Auf dem Junggesellinnenabschied sagte ihre beste Freundin: „Ich bin schwanger von deinem zukünftigen Mann“ – und fast hätte eine erfundene Lüge die Hochzeit zerstört

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„Bist du verrückt geworden? Dieses Kleid kostet so viel wie ein gebrauchter Golf!“ Clara starrte ihre Freundin an und konnte nicht fassen, welche Summe auf dem kleinen Preisschild stand.

„Nein, du bist verrückt, wenn du glaubst, ich heirate in etwas, das Markus nicht für einen Moment vergessen lässt, wie man atmet!“ Lena drehte sich vor dem hohen Spiegel, hielt den schweren, schimmernden Schleppensaum in beiden Händen und betrachtete sich mit leuchtenden Augen. „Man heiratet schließlich nur einmal im Leben!“

„Das will ich doch hoffen“, murmelte Clara und sah noch einmal auf den Preis. „Aber ehrlich, Lena, muss es wirklich so teuer sein? Markus liebt dich, nicht den Stoff, in dem du vor ihm stehst.“

Lena blieb plötzlich stehen. Das Lächeln verschwand nicht ganz aus ihrem Gesicht, aber ihre Stimme wurde dunkler.

„Weißt du, wenn man seine Eltern verloren hat, begreift man irgendwann, wie kostbar solche Augenblicke sind. Ich möchte, dass dieser Tag vollkommen wird. Ich will das Gefühl haben, dass Mama und Papa, irgendwo da oben, stolz auf mich sein können.“

Claras Widerstand löste sich sofort in Reue auf. Drei Jahre zuvor waren Lenas Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seitdem trug Lena ihren Schmerz wie etwas Unsichtbares unter all den hellen Kleidern, Witzen und tapferen Lächeln.

„Es tut mir leid“, sagte Clara leise, trat zu ihr und umarmte sie vorsichtig, damit der kostbare Stoff keine Falte bekam. „Wenn dieses Kleid dir genau dieses Gefühl gibt, dann ist es jeden Cent wert.“

„Weißt du, was lustig ist?“ Lena lächelte wieder ein wenig und strich sich eine Haarsträhne aus der Stirn. „Markus hat sogar vorgeschlagen, dafür etwas von unserem Urlaubskonto zu nehmen. Er meinte, die Reise an die Ostsee läuft uns nicht weg, aber eine Braut in ihrem Traumkleid gibt es nur ein einziges Mal.“

Clara musste lächeln. Sie dachte an Markus, diesen großen, ruhigen Mann mit den warmen Augen und dem beinahe schüchternen Lächeln. Er und Lena wirkten wie zwei Seiten eines Tages: sie hell, schnell, voller Feuer; er besonnen, still und verlässlich.

„Clara, ich bin so glücklich“, flüsterte Lena, als die Verkäuferin nach Schleiern suchte. „Manchmal kann ich kaum glauben, dass Markus wirklich das Beste ist, was mir je passiert ist.“

„Nach mir natürlich“, neckte Clara sie.

Lena lachte hell auf. „Natürlich nach dir! Ach, und wir müssen noch über den Junggesellinnenabschied reden. Zwei Wochen sind gar nichts.“

„Alles geregelt“, versicherte Clara, die die Organisation längst übernommen hatte. „Ein kleines Ferienhaus draußen am See, Whirlpool, Sauna, Karaoke und deine sieben besten Freundinnen. Keine Stripper, genauso wie du es wolltest.“

„Eigentlich schade“, sagte Lena mit einem verschmitzten Zwinkern. „Julia hätte es vielleicht gebraucht. Seit ihrer Scheidung sieht sie ja kaum noch Tageslicht.“

„Für Julia habe ich mir etwas Eigenes überlegt“, antwortete Clara und lächelte.

Dann kam die Verkäuferin mit mehreren Spitzenschleiern zurück, und das Gespräch glitt weiter zu Länge, Stil und der Frage, welche Befestigung im Haar am besten halten würde.

Als Clara nach Hause kam, war sie erschöpft, aber zufrieden. Lena hatte sich endlich für Kleid und Accessoires entschieden, nun fehlten nur noch ein paar letzte Hochzeitsdetails. Clara ließ heißes Wasser in die Badewanne laufen und dachte an das bevorstehende Wochenende, an dem der Junggesellinnenabschied stattfinden sollte.

Kaum war sie aus dem Bad gestiegen, sah sie eine Nachricht von Anja: Sie könne nicht mitkommen, ihr Sohn habe Fieber.

„Schade“, murmelte Clara und schrieb ihr sofort gute Besserung zurück. Kurz darauf meldete sich auch Sabine. Sie bekam keinen freien Tag von der Arbeit.

„Mach dir keinen Kopf“, beruhigte Clara sie am Telefon. „Wichtig ist, dass wir alle bei der Hochzeit dabei sind.“

Am Freitagabend rollte Claras vollgepackter SUV aus der Stadt hinaus. Von den sieben eingeladenen Freundinnen blieben am Ende nur vier übrig: Clara, Julia, Katrin und Verena. Lena nahm es überraschend gelassen.

„Weniger Menschen, mehr Luft“, sagte sie, als sie auf den Beifahrersitz stieg. „Und mehr Sekt für jede Einzelne!“

Julia, die geschiedene Freundin, hatte schon nach wenigen Minuten eine Flasche geöffnet und schenkte den Schaumwein in Plastikbecher.

„Auf die Braut!“, rief sie. „Auf die schönste, glücklichste und verdammt noch mal beneidenswerteste Frau von uns allen!“

„Und auf ihren großartigen Bräutigam“, fügte Katrin hinzu, die mit Markus in einer Baufirma arbeitete. „Mit so einem Mann hätte jede Frau Glück.“

„Ich hatte keins“, seufzte Julia. „Mein Ex war am Ende einfach ein mieser Kerl.“

„Nicht alle Männer sind gleich“, sagte Clara sanft. „Markus ist anders.“

„Das ist er wirklich“, bestätigte Lena. „Manchmal habe ich sogar das Gefühl, ich verdiene ihn gar nicht. Gestern kam ich nach Hause, und er hatte gekocht, Kerzen angezündet, Wein geöffnet und gesagt: ‚Du arbeitest so viel an der Hochzeit, heute machst du einfach gar nichts.‘“