Selbst die deutsche Führung war fassungslos: die Geschichte eines Regiments, das in Stalingrad bis zum letzten Mann stand

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Selbst die deutsche Führung war fassungslos: die Geschichte eines Regiments, das in Stalingrad bis zum letzten Mann stand

Das kroatische Regiment, das bei Stalingrad verschwand: das Schicksal der Freiwilligen, denen ihre eigene Treue zum Verhängnis wurde

Im Zweiten Weltkrieg kämpften an der Seite des nationalsozialistischen Deutschlands Soldaten aus vielen europäischen Ländern. Unter den Verbündeten des Dritten Reiches standen rumänische, ungarische, italienische, slowakische, kroatische und weitere militärische Formationen. Doch unter den slawischen Völkern gab es einen Fall, der bis heute als besonders eindringlich gilt und Historiker noch immer beschäftigt.

Gemeint ist das 369. verstärkte kroatische Infanterieregiment, eine Einheit, deren Weg mit einer Welle freiwilliger Meldungen begann und fast vollständig in den Trümmern von Stalingrad endete. Während manche Bundesgenossen Deutschlands ihre Beteiligung am Krieg im Osten mit der Zeit schwächten, kämpften die kroatischen Freiwilligen nahezu bis zum bitteren Schluss weiter.

Das Schicksal dieser Truppe wurde zu einem der düstersten Beispiele dafür, wie Ideologie, Kriegspropaganda und blinde Gefolgschaft Tausende Menschen in einen Tod treiben können, der am Ende jeden Sinn verloren hatte.

Die Entstehung des Unabhängigen Staates Kroatien und das Bündnis mit dem Dritten Reich

Nach der Niederlage und Aufteilung Jugoslawiens im Frühjahr 1941 wurde auf kroatischem Gebiet der sogenannte Unabhängige Staat Kroatien ausgerufen. Auf dem Papier erschien er als eigenes Staatsgebilde, in Wirklichkeit hing er stark von Deutschland und Italien ab.

An die Spitze des neuen Regimes trat Ante Pawelitsch, der Führer der Ustascha-Bewegung. Seine Herrschaft bemühte sich mit allen Mitteln, Berlin Zuverlässigkeit und politische Treue zu beweisen.

Deshalb verkündete die kroatische Führung schon kurz nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion die Anwerbung von Freiwilligen, die in den Krieg gegen die UdSSR geschickt werden sollten.

Für die Machthaber des neuen Staates war die Teilnahme am Feldzug im Osten nicht nur ein militärischer Schritt. Sie war ein sichtbares Bekenntnis zu Adolf Hitler und zugleich der Versuch, die Unterstützung Deutschlands weiter zu festigen.

Tausende Meldungen schon am ersten Tag der Anwerbung

Der Aufruf an Freiwillige löste eine unerwartet starke Reaktion aus. Bereits in den ersten vierundzwanzig Stunden nach Bekanntgabe der Anwerbung gingen Tausende Bewerbungen ein. Nach unterschiedlichen Angaben wollten ungefähr zehntausend Männer an die Ostfront ziehen.

Diese Begeisterung hatte mehrere Ursachen. Einige standen tatsächlich unter dem Einfluss antikommunistischer Propaganda. Andere hofften, durch den Dienst einen höheren gesellschaftlichen Rang, regelmäßigen Sold oder militärische Auszeichnungen zu erhalten. Wieder andere sahen in der Teilnahme am Krieg eine Möglichkeit, ihre Loyalität gegenüber dem neuen kroatischen Staat zu beweisen.

Die Zahl der Bewerber war so groß, dass das deutsche Kommando dennoch nur ein einziges Regiment aufstellen ließ, obwohl die Menge der Freiwilligen auch für eine vollständige Division gereicht hätte.

So entstand das 369. verstärkte kroatische Infanterieregiment, das später unter dem inoffiziellen Namen „Kroatische Legion“ bekannt wurde.

Die Einheit wurde nach dem Vorbild der Wehrmacht aufgebaut. Kroatische Soldaten erhielten deutsche Waffen, deutsche Uniformen und wurden unter Aufsicht deutscher Ausbilder geschult.

Gleichzeitig durften die Männer nationale Erkennungszeichen behalten. Auf den Uniformen erschienen Elemente der Ustascha-Symbolik, und auf einzelnen Helmen sowie Abzeichen wurden kroatische Embleme getragen.

Eine besondere Bedeutung hatte der Eid. Die Freiwilligen schworen Adolf Hitler als oberstem Befehlshaber der deutschen Streitkräfte die Treue. Für viele bedeutete das in der Praxis, dass sie in das militärische System des Dritten Reiches eingegliedert wurden.

Heute ist schwer vorstellbar, wie stark der politische und militärische Druck jener Zeit gewirkt haben muss, wenn Tausende bereit waren, ihr eigenes Schicksal an einen fremden Staat und dessen Führer zu binden.

Im Herbst 1941 wurde das Regiment an die deutsch-sowjetische Front verlegt und der 100. leichten Infanteriedivision der Wehrmacht unterstellt. Seine ersten größeren Gefechte erlebten die kroatischen Teile im Raum Charkow.

Der wirkliche Krieg erwies sich als weit härter, als viele erwartet hatten. Schon in den ersten Kämpfen erlitt die Einheit schwere Verluste. Die Rote Armee leistete zähen Widerstand, und der Vormarsch der Wehrmacht verlangte ständige Angriffe auf befestigte Stellungen.

Ausländische Verbündetenverbände wurden nicht selten in besonders gefährliche Abschnitte geschickt. Die deutsche Führung versuchte, eigene Stammverbände zu schonen, weshalb den Bundesgenossen häufig die schwersten Aufgaben zufielen.

Warum die Kroaten als einer der verlässlichsten Verbündeten Deutschlands galten

Trotz erheblicher Verluste erhielten die kroatischen Einheiten hohe Bewertungen durch das deutsche Kommando. In militärischen Unterlagen wurden ihre Disziplin, Standhaftigkeit und Bereitschaft, Befehle selbst unter äußerst schweren Bedingungen auszuführen, wiederholt hervorgehoben.

Historiker weisen darauf hin, dass die Motivation innerhalb des Regiments tatsächlich hoch war. Viele Soldaten betrachteten den Krieg gegen die Sowjetunion als persönliche Mission und verstanden ihn als ideologischen Kampf.

Gerade diese Überzeugung führte oft dazu, dass die Kroaten ihre Stellungen hielten, selbst wenn die Lage beinahe aussichtslos wurde.

Doch diese Kampfkraft hatte einen bitteren Preis. Die Verluste wuchsen so schnell, dass das Regiment immer wieder mit neuen Freiwilligen aus Kroatien aufgefüllt werden musste.

Im Jahr 1942 entwickelte sich die deutsche Offensive in Richtung Wolga. Zusammen mit anderen Teilen der Wehrmacht marschierte auch das 369. kroatische Regiment auf Stalingrad zu.

Bis dahin hatte die Einheit bereits zahlreiche erbitterte Kämpfe hinter sich und ihren Personalbestand mehrfach erneuern müssen. Trotz aller Verluste galt das Regiment weiterhin als einsatzfähig und nahm an den Angriffsoperationen im südlichen Frontabschnitt teil.

Im Frühjahr und Sommer 1942 wurde die kroatische Truppe in deutschen Berichten mehrfach als besonders hervorgetretene Einheit genannt. Für die Führung des kroatischen Staates wurde das zu einem willkommenen Anlass für eine breite Propagandakampagne.

Als die Schlacht um Stalingrad begann, geriet das kroatische Regiment in eines der größten und blutigsten Gefechte der Weltgeschichte.

Die Straßenkämpfe waren von kaum vorstellbarer Härte. Fast jedes Gebäude wurde zu einem eigenen Stützpunkt, und die Kontrolle über ein einziges Viertel konnte innerhalb eines Tages mehrmals von einer Seite zur anderen wechseln.

Die Verbände erlitten gewaltige Verluste durch Artillerie, Luftangriffe, Scharfschützen und Nahkampf. Unter solchen Bedingungen verloren selbst erfahrene Einheiten nach und nach die Fähigkeit, geordnet und vollständig zu handeln.

Das kroatische Regiment bildete keine Ausnahme. Bis zum Herbst 1942 war seine Stärke deutlich zusammengeschmolzen. Doch die verbliebenen Soldaten nahmen weiter an den schwersten Operationen innerhalb der Stadt teil.

Im Herbst 1942 traf Ante Pawelitsch an der Front ein. Er begegnete den Soldaten, überreichte Auszeichnungen und sprach von Pflicht, Ehre und Treue gegenüber den Bündnisverpflichtungen.

Für viele Militärangehörige wurde dieser Besuch zu einer wichtigen moralischen Stütze. Die Führung des kroatischen Staates wollte zeigen, dass sie stolz auf ihre Kämpfer sei und deren Einsatz als historische Aufgabe betrachte.

Doch nur wenige Monate später wurde klar, dass sich die Lage der deutschen Truppen bei Stalingrad rapide verschlechterte.

Nach Beginn der sowjetischen Operation „Uranus“ geriet die deutsche 6. Armee in die Einschließung. Mit ihr blieben auch die kroatischen Einheiten im Kessel von Stalingrad zurück.

Die Versorgung brach fast völlig zusammen. Es fehlte an Munition, Lebensmitteln, Medikamenten und warmer Winterkleidung. Die Soldaten litten unter Frost, Krankheiten, Hunger und ununterbrochenen Gefechten.

Die Kommandeure begriffen, dass die Chancen auf Rettung immer geringer wurden. Trotzdem hielten die meisten Einheiten ihre Positionen bis zur letzten Möglichkeit.

Bis Januar 1943 waren vom Regiment nur noch kleine Gruppen erschöpfter Kämpfer übrig. Viele waren verwundet, erfroren oder bis an die Grenze ihrer körperlichen Kräfte gebracht.

Je weiter die Personalstärke zusammenschrumpfte, desto deutlicher wurde, dass die Geschichte dieser Einheit ihrem Ende entgegenging. Die letzten Versuche, organisierten Widerstand zu leisten, konnten den Ausgang der Schlacht nicht mehr verändern.

Ende Januar gelang es nur noch, eine geringe Zahl verwundeter Soldaten aus der Einschließung auszufliegen. Für die meisten Männer, die einst an die Ostfront gezogen waren, endete der Weg zwischen den Ruinen von Stalingrad.

Nach verschiedenen Angaben überlebten von den vielen Tausend Freiwilligen, die während des Bestehens des Regiments durch seine Reihen gingen, nur wenige den Kessel von Stalingrad. Ein Teil wurde mit Flugzeugen evakuiert, ein Teil geriet in Gefangenschaft, und viele blieben auf den Listen der Vermissten zurück.

Gerade deshalb wird das Schicksal des 369. Regiments häufig als eine der tragischsten Episoden der kroatischen Freiwilligen im Zweiten Weltkrieg bezeichnet.

Die Geschichte des kroatischen Regiments zeigt, wie gefährlich die Verbindung aus Ideologie, Propaganda und bedingungsloser Treue zu politischen Führern werden kann. Tausende junge Männer zogen an die Front, weil sie hofften, zu Helden ihrer Zeit zu werden, doch am Ende wurden sie in eine der schrecklichsten Katastrophen des 20. Jahrhunderts hineingezogen.

Sie bewiesen tatsächlich Standhaftigkeit, Disziplin und persönlichen Mut. Doch diese Eigenschaften wurden für einen fremden Krieg und für fremde politische Ziele eingesetzt.

Das Schicksal des 369. kroatischen Regiments erinnert daran, dass Tapferkeit allein einen gewählten Weg noch nicht richtig macht. Manchmal werden selbst die mutigsten Soldaten zu Opfern von Entscheidungen, die Politiker weit entfernt von der Front treffen.

Heute betrachten Historiker die Geschichte der kroatischen Freiwilligen bei Stalingrad als eines der deutlichsten Beispiele für die Beteiligung ausländischer Verbündeter Deutschlands am Krieg gegen die Sowjetunion. Ihr Weg begann mit Begeisterung, lauten Versprechen und dem Glauben an den Sieg, und er endete in einer der blutigsten Schlachten der Weltgeschichte.

Die Erinnerung an diese Ereignisse ist nicht nur ein Teil der militärischen Chronik. Sie bleibt auch eine Warnung davor, wohin politischer Radikalismus, Führerkult und blinder Glaube an ideologische Parolen Menschen führen können.