Fremde Spielregeln: Wie eine einsame Frau in Dubai einem reichen Verführer vertraute, ihren Mann verriet und erst im Schmerz verstand, warum glänzende Versprechen in den Emiraten gefährlich sein können
— Claudia, weißt du, warum ich bei dir bin?
Ich schüttelte den Kopf.
— Weil du nicht bist wie die anderen. Hier gibt es viele Frauen — laut, glänzend, hungrig nach Aufmerksamkeit. Du bist echt. Du kannst zuhören. Du lebst.
Ich lächelte, doch innen stach etwas. Zu schön. Zu glatt. Er bemerkte meinen Zweifel und trat näher.
— Hab keine Angst. Ich brauche nichts außer deinem Vertrauen.
Am Abend brachte er mich zurück und gab mir zum Abschied ein kleines Beutelchen.
— Ein Amulett, — sagte er. — Gegen den bösen Blick. Damit du Glück hast.
Darin lag ein hellgrüner, durchscheinender Stein.
— Danke, — flüsterte ich.
— Trag ihn, — fügte er hinzu. — Er soll dich an mich erinnern.
Als ich in mein Zimmer kam, zitterten meine Hände. Ich legte das Amulett auf den Nachttisch und sah es lange an. Auf der einen Seite war Freude, als hätte das Schicksal mir eine zweite Chance geschenkt. Auf der anderen Seite war eine Unruhe, trüb wie ein Schatten unter Wasser.
Das Handy leuchtete: „Gute Nacht, mein nördliches Geheimnis.“
Ich lächelte, doch in mir regte sich Zweifel. Warum Geheimnis? Warum nicht einfach Frau?
Vor dem Schlafen legte ich mir das Amulett um den Hals. Der Stein kühlte die Haut. Er war schön, aber fremd, wie aus einem Leben, das nicht mir gehörte. Draußen summte die Stadt. Und in der Dunkelheit, unter dem Rauschen der Wellen, dachte ich zum ersten Mal: „Was weiß ich eigentlich über diesen Mann, außer sein Lächeln?“
Am nächsten Tag rief er wieder an.
— Claudia, heute zeige ich dir den Himmel näher, als du ihn je gesehen hast.
— Du bist ein rätselhafter Mann, Karim.
— Nein. Ich liebe es nur, wenn Frauen lächeln.
Er kam in einem weißen Geländewagen. Ich schaffte es kaum, ein leichtes Kleid anzuziehen und das Amulett darunter zu verstecken. Unterwegs erzählte er von Bergen, alten Wüstenlegenden und Steinen, die Erinnerungen bewahren. Seine Stimme wiegte mich ein, die Zeit löste sich auf.
Nach einer Stunde ließen wir die Stadt hinter uns. Die Straße lief in den Sand, der Horizont flimmerte vor Hitze. Es war, als atme die Erde unter der Sonne.
— Hier ist ein anderes Dubai, — sagte Karim. — Ohne Glas und Glanz. Hier ist alles echt.
Er führte mich über einen schmalen Pfad zwischen Dünen. Der Wind zerrte an meinem Kleid, Haare klebten mir im Gesicht, der Sand knirschte unter den Füßen. In der Ferne standen Beduinenzelte. Vor einem davon stand ein Mann in langem Gewand. Er hob die Hand zum Gruß.
— Mein Cousin, — sagte Karim. — Wir trinken Tee, dann bringe ich dich zurück.
Wir saßen im Schatten und tranken süßen Minztee. Der Mann sprach kaum, stellte manchmal Fragen auf Arabisch. Ich verstand nichts, spürte aber seine Blicke — höflich, doch wachsam. In meiner Brust wuchs ein seltsames Gefühl: als wäre ich nicht bei einem Rendezvous, sondern mitten in einer fremden Geschichte.
Als die Sonne tiefer sank, schlug Karim vor, noch zu bleiben.
— Der Sonnenuntergang hier ist besonders. Ein Augenblick — und die Welt wird neu geboren.
Wir standen oben auf einer Düne. Der Wind schlug mir ins Gesicht, der Sand funkelte golden. Er trat näher, legte den Arm um meine Schultern, und ich wich nicht zurück. In mir zog sich alles zusammen und schmolz zugleich.
— Claudia, — flüsterte er, — verstehst du, was ich fühle?
Ich schwieg.
— Ich glaube, ich habe gefunden, wonach ich gesucht habe.
Er küsste mich. Sanft, vorsichtig, als hätte er Angst, mich zu verscheuchen. Seine Lippen rochen nach Minze und Sonne. Mein Herz raste, als liefe es über den Sand. Doch tief in mir regte sich trotzdem Angst. Zu schön. Zu vollkommen. So ist die Welt nicht.
Auf dem Rückweg schwieg er. Er sah auf die Straße und hielt das Lenkrad fest umklammert. Ich fragte:
— Ist alles in Ordnung?
— Ja. Ich denke nach. Ich habe große Geschäfte. Ein Projekt. Vielleicht könntest du helfen.
Ich wurde wachsam.
— Wie?
Er lächelte kurz.
— Später. Jetzt ist nicht die Zeit, über Geld zu sprechen.
Das Wort „Geld“ glitt kalt über meinen Rücken. Doch er lächelte, berührte meine Hand, und die Unruhe löste sich wieder auf.
Vor dem Hotel öffnete Karim mir die Tür, als wäre nichts Besonderes geschehen.
— Vertraust du mir, Claudia? — fragte er leise.
— Ich glaube schon.
— Dann hab keine Angst. Manchmal verlangt das Schicksal einen Schritt ins Dunkel.
Dieser Satz durchbohrte mich.
Als ich allein war, wurde das Zimmer zu still. Ich nahm das Amulett ab, legte es auf den Tisch und starrte auf den grünen Stein. Er schimmerte wie das Auge einer Echse. Ich schaltete den Fernseher ein, um meine Gedanken zu übertönen, doch die arabische Sprache klang zu laut.
Dann nahm ich das Handy und öffnete den Chat. Dutzende Nachrichten: „Schläfst du? Du bist wunderbar. Denk daran, ich bin bei dir.“ Alles sah ehrlich aus. Vielleicht machte ich mir nur unnötig Sorgen?
Ich legte mich hin, doch der Schlaf kam nicht. Draußen rauschte die Stadt, und in meinem Kopf klang seine Stimme: „Manchmal verlangt das Schicksal einen Schritt ins Dunkel.“ Ich wusste noch nicht, dass ich diesen Schritt längst getan hatte.