„Dann bezahl eben für dich selbst – ich habe dich überhaupt nicht eingeladen!“: Bei diesem Spott vor allen Gästen schwieg sie noch, doch was sie danach tat, veränderte ihr ganzes Leben

Выкл. Автор ChatGpt
„Dann bezahl eben für dich selbst – ich habe dich überhaupt nicht eingeladen!“: Bei diesem Spott vor allen Gästen schwieg sie noch, doch was sie danach tat, veränderte ihr ganzes Leben

Clara konnte die samstäglichen Abende bei Jens und Sabine nicht ausstehen.

Nicht, weil sie die Gastgeber nicht mochte. Sabine war eine herzliche Frau, kochte wunderbar und gab sich jedes Mal große Mühe, damit sich alle wohlfühlten.

Clara hasste etwas anderes.

Sie hasste, was aus ihr wurde, sobald sie dort saß.

Die Männer nahmen am großen Tisch Platz, schenkten sich Cognac ein und diskutierten über Autos, Immobilien, ihre Arbeit, Geldanlagen und Politik.

Die Frauen stellten Salate auf den Tisch.

Dann brachten sie das warme Essen.

Danach räumten sie die Teller ab.

Später kochten sie Tee.

Und wenn einer der Männer einen Witz über seine Frau machte, lachten die anderen bereitwillig mit.

Nach dreizehn Ehejahren hatte Clara gelernt, ebenfalls zu lachen.

Auch dann, wenn der Spott ihr galt.

Vor allem dann, wenn er ihr galt.

So war es leichter.

An jenem Samstag stand sie lange vor dem Spiegel.

Sie zog ein dunkelgrünes Kleid an, ließ ihr Haar offen und band es kurz darauf wieder zusammen.

Ihr Mann Markus erschien in der Schlafzimmertür.

„Bist du bald fertig?“

Er sah sie nicht einmal an.

„Ich bin fertig.“

„Dann komm.“

Während der beinahe ganzen Fahrt telefonierte er.

Clara blickte auf die abendlichen Straßen und fragte sich plötzlich, wann sie aufgehört hatten, stundenlang miteinander zu reden.

Sie wusste nicht mehr, wann genau es passiert war.

Bei Jens war die übliche Runde bereits versammelt.

Nach dem zweiten Glas lenkte jemand das Gespräch auf Autos.

„Clara hat doch erst vor Kurzem den Führerschein gemacht“, sagte Jens. „Na, wann sehen wir dich endlich selbst am Steuer?“

Markus grinste.

„An welchem Steuer denn?“

Er schnitt sich ein Stück Fleisch ab und fügte hinzu, ohne den Blick zu heben:

„Dafür müsste man erst einmal ein Auto kaufen. Sie schafft ja nicht einmal den Sprit aus eigener Tasche.“

Einige lachten.

Clara lächelte ebenfalls.

Automatisch.

„Dafür kann sie dich künftig nach solchen Abenden nach Hause fahren“, scherzte Jens.

„Als ob.“

Markus lehnte sich zurück.

„Dreizehn Jahre bezahle ich alles für sie. Ihr Gehalt reicht doch höchstens für Kosmetik, ein paar Blusen und sonstige weibliche Vergnügungen.“

Clara sah ihn an.

Sie arbeitete.

Zwar nur in Teilzeit.

Zwar war ihre berufliche Laufbahn nach der Geburt des zweiten Kindes fast verschwunden.

Aber sie arbeitete.

Sie kaufte Kleidung für die Kinder.

Sie bezahlte den Tanzkurs ihrer Tochter.

Sie besorgte Geschenke für ihre Eltern.

Und wenn das Geld, das Markus ihr daließ, nicht reichte, bezahlte sie auch die Lebensmittel.

In seiner Darstellung ihres gemeinsamen Lebens war alles ganz einfach:

Er verdiente.

Sie gab aus.

„Markus, jetzt reicht es“, sagte Sabine. „Clara ist wirklich eine großartige Frau.“

Ihr Mann verzog den Mund.

„Gold kann man wenigstens verkaufen.“

Wieder brach am Tisch Gelächter aus.

Clara senkte den Blick.

Früher hätten solche Sätze sie verletzt.

Inzwischen fühlte sie in sich nur noch eine seltsame Leere.

Sie stand auf.

„Soll ich dir beim Abwasch helfen?“

In der Küche sagte Sabine leise:

„Nimm es ihm nicht übel. Er hat getrunken.“

Clara sah sie an.

„Und wenn er nüchtern ist – welche Entschuldigung hat er dann?“

Sabine erstarrte.

Darauf wusste sie nichts zu sagen.

Eine Stunde später schlug Jens vor, im Sommer gemeinsam ein großes Haus am Meer zu mieten.

Alle begannen, über die Kosten zu sprechen.

„Wenn wir den Betrag auf die Familien aufteilen, ist es doch durchaus machbar“, meinte er.

Markus wurde sofort lebhaft.

„Wir sind dabei.“

Dann wandte er sich Clara zu.

„Na, übernimmst du deine Hälfte?“

Es wurde still.

Clara wusste bereits, was jetzt kommen würde.

Es lief immer gleich ab.

Zuerst eine Frage.

Dann eine kurze Pause.

Danach ein Spruch.

Und schließlich Gelächter.

„Wobei – welche Hälfte eigentlich?“

Markus lachte laut auf.

„Zahl doch selbst für dich! Ich habe dich überhaupt nicht eingeladen!“

Timo schnaubte am anderen Ende des Tisches.

Jemand prustete in sein Glas.

Sabine starrte auf ihre Hände.

Die junge Frau, die Clara gegenübersaß, sah sie mitleidig an.

Dieser Blick traf sie schlimmer als jedes Lachen.

Er war nicht böse.

Nicht spöttisch.

Nur voller Mitgefühl.

Als wäre über Clara längst alles bekannt.

Langsam legte sie ihre Serviette auf den Tisch.

Dann nahm sie ihre Handtasche.

„Wohin willst du?“, fragte Markus.

„Nach Hause.“

„Wir sind mit dem Auto hier.“

„Ich rufe ein Taxi.“

„Clara, was soll das? Das war doch nur ein Witz.“

Sie sah ihm direkt in die Augen.

„Ich weiß.“

Dann ging sie.

Im Taxi weinte Clara zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht.

Sie betrachtete ihr eigenes Gesicht in der dunklen Fensterscheibe.

Einundvierzig Jahre.

Dreizehn Jahre Ehe.

Zwei Kinder.

Eine Arbeit, die sie nur deshalb angenommen hatte, weil sie ihren Sohn rechtzeitig von der Schule abholen konnte.

Ein Bankkonto, auf das Markus Zugriff hatte.

Ein Haus, das auf seinen Namen lief.

Sein Auto.

Seine Kreditkarte.

Sogar der Urlaub, wie sie inzwischen begriff, hatte offenbar ihm gehört.

Und was gehörte eigentlich ihr?

Clara suchte lange nach einer Antwort.

Sie fand keine.