopf. – Wer nimmt denn dieses Pulver für bunte Sachen? Du ruinierst den ganzen Stoff, alles bleicht aus und bekommt Flecken. Weg von der Maschine, ich mache das selbst. Ihr Männer seid im Haushalt wie blinde Kätzchen. Wenn ich nicht wäre, hättest du längst alle ordentlichen Sachen verdorben.
Damals habe ich noch gescherzt. Ich sagte, dass ich seit zehn Jahren mit genau diesem Pulver wasche und noch kein einziges T-Shirt zerfallen ist. Aber sie sah mich mit so herablassendem Mitleid an, dass mir unwohl wurde.
Ich schwieg und ging aus dem Bad. Wegen einer Waschmaschine wollte ich keinen Streit anfangen.
Danach wurde es schlimmer. Wir gingen in den Laden um die Ecke, um Lebensmittel für die Woche zu kaufen. Ich nehme aus dem Kühlregal eine Packung Butter. Die vertraute blaue Verpackung, diese Marke kaufte ich seit Jahren, und sie schmeckte mir. Katrin reißt mir die Butter aus der Hand, dreht sie vor meinem Gesicht hin und her und schnalzt mit der Zunge.
– Liest du überhaupt, was hinten draufsteht? Da ist doch nur Palmfett drin. Du kannst nicht einmal Lebensmittel richtig auswählen. Wenn man dich allein einkaufen schickt, vergiftest du uns irgendwann noch. Leg das zurück, ich suche selbst vernünftige Butter aus.
Und ich lege sie zurück. Ich, ein erwachsener Mann, stehe mitten im Laden mit dem Einkaufswagen und rechtfertige mich wegen eines Stücks Butter.
Ihr Lieblingssatz, „Ohne mich gehst du zugrunde“, war von da an jeden einzelnen Tag in unserer Wohnung zu hören. Sie sagte ihn wegen jeder Kleinigkeit. Wenn ich das Brot angeblich falsch schnitt oder die verkehrte Marke Toilettenpapier kaufte. Wenn ich den Staub auf der Fensterbank nicht gründlich genug wischte oder eine saubere Tasse neben statt auf das Abtropfgitter stellte.
– Stefan, wer spült denn eine Pfanne so? Am Rand ist doch noch Fett. Was würdest du bloß ohne mich machen? Du würdest im Dreck versinken.
– Schon wieder hast du diesen billigen Beuteltee gekauft. Ich habe dir doch gesagt, nimm losen Tee. Du hast überhaupt keinen Geschmack. Wie du vor mir gelebt hast, kann ich mir gar nicht vorstellen.
Zuerst nervte mich das. Dann machte es mich wütend. Und irgendwann fing ich an, ihr zu glauben.
Im letzten Monat begann mein alter Wasserhahn in der Küche zu lecken. Reparieren ließ sich da nichts mehr, das Gewinde war völlig runter. Ich fuhr in den Baumarkt, um einen neuen zu holen, und Katrin kam natürlich mit. Sanitär habe ich immer selbst gemacht, das ist eine Sache von fünfzehn Minuten.