Halbstarke überfielen in einer Unterführung eine wehrlos wirkende alte Frau, um ihr Portemonnaie und ihren Schmuck zu rauben — doch was die Seniorin im nächsten Augenblick tat, ließ sie vor blankem Entsetzen erstarren

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In den vergangenen Monaten war die alte Unterführung am Stadtrand zu einem Ort geworden, über den man nur noch mit Unbehagen sprach. Viel zu oft wurden dort Menschen ausgeraubt. Dem einen entriss man das Handy, dem anderen die Geldbörse, und manche kamen sogar ohne Schmuck und ohne einen einzigen Schein nach Hause zurück.

Die Anwohner beschwerten sich, baten um Streifen und Schutz, doch die Täter verschwanden jedes Mal, noch bevor die Polizei eintraf. Deshalb wagte sich abends fast niemand mehr dorthin. Lieber nahmen die Leute einen langen Umweg in Kauf, als durch diesen Übergang zu gehen und sich in Gefahr zu bringen.

Doch an jenem Abend schien die ältere Frau nicht zu wissen, was ihr dort bevorstand. Ruhig ging sie ihres Weges, in einem blauen Mantel, mit einer kleinen Handtasche in der Hand, ohne Hast, als würde sie einfach nur nach Hause zurückkehren.

In der Unterführung war es feucht, unter der Decke flackerten matte Lampen, und jeder Schritt hallte dumpf von den Wänden wider. Als sie die Mitte erreicht hatte, traten plötzlich drei kräftige junge Männer vor sie und versperrten ihr den Weg. Alle trugen Sportkleidung, hatten kurz geschorene Haare, selbstgefällige Grinsen und tätowierte Arme.

Einer trat nach vorn, verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln und sagte:

— Na, Oma, wohin so eilig? Machen wir es einfach. Geldbörse, Handy, Schmuck.

Der Zweite warf einen Blick auf ihre Tasche und fügte hinzu:

— Und die Ringe ziehst du auch gleich aus. Ein bisschen schneller, solange wir noch nett sind.

Die Frau hob den Blick zu ihnen und antwortete ruhig, ohne das geringste Zittern in der Stimme:

— Ich habe nicht viel Geld. Aber selbst das, was ich habe, gebe ich solchen Schakalen nicht.

Für einen Moment verstummten die Kerle, dann brach einer von ihnen in lautes Gelächter aus.

— Du wirst ja auch noch frech?

Die Frau sah demjenigen, der ihr am nächsten stand, direkt ins Gesicht und sagte mit eisiger Kälte:

— Du kannst offenbar nur Alte und Frauen angreifen.

Das reichte. Das Gesicht des Banditen verzog sich augenblicklich vor Wut. Er machte einen Schritt auf sie zu, packte sie am Kragen und schleuderte sie mit dem Rücken gegen die Wand. Die Frau schloss vor Schmerz die Augen, der Aufprall war heftig, doch selbst da schrie sie nicht. Die beiden anderen standen daneben und grinsten nur.

Einer von ihnen sagte:

— Hättest du das Geld gleich rausgerückt, müsstest du jetzt nicht die Heldin spielen.

Trotz der Schmerzen öffnete die Frau langsam die Augen und sagte leise:

— Verzeihung, ich hatte unrecht. Ich hole das Geld jetzt raus. Es ist in meiner Tasche.

Der Anführer grinste höhnisch und lockerte seinen Griff ein wenig.

— Na dann hol es raus. Aber keine Dummheiten und keine ruckartigen Bewegungen.

Doch die alte Frau zog kein Geld hervor. Auf ihrer Handfläche blitzte eine Dienstmarke auf.

Sie hielt sie dem Anführer direkt vors Gesicht und sagte mit einer völlig anderen Stimme, hart und befehlend:

— Leitende Ermittlerin. Ermittlungskomitee. Ihr seid umstellt. Keine Bewegung, wenn ihr es nicht noch schlimmer machen wollt.

Das Grinsen verschwand den Banditen augenblicklich aus den Gesichtern. Sie hatten nicht einmal Zeit zu begreifen, was geschah, da stürmten schon von beiden Enden der Unterführung bewaffnete Einsatzkräfte heran.

Schwere Schritte, scharfe Kommandos, grelle Taschenlampen direkt ins Gesicht — und einen Augenblick später standen die drei Halbstarken bereits an die Wand gedrückt, unfähig, auch nur ein Wort herauszubringen.

Einer der Spezialeinsatzkräfte rief schneidend:

— Auf den Boden! Hände hinter den Kopf!

Genau der Kerl, der eben noch gelacht hatte, wurde kreidebleich und flüsterte:

— Das… das kann nicht sein… war das eine Falle?..

Die Frau richtete den Kragen ihres Mantels, stellte sich langsam wieder aufrecht hin und sah sie nun völlig furchtlos an.

— Wir sind euch schon lange auf der Spur. Ihr habt zu lange Menschen überfallen und geglaubt, ihr kämt damit ungestraft davon. Jedes Mal seid ihr uns im letzten Moment entwischt. Also mussten wir euch glauben lassen, ihr hättet leichte Beute vor euch. Jetzt haben wir euch — und die Beweise gleich mit. Willkommen genau dort, wo ihr hingehört.

Der Anführer zuckte, als wollte er noch etwas sagen, doch in diesem Moment klickten bereits die Handschellen an seinen Handgelenken. Auch seine Komplizen grinsten längst nicht mehr. Noch vor wenigen Minuten hatten sie sich wie die Herren dieser Unterführung gefühlt, jetzt zitterten sie wie gehetzte Ratten.

Als man sie abführte, hob die Frau ruhig ihre Tasche vom Boden auf, klopfte den Staub von ihrem Mantel und ging zum Ausgang, als hätte sie nichts weiter getan als ihre ganz gewöhnliche Arbeit zu Ende zu bringen.