Nach dem Urlaub mit seiner jungen Geliebten brachte der Mann seiner kinderlosen Ehefrau ein Geschenk mit, doch ihre Antwort nahm ihm alles
Als Katrin ihm die Schachtel hinhielt, sauber eingeschlagen in schlichtes graues Papier, ohne Schleife, ohne Karte, ohne irgendeinen Versuch, freundlich zu wirken, spürte er zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht dieses gewohnte Gefühl der Überlegenheit. Etwas anderes kroch in ihm hoch. Unruhe. Denn an ihrer Ruhe war etwas, das ihn frösteln ließ: der gerade Rücken, der feste Blick, die unbewegte Stimme. So stand keine Frau vor ihrem Mann, der angeblich von einer Dienstreise zurückkehrte, während er in Wahrheit seine Nächte ohne Scham bei einer anderen verbracht hatte.
— Mach auf, — sagte sie leise, beinahe sanft.
Er verzog den Mund zu einem spöttischen Lächeln. Wahrscheinlich wieder einer dieser letzten Versuche, Frieden zu stiften, dachte er. In seinem Kopf lief bereits die Szene ab, die er sich ausgemalt hatte: Gleich würde er die schwangere Puppe aus seiner Tasche holen, sie vor ihr auf den Tisch stellen und damit auf das zeigen, was er jahrelang ihre „Unfähigkeit“ genannt hatte. Er stellte sich sogar vor, wie Katrins Gesicht die Farbe verlor und ihre Lippen zu zittern begannen.
Doch nichts davon geschah so, wie er es erwartet hatte.
In der Schachtel lag nur eine einfache Mappe aus Karton. Keine Dekoration, keine liebevolle Nachricht, kein Anzeichen für eine Überraschung. Seine Stirn zog sich zusammen.
— Was soll das sein? Wieder irgendwelche Zettel? — warf er verächtlich hin.
— Lies genauer, — antwortete Katrin ruhig und trat einen Schritt zurück.
Die ersten Seiten blätterte er fast achtlos durch. Dann hielt seine Hand plötzlich still.
Laborwerte. Ärztliche Befunde. Stempel einer Klinik. Und ein Name — sein eigener.
— Was ist das für ein Unsinn?.. — Seine Stimme wurde auf einmal heiser.
— Kein Unsinn, — sagte sie sachlich. — Eine Kinderwunschklinik. Du hast doch Fakten immer so geliebt, oder nicht?
Ein kalter Druck stieg langsam aus seinem Bauch bis in den Hals. Im Befund stand unmissverständlich:
„Azoospermie. Eine biologische Vaterschaft ist ausgeschlossen.“
— Das… das kann nicht sein… — brachte er hervor und klammerte sich an die Kante der Kommode.
Katrin lächelte an diesem Abend zum ersten Mal wirklich. Aber in diesem Lächeln lag keine Freude. Nur Erschöpfung. Und etwas, das aussah wie Befreiung.
— Doch. Es kann. Und es stimmt. Ich habe mich dreimal untersuchen lassen. Bei verschiedenen Fachärzten. Du dagegen kein einziges Mal. Männer glauben ja gern, dass ihnen so etwas nicht passieren kann, nicht wahr?
Da kamen ihm all die Sätze wieder in den Sinn, mit denen er sie jahrelang verletzt hatte. Seine Sticheleien, seine kalten Bemerkungen, die demütigenden Worte über „Leere“ und „Minderwertigkeit“. Und auch die Puppe fiel ihm ein, die noch in einer Tüte im Kofferraum seines Wagens lag.
— Weißt du, — fuhr Katrin fort, — eigentlich müsste ich dir sogar dankbar sein. Ohne deine Grausamkeit hätte ich vielleicht nie den Mut gefunden, der Wahrheit bis zum Ende nachzugehen.
Sie trat näher an ihn heran und sah ihm direkt in die Augen.
— Und jetzt geh. Deine Puppe kannst du gleich mitnehmen.
Er öffnete den Mund, doch kein Wort kam heraus.
Und in diesem Moment begriff er noch nicht, dass alles erst anfing.
Er verließ die Wohnung, kam aber nicht weit. Seine Beine fühlten sich an, als wären sie mit Blei gefüllt. Im Treppenhaus roch es nach Feuchtigkeit und altem Staub, und in seinem Kopf hallte nur ein einziges Wort: unmöglich. Er setzte sich auf die Fensterbank zwischen zwei Etagen und presste die Mappe so fest an sich, als könnte er die Papiere zerknüllen und damit diese neue Wirklichkeit auslöschen.
„Ein Fehler. Eine Fälschung. Sie will sich nur rächen“, wiederholte er fiebrig in Gedanken.
Eine Stunde später saß er bereits im Auto und rief in der Klinik an. Die Stimme der Mitarbeiterin blieb höflich, ruhig und gnadenlos. Ja, die Befunde seien echt. Ja, die Untersuchung sei wiederholt worden. Nein, ein Irrtum sei ausgeschlossen.
Das Handy rutschte ihm aus der Hand und fiel auf den Beifahrersitz.
Da dachte er an Lea — jung, laut, ständig lachend, immer so leicht, als gäbe es keine Folgen.
„Ich glaube, ich bin schwanger…“, hatte sie kurz vor seiner Abreise zu ihm gesagt.
Damals hatte er nur gelacht und es einen „angenehmen Überraschungseffekt“ genannt.
Jetzt blieb ihm dieses Lachen im Hals stecken.
Nach Hause kam er erst tief in der Nacht zurück. In der Wohnung brannte kein Licht. Katrins Sachen waren verschwunden. Im Kleiderschrank gähnte Leere, als hätte sie nie dort gelebt.
Auf dem Küchentisch lag ein Zettel:
„Ich habe die Scheidung eingereicht. Such nicht nach mir. Ich will nicht länger neben einem Menschen leben, der mir mit Absicht wehgetan hat.“
Er setzte sich in die Küche und starrte lange auf denselben Punkt. Zum ersten Mal seit Jahren herrschte in der Wohnung völlige Stille. Keine Vorwürfe, keine Bitten, kein Bemühen mehr, ihm irgendetwas recht zu machen. Nur die Wahrheit.
Am nächsten Tag fuhr er zu Lea. Sie öffnete ihm im Hausmantel die Tür und musterte ihn ungehalten.
— Warum siehst du so finster aus? — fragte sie.