„Ich bin schwanger von deinem Bräutigam“ – das gestand ihre beste Freundin mitten auf dem Junggesellinnenabschied und ließ eine Nacht voller Vorfreude in Tränen zerbrechen

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„Da steht nichts Eindeutiges“, sagte sie langsam. „Nur normale Nachrichten. ‚Hallo, wie geht’s?‘, ‚Wann kommst du vorbei?‘ Mehr nicht.“

„Er hat angerufen“, flüsterte Saskia. „Er wollte so etwas nicht schreiben.“

„Wie praktisch“, murmelte Katrin.

Johanna nahm das Handy nun doch an sich. Sie wischte weiter, schneller, dann blieb ihr Daumen plötzlich stehen. Auf dem Bildschirm war ein Foto von Saskia zu sehen, halb bekleidet, auf einem Bett. Johanna erstarrte. Dieses Bett, dieser helle Bezug, diese Nachttischlampe — für einen Herzschlag glaubte sie, ihr eigenes Schlafzimmer zu sehen.

„Wann soll das gewesen sein?“, fragte Claudia.

„An dem Tag, an dem du nach Rostock gefahren bist“, antwortete Saskia mit brüchiger Stimme. „Am fünfzehnten April.“

Johanna hob den Kopf. In ihren Augen flackerte etwas auf, erst Schmerz, dann Konzentration. „Ich war nicht in Rostock.“

Saskia blinzelte. „Doch. Du hast gesagt…“

„Ich habe die Fahrt abgesagt“, sagte Johanna. „Meine Tante kam ins Krankenhaus. Markus und ich waren den ganzen Tag zu Hause.“

Saskia schob ihr das Handy hin, als könnte das Bild allein die Wirklichkeit ändern. „Aber das Foto…“

Johanna sah genauer hin. Dann lachte sie plötzlich auf, nicht fröhlich, sondern fast ungläubig. „Mein Gott. Das ist gar nicht unser Schlafzimmer. Das ist deine Wohnung.“

„Was?“ Verena trat näher.

Johanna deutete auf den Hintergrund. „Da an der Wand. Das Bild mit den Schwänen. Du hast es von deinen Eltern bekommen, als du ausgezogen bist.“

„Und das Datum“, sagte Katrin leise, nachdem sie auf den Bildschirm gesehen hatte. „Das ist der fünfzehnte Februar. Nicht der fünfzehnte April.“

Eine schwere, kalte Pause breitete sich im Raum aus.

Claudia sah Saskia an. „Was bedeutet das? Hast du uns allen gerade ins Gesicht gelogen?“

„Ich…“ Saskia bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen. „Ich lüge nicht, was die Schwangerschaft angeht. Der Test ist positiv.“

Johanna sprach nun sehr leise. „Aber Markus ist nicht der Vater. Stimmt’s?“

Saskia schwieg lange. Dann kam ihre Antwort kaum hörbar. „Ich weiß nicht, wer der Vater ist.“

Niemand sagte etwas.

„Nach der Scheidung habe ich mich mit ein paar Männern getroffen“, flüsterte Saskia. „Nichts Ernstes. Niemand wollte Verantwortung. Und als ich erfahren habe, dass ich schwanger bin, bekam ich Panik. Ich sah, wie Markus dich liebt, wie zuverlässig er ist, wie liebevoll… Ich dachte, er wäre ein guter Vater.“

„Also hast du beschlossen, dass er einer sein soll“, sagte Verena scharf. „Und dafür wolltest du Johannas Leben zerbrechen.“

„Du bist eine Verräterin“, sagte Johanna. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch, aber gerade das machte sie unerträglich. „Ich habe dich für meine Freundin gehalten. Für eine der engsten.“

„Ich war verzweifelt“, schluchzte Saskia. „Nach der Scheidung war ich allein mit meinem Kind, und jetzt das Baby… Ich wusste nicht mehr weiter.“

Claudia atmete schwer aus. „Du hättest uns einfach um Hilfe bitten können. Wir hätten dir geholfen.“

Johanna sagte nichts mehr. Sie ging ins Schlafzimmer und begann, ihre Sachen zusammenzupacken.

„Wo willst du hin?“, fragte Claudia und folgte ihr. „Es ist spät. Bleib wenigstens bis morgen.“

„Ich kann hier nicht bleiben.“ Johanna wischte sich die Tränen von den Wangen, doch neue kamen sofort nach. „Ich rufe mir ein Taxi und fahre nach Hause.“

„Dann fahre ich mit“, sagte Claudia ohne Zögern. „Ich lasse dich jetzt nicht allein.“

Im Wohnzimmer saß Saskia zusammengesunken auf dem Sofa.

„Johanna“, sagte sie, als die Braut mit ihrer Tasche zur Tür ging. „Bitte verzeih mir. Ich war neidisch auf dein Glück. Ich war so neidisch… Es tut mir leid.“

Johanna blieb im Türrahmen stehen und drehte sich langsam um.

„Du hast nicht nur unsere Freundschaft zerstört“, sagte sie. „Du hast auch etwas in mir kaputt gemacht, das ich Menschen entgegengebracht habe. Ich weiß nicht, ob ich dir das je verzeihen kann.“

Draußen wartete das Taxi mit laufendem Motor. Während es über die dunkle Landstraße fuhr, saß Johanna neben Claudia und starrte auf die Lichter, die draußen vorbeischossen. Lange sagte sie kein Wort.

„Weißt du, was das Schlimmste ist?“, fragte sie schließlich. Ihre Stimme klang leer. „Für einen Augenblick habe ich es geglaubt. Ich habe an Markus gezweifelt. An uns.“

„Das ist menschlich“, antwortete Claudia vorsichtig. „Wenn man so etwas hört, zerreißt es einem erst einmal den Boden unter den Füßen.“

„Aber ich hätte nicht zweifeln dürfen!“ Johanna schlug mit der Faust auf ihr Knie. „Ich kenne Markus seit vier Jahren. Er hat mir nie einen Grund gegeben, ihm nicht zu vertrauen.“

Claudia legte ihr die Hand auf die Schulter. „Du warst überrumpelt. Jetzt ist die Wahrheit da.“

„Ja.“ Johanna nickte bitter. „Und die Wahrheit ist, dass meine Freundin bereit war, mein Glück zu zerstören, nur damit sie nicht allein mit ihrer Angst bleibt.“

„Saskia hat etwas Furchtbares getan“, sagte Claudia. „Aber sie ist schwanger, einsam und offenbar völlig verzweifelt.“

Johanna wandte den Kopf. „Verteidigst du sie?“