Der Urlaub, der ihr Leben zerbrach: Annette kam früher ins Wochenendhaus und fand dort das Auto ihres Mannes — und eine Wahrheit, die zwanzig Jahre Ehe auslöschte

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Der Urlaub, der ihr Leben zerbrach: Annette kam früher ins Wochenendhaus und fand dort das Auto ihres Mannes — und eine Wahrheit, die zwanzig Jahre Ehe auslöschte

Also fühlte sie sich hier längst wie die Hausherrin.

— Hat er dir erzählt, dass dieses Haus seiner Frau gehört? — fragte Annette ruhig.

Sophie wurde bleich und sah zu Markus hinüber.

Der atmete gereizt aus.

— Jetzt reicht es, Annette. Mach bitte keine Szene.

— Keine Szene? — Zum ersten Mal lag Stahl in ihrer Stimme. — Du bringst deine Geliebte in mein Haus und sprichst mit mir über Szenen?

Markus zuckte nervös mit der Schulter.

— Ich bin diese doppelte Existenz leid. Es lief doch schon lange darauf hinaus.

— Schon lange? — Annette lachte schief auf. — Stell dir vor, ich habe nichts bemerkt. Zwanzig Jahre neben einem Menschen gelebt und nicht gesehen, wann er mir fremd geworden ist.

Sie ging zum Fenster. Draußen lag der Garten im dunkler werdenden Abend, jener Garten, den sie über Jahre mit ihren eigenen Händen gepflegt hatte. Die Apfelbäume standen kurz vor der Blüte. Der Abendwind bewegte leise die Zweige des Flieders.

Früher hatte Markus ihr hier geholfen. In den ersten Jahren hatten sie zusammen den Zaun gestrichen, Fleisch auf den Grill gelegt und bis tief in die Nacht gelacht. Annette erinnerte sich plötzlich ganz deutlich daran, wie sie einmal im Regen direkt auf dem nassen Gras gesessen und Erdbeeren aus dem Beet gegessen hatten.

War auch das alles nur Lüge gewesen?

— Ich wollte dir nicht wehtun, — sagte Markus leise.

Annette fuhr zu ihm herum.

— Warum hast du es dann getan?

Ein paar Sekunden schwieg er. Dann setzte er sich auf einen Stuhl und sagte dumpf:

— Weil ich mich bei ihr wieder lebendig fühle.

Diese Worte verletzten sie schlimmer als der Betrug selbst.

Annette spürte, wie etwas Schweres und Heißes in ihrer Brust aufstieg. Keine Tränen. Demütigung.

— Also warst du bei mir tot?

— Du hast doch nur noch für dieses Grundstück gelebt, für deine Arbeit, deine Abrechnungen… Wir waren längst nur noch Mitbewohner.

— Wag es nicht, mir das zuzuschieben! — Zum ersten Mal brach ihre Stimme in einen Schrei. — Ich war mein ganzes Leben an deiner Seite! Als du die Stelle verloren hast, wer hat uns über Wasser gehalten? Als die Schulden kamen, wer hat die Kredite aufgenommen? Wer?

Sophie ging lautlos hinaus auf die Terrasse und ließ sie allein.

Markus rieb sich müde mit beiden Händen über die Stirn.

— Ich will keinen Streit.

— Natürlich nicht. Du hast ja bereits für uns beide entschieden.

Annette fühlte auf einmal eine furchtbare Erschöpfung. Als sei sie in diesem einen Abend um zehn Jahre gealtert.

Langsam zog sie ihre Jacke aus, legte die Schlüssel auf den Tisch und sagte ruhig:

— Gut. Dann geht ihr.

Markus hob den Kopf.

— Was?

— Das hier ist mein Wochenendhaus. Meins. Ich werde es nicht verkaufen. Und ihr werdet hier auch nicht euer neues glückliches Leben aufbauen.

Er stand auf.

— Annette, bitte, jetzt keine Hysterie.

— Hysterisch wäre es, wenn ich dir jetzt mit dieser Vase den Schädel einschlagen würde, — erwiderte sie kalt.

Für einen Augenblick sah Markus wirklich erschrocken aus.

Wieder senkte sich eine schwere Stille über das Haus.

Dann war von draußen ein harter Schlag des Gartentors zu hören.

Sophie war verschwunden.

Markus stürzte in den Hof.

Annette blieb allein zurück.

Sie setzte sich langsam auf einen Stuhl und bemerkte erst jetzt das fremde Telefon auf dem Tisch.

Sophies Telefon.

Der Bildschirm leuchtete plötzlich auf.

Und als Annette die Nachricht sah, wurden ihre Finger eiskalt:

„Hat er ihr immer noch nichts von dem Kind erzählt?“

Annette starrte lange auf das helle Display. Sie war unfähig, sich auch nur zu rühren. Diese Worte schnitten durch sie hindurch wie ein glühendes Messer.

„Hat er ihr immer noch nichts von dem Kind erzählt?“

Im Haus war es so still, dass man das gleichmäßige Ticken der alten Wanduhr hören konnte. Derselben Uhr, die sie und Markus vor zehn Jahren auf einem Flohmarkt gefunden hatten. Damals hatte er gelacht und gesagt, Dinge mit Vergangenheit gäben einem Haus eine Seele.

Jetzt kam ihr dieses Haus fremd vor.

Draußen schlug eine Autotür zu. Markus kam allein zurück. Offenbar war Sophie gefahren, weil sie nicht Teil dieses Gesprächs bleiben wollte.

Er trat ins Zimmer und sah sofort das Telefon in der Hand seiner Frau.

Sein Gesicht veränderte sich.

— Fass nicht fremde Sachen an, — sagte er scharf.

Annette hob langsam den Blick zu ihm.

— Ein Kind?

Markus erstarrte.

Diese Reaktion genügte ihr.

Annette spürte, wie in ihr endgültig alles zusammenbrach. Nicht laut, nicht mit Geschrei, nicht mit einem Ausbruch — sondern leise, schrecklich, unwiderruflich.

— Du bekommst ein Kind? — fragte sie fast flüsternd.

Er ließ sich müde auf den Stuhl ihr gegenüber sinken.

— Ja.

Ein Wort.

Kurz.

Aber genau dieses Wort teilte ihr Leben in ein Davor und ein Danach.

Plötzlich begann Annette zu lachen. Leise, nervös, beinahe wahnsinnig.

— Was für eine Ironie… Zwanzig Jahre lang konnten wir keine Eltern werden. Ich habe mich behandeln lassen, nachts geweint, bin von Arzt zu Arzt gelaufen… Und am Ende lag es offenbar doch nicht am Schicksal.

Markus wandte abrupt den Blick ab.

In diesem Moment verstand Annette alles.