Ich engagierte einen Schauspieler, der sich beim Familienfest zum Schweizer Nationalfeiertag als mein neuer Freund ausgeben sollte – während mein Ex dort mit der Frau erschien, für die er mich verlassen hatte. Doch die Lektion, die mein falscher Partner ihm erteilte, liess die ganze Familie verstummen

Выкл. Автор ChatGpt
Ich engagierte einen Schauspieler, der sich beim Familienfest zum Schweizer Nationalfeiertag als mein neuer Freund ausgeben sollte – während mein Ex dort mit der Frau erschien, für die er mich verlassen hatte. Doch die Lektion, die mein falscher Partner ihm erteilte, liess die ganze Familie verstummen

2. August 2026

Ich hatte einen völlig fremden Mann dafür bezahlt, einen Nachmittag lang so zu tun, als wäre er mein neuer Partner. Mein Ex hatte angekündigt, beim alljährlichen Familienfest zum ersten August gemeinsam mit jener Frau aufzutauchen, für die er mich verlassen hatte. Ich rechnete mit mitleidigen Blicken, gedämpftem Getuschel und vielleicht ein paar spitzen Bemerkungen am Pool. Was ich nicht erwartet hatte: Dieser Fremde würde eine winzige Gewohnheit von mir bemerken und vor allen aussprechen, wer sie mir über Jahre hinweg beigebracht hatte.

Beinahe hätte ich die ganze Sache abgesagt, als Sebastian aus seinem Wagen stieg.

Er sah viel zu gut aus.

Das war tatsächlich mein erster Gedanke.

Er wirkte nicht wie ein Mann, bei dem man sich sofort geborgen fühlte. Auch nicht übertrieben freundlich oder bemüht. Er war einfach auf eine beinahe unverschämte Weise attraktiv.

Viel zu attraktiv.

Gross, breite Schultern, dunkles Haar, die Sonnenbrille lässig hineingeschoben und die Ärmel seines weissen Hemdes exakt bis unter die Ellbogen hochgekrempelt. Er bewegte sich mit einer selbstverständlichen Ruhe, als müsste er sich nirgends erklären und als wäre jeder Ort, den er betrat, ganz automatisch auch für ihn bestimmt.

Ich stand auf der Veranda meines Hauses, trug ein schlichtes blaues Sommerkleid und hielt mich so fest am Türrahmen, als könnte er verhindern, dass ich davonlief.

Das Kleid hatte seine ursprüngliche Farbe schon vor Jahren verloren. Nach unzähligen Waschgängen war der Stoff weich und angenehm geworden. Um die Taille sass er enger als früher – vor drei Schwangerschaften und fünfzehn Jahren voller Familienessen, bei denen ich grundsätzlich erst dann zum Sitzen kam, wenn alle anderen bereits versorgt waren.

Bevor ich mich wieder für dieses Kleid entschieden hatte, hatte ich sechs andere Kombinationen anprobiert.

Am Ende war ich doch zu dem alten blauen Kleid zurückgekehrt.

Als Sebastian die Stufen erreichte, lächelte er.

„Klara?“

Noch bevor ich überlegen konnte, was ich sagen wollte, hörte ich mich antworten:

„Entschuldigen Sie bitte. Ich sehe nicht mehr so aus wie auf den Fotos.“

Er hielt für einen Moment inne.

Nicht lange genug, um unhöflich zu wirken.

Aber lange genug, damit ich selbst hörte, wie verzweifelt dieser Satz klang.

Dann zog sich ein feines Lächeln über sein Gesicht.

„Sie haben sich entschuldigt, bevor Sie sich überhaupt vorgestellt haben.“

Seine Worte trafen mich stärker, als sie es hätten tun dürfen.

„Es tut mir leid. Ich sehe wirklich nicht mehr aus wie auf den Bildern.“

Ich lachte, weil ich nicht wusste, wohin sonst mit meiner Verlegenheit.

„Entschuldigung. Guten Tag. Ich bin Klara.“

Bei meiner zweiten Entschuldigung veränderte sich sein Blick beinahe unmerklich.

Ohne etwas dazu zu sagen, reichte er mir die Hand.

„Sebastian.“

In diesem Moment schallte die Stimme meiner jüngsten Tochter aus dem Haus.

„Jemand hat meine Schwimmbrille genommen!“

Einer der Zwillinge brüllte sofort zurück:

„Die Schwimmbrillen gehören allen!“

Gleich darauf rutschte ein weisses Badetuch die Treppe hinunter und blieb unten liegen wie eine gehisste Kapitulationsfahne.

Sebastian hielt mir noch immer die Hand hin.

„Entschuldigen Sie“, sagte ich und trat zur Seite. „Die Kinder freuen sich seit Tagen auf dieses Fest.“

Er blickte über meine Schulter in Richtung Haus, aus dem Gelächter, Schritte und empörte Kinderstimmen drangen.

„Das klingt nach drei Kindern, die einen Nachmittag am Pool kaum erwarten können.“

Ich griff hastig nach der Kühltasche, damit er nicht bemerkte, dass meine Finger zu zittern begonnen hatten.

Dabei war der wahre Grund für seine Anwesenheit viel einfacher, als die meisten vermutlich gedacht hätten.

Ich hatte Sebastian nicht engagiert, um mich an meinem Exmann zu rächen.

Ich hatte ihn engagiert, weil Thomas dort sein würde.

Und neben Thomas würde Nadine stehen.

Nur deshalb brauchte ich für ein paar Stunden jemanden an meiner Seite.

Drei Monate zuvor hatte Thomas in unserer Küche gestanden. Der Geschirrspüler summte leise, auf der Arbeitsplatte lag der Deutschtest unserer jüngsten Tochter, und alles sah nach einem vollkommen gewöhnlichen Abend aus.

Dann sagte er den Satz, der mein gesamtes Leben in zwei Teile zerlegte.

„Ich will die Scheidung.“

Zuerst war ich überzeugt, mich verhört zu haben.

Doch nur wenige Augenblicke später fügte er etwas hinzu, das noch tiefer schnitt.

„Ich bin jetzt mit Nadine zusammen.“

Nadine war seine Assistentin.

Zehn Jahre jünger als ich.

Immer perfekt frisiert, geschmackvoll gekleidet und so selbstverständlich selbstbewusst, wie ich mich seit jenem Tag nicht mehr gefühlt hatte, an dem unser erstes Baby Milch über meine Lieblingsbluse gespuckt hatte.

Thomas beobachtete schweigend, wie Schock, Schmerz und Erniedrigung über mein Gesicht liefen.

Dann wanderte sein Blick an meinem Körper hinunter.

„Du musst etwas verstehen, Klara. Du bist nicht mehr die Frau, die ich damals geheiratet habe. Früher warst du schlank. Heute finde ich dich einfach nicht mehr attraktiv genug.“