Das schönste Mädchen der Schule bat mich zum Abiball, als alle anderen über mein Aussehen lachten — zwanzig Jahre später erkannte sie mich nicht wieder, und was ich für sie tat, veränderte ihr Leben für immer

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Seit jener Nacht des Abiballs waren zwanzig Jahre vergangen, als die Frau, die mein Leben damals auf den Kopf gestellt hatte, plötzlich in strömendem Regen vor meiner Haustür stand.

Sie hatte keine Ahnung, wer ich war. Ich dagegen wusste es in dem Moment, in dem ich sie sah. Und noch bevor die nächste Nacht zu Ende ging, tat ich etwas für sie, womit sie niemals gerechnet hätte.

Der Regen schlug so hart gegen das Dach, als wollte der Himmel selbst über meinem Haus zerbrechen. Als es an der Tür klingelte, hielt ich es für den Essensboten und war schon bereit, nur rasch „danke“ zu sagen. Doch als ich die Tür öffnete, stand dort eine Frau, deren Gesicht zwanzig Jahre lang irgendwo tief in meinem Gedächtnis geblieben war. Sie trug eine ausgebleichte Jacke eines Lieferdienstes und stand durchnässt auf der Schwelle.

Dieselben Grübchen in den Wangen. Dieselben großen braunen Augen. Dieselben sanften Lippen, die mich damals im Licht des Abiballs angelächelt hatten, als ich siebzehn war und innerlich viel zu zerbrochen, um zu glauben, dass mir überhaupt etwas Gutes passieren konnte.

Anna hielt mir die Tüte mit meiner Bestellung mit beiden Händen entgegen. Ihre Finger zitterten vor Kälte, und die nasse Baseballkappe warf einen Schatten über einen Teil ihres Gesichts.

„Ihre Bestellung, mein Herr.“

Mein Herr.

Nicht Jonas.

Nicht das kleinste Zeichen davon, dass sie sich an mich erinnerte.

In der Schule war ich ein übergewichtiger, unsicherer Junge gewesen, der gerade einen schweren Verlust durchmachte und den man meistens nur bemerkte, wenn jemand ihn verletzen wollte. Jetzt war ich siebenunddreißig. Ich hatte abgenommen, war ein anderer Mensch geworden und hatte mein Leben über viele Jahre hinweg mühsam Stück für Stück wieder zusammengesetzt. Anna hatte wirklich keinen Grund, in mir den Jungen von damals zu erkennen.

Und trotzdem tat es weh.

„Möchten Sie vielleicht ein Glas Wasser?“, fragte ich schließlich. „Sie sehen aus, als könnten Sie sich kaum noch auf den Beinen halten.“

Sie schüttelte den Kopf.

„Ich kann nicht. Mein Bruder wartet auf mich. Er ist krank. Außer mir hat er niemanden, der sich um ihn kümmert.“

„Gar niemanden?“

„Seit Mama gestorben ist, bin nur noch ich für ihn da.“ Sie versuchte zu lächeln, doch es war ein müdes, kraftloses Lächeln. „Gute Nacht, mein Herr.“

Dann ging sie hastig die Stufen hinunter und verschwand wieder in den dichten Regenfäden. Durch das Fenster sah ich, wie sie zu einem alten, verrosteten Golf ging, der unter der Straßenlaterne parkte. Der Wagen sprang lange nicht an. Schließlich legte Anna die Stirn auf das Lenkrad. Als ihre Schultern zu beben begannen, begriff ich, dass es nicht nur ein schlechter Abend war.

Es war ein ganzes Leben, das zu schwer auf ihr lastete.

Ich griff nach meinen Schlüsseln und wollte gerade hinausgehen, doch in diesem Augenblick erwachte der Motor doch noch. Sie wischte sich schnell über das Gesicht, setzte viel zu ruckartig zurück und verschwand in der undurchdringlichen Wand aus Regen.

Ich blieb am Fenster stehen, mein kalt gewordenes Abendessen in den Händen, während zwanzig Jahre voller Erinnerungen sich schwer um meine Brust legten.