Fremde Spielregeln: Wie eine einsame Frau in Dubai einem reichen Verführer vertraute, ihren Mann verriet und erst im Schmerz verstand, warum glänzende Versprechen in den Emiraten gefährlich sein können

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Fremde Spielregeln: Wie eine einsame Frau in Dubai einem reichen Verführer vertraute, ihren Mann verriet und erst im Schmerz verstand, warum glänzende Versprechen in den Emiraten gefährlich sein können

Das Taxi raste über die Straße, vorbei an riesigen Türmen, leuchtenden Schildern und gläsernen Schaufenstern. Ich drückte die Stirn ans Fenster. Alles sah aus wie ein Märchen. Die Wolkenkratzer schienen direkt aus dem Sand zu wachsen. Die Straßen glänzten vor Sauberkeit. Als der Fahrer den Preis nannte, erschrak ich ein wenig, zahlte aber trotzdem und dachte: Das ist es wert.

Das Hotel strahlte wie ein Palast. An der Rezeption lächelte eine Frau mit Kopftuch.

— Welcome, Mrs. Claudia. Your room with sea view.

Ich nickte, obwohl ich längst nicht jedes Wort verstand. „Sea view“ klang für mich wie ein Zauberspruch.

Das Zimmer war groß: weiße Vorhänge, Spiegel, kühler Boden und der Blick auf das endlose Meer. Die Wellen glitzerten, die Sonne spielte auf dem Wasser. Ich öffnete das Fenster, atmete die heiße Luft ein und lachte. Wirklich. Zum ersten Mal seit Jahren.

Ich zog die Schuhe aus, ging barfuß über den kühlen Boden und trat auf den Balkon. Unten rauschte die Stadt: Autos, Musik, Stimmen. Ich hob die Arme, als wollte ich diese ganze Welt umarmen, und flüsterte:

— Danke, Gott, dass ich es bis hierher geschafft habe.

Dann stand ich lange vor dem Spiegel. Mein Spiegelbild war mir fremd: gerötete Wangen, glänzende Augen, Haare, die aus der Frisur gerutscht waren, aber lebendig wirkten. Ich lächelte mir unsicher zu, fast wie ein Mädchen.

Am Abend ging ich hinunter zum Pool. Das Wasser funkelte unter den Laternen. Um mich herum lachten Fremde, jemand trank Cocktails. Ich bestellte Saft, setzte mich abseits und sah nur zu. In mir bebte alles vor Freude und Aufregung. Da war sie — das Leben. Das richtige.

Das Handy vibrierte. Nachricht von Thomas: „Wie geht’s? Alles okay?“

Ich starrte lange auf den Bildschirm und schrieb dann: „Ja, alles wie immer. Arbeit, Zuhause.“ Danach stellte ich den Ton aus.

Nachts ging ich hinaus. Die Stadt empfing mich mit Gewürzduft, feuchter Wärme und einem riesigen Mond über dem Wasser. Ich spazierte an der Promenade entlang, vorbei an Schaufenstern mit Goldschmuck und Seidenkleidern, und dachte: Ich habe richtig gehandelt. Mit jedem Schritt schien mein altes Leben zurückzuweichen. Graue Tage, Töpfe, Stille, Gespräche über nichts — alles blieb irgendwo weit weg.

Hier wusste niemand, dass ich Köchin war. Hier war ich nur eine Frau, deren neues Leben begann.

Ich ahnte noch nicht, dass das Schicksal in derselben Nacht bereits sein feines Netz zu knüpfen begann. Noch ging ich einfach weiter, während der Wind von Dubai mir die Haare zerzauste, als flüsterte er:

— Willkommen, Claudia.

Am nächsten Tag war alles wie die Fortsetzung eines Traums. Die Sonne fiel ins Zimmer, als rufe sie: „Steh auf, dein Leben beginnt.“ Ich ging zum Frühstück. Das Büfett bog sich unter Essen, es roch nach Zimt, Kaffee und frischem Brot. Neben mir saßen Touristen — jung, sicher, laut. Niemand beachtete mich, und gerade das machte mich leicht. Ich konnte jede sein.

Nach dem Frühstück ging ich ans Meer. Der Sand brannte an den Fußsohlen, doch selbst das war angenehm — ein Beweis, dass ich wirklich hier war. Die Wellen liefen sanft über meine Füße, und jede schien die Müdigkeit vergangener Jahre wegzuspülen. Ich stand bis zu den Knien im Wasser und flüsterte:

— Claudia, du hast es geschafft.

Die Sonne stieg höher, die Luft wurde dick vor Hitze. Um mich herum waren schlanke Frauen in Badeanzügen, gebräunte Männer, Möwenrufe und Salzgeruch. Ich fühlte mich wie ein Gast in einem fremden Paradies, aber seltsamerweise nicht fehl am Platz.

Zurück im Hotel sah ich eine Nachricht meiner Tochter: „Mama, wo bist du? Warum rufst du nicht an?“

Ich antwortete: „Ich erhole mich, alles gut“, und fügte ein Smiley hinzu. Zum ersten Mal seit langer Zeit.

Am Nachmittag fuhr ich zum Markt. Ich wollte Souvenirs kaufen, etwas Schönes, das ich nach Hause mitnehmen konnte. Der Markt lärmte wie das lebendige Herz der Stadt. Händler lächelten, riefen Preise, streckten Hände aus. Die Luft war schwer von Vanille, Moschus, Früchten und gerösteten Nüssen.

Ich ging zwischen den Ständen entlang, betrachtete goldene Armbänder und Seidentücher. An einem Stand blieb ich stehen. Bernsteinfarbene Ohrringe erinnerten mich an meine Jugend.

Der Verkäufer war dunkelhäutig, schwarzhaarig, mit Augen wie aus einem alten Film. Er sprach Deutsch mit weichem Akzent:

— Schöne Ohrringe für eine schöne Frau.

Ich wurde verlegen.

— Ich schaue nur.

— Schauen ist schon der Anfang einer Entscheidung, — lächelte er.

Unwillkürlich musste ich lachen. Er stellte sich vor:

— Karim. Und Sie, woher kommen Sie?

— Aus Deutschland, aus dem Norden, — antwortete ich.

— Kaltes Land, warme Frauen, — zwinkerte er.

Meine Wangen brannten. Doch in seinen Worten lag keine Grobheit. Es war leichte, spielerische Aufmerksamkeit, die ich seit Jahren nicht mehr gespürt hatte.

Er zeigte Schmuck und erzählte zu jedem Stück, als lägen vor ihm keine Ohrringe und Armbänder, sondern kleine Geschichten. Seine Stimme war tief, warm, einhüllend.

— Nehmen Sie diese Ohrringe, — sagte er plötzlich. — Ein Geschenk.