Ein gemütlicher Fernsehabend wurde für Anna zum Anfang eines neuen Lebens – denn der heimlich belauschte Anruf ihres Mannes enthüllte seinen Verrat und seinen Plan, sie um ihr gesamtes gemeinsames Vermögen zu bringen

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Ein gemütlicher Fernsehabend wurde für Anna zum Anfang eines neuen Lebens – denn der heimlich belauschte Anruf ihres Mannes enthüllte seinen Verrat und seinen Plan, sie um ihr gesamtes gemeinsames Vermögen zu bringen

Die Anwältin prüfte den Auszug aufmerksam. Dann erklärte sie, dass Thomas’ überstürztes Vorgehen ihm selbst schaden könnte.

Die Überweisung einer so hohen Summe unmittelbar vor der geplanten Scheidung war eindeutig dokumentiert. Thomas hatte das Geld außerdem ohne vorherige Absprache mit seiner Ehefrau übertragen. Auch der von ihm genannte Grund musste erst bewiesen werden.

Damit hatte Thomas durch seine eigene Handlung genau jene Umstände geschaffen, die Anna später vor Gericht zu ihren Gunsten anführen konnte.

Doch dann entstand eine neue Gefahr.

Eines Abends entdeckte Thomas auf der Kommode die Visitenkarte der Anwältin.

„Was ist das?“, fragte er misstrauisch und nahm die Karte in die Hand.

Anna wusste, dass sie jetzt besonders vorsichtig sein musste. Sie durfte auf keinen Fall erkennen lassen, was sie tatsächlich vorhatte.

Also setzte sie einen verunsicherten Gesichtsausdruck auf.

„Nachdem du von einer Trennung gesprochen hast, habe ich Angst bekommen“, erklärte sie. „Ich weiß doch nicht, was dann mit mir passiert. Was ist, wenn wir uns scheiden lassen und du mich ohne Wohnung zurücklässt? Ich muss schließlich auch irgendwo leben.“

Thomas lächelte erleichtert und beinahe gönnerhaft.

Ihre Antwort passte offenbar genau zu dem Bild, das er von ihr hatte.

Er versicherte Anna, sie müsse sich keine Sorgen machen. Er habe nicht vor, sie aus der Wohnung zu werfen, und sei bereit, ihr das Zuhause zu überlassen. Offenbar glaubte er, mit diesem großzügigen Versprechen seine angebliche Anständigkeit unter Beweis zu stellen.

Anna bedankte sich und wechselte das Thema.

Nur wenige Tage später begann das sorgfältig ausgearbeitete Vorhaben ihres Mannes auseinanderzufallen.

Thomas kam an diesem Abend mit finsterer Miene nach Hause.

In seiner Hand hielt er ein Schreiben vom Gericht. Daraus ging hervor, dass auf Annas Antrag ein Verfahren zur Aufteilung des gemeinsamen Vermögens eingeleitet worden war. Außerdem waren Verfügungsbeschränkungen für das verbliebene Bankguthaben angeordnet worden.

Thomas konnte über das Geld nun nicht mehr frei verfügen.

Vor Gericht: Warum auch das Geld auf dem Konto seiner Mutter berücksichtigt wurde

Nach dem Erhalt des Schreibens sah Thomas keinen Sinn mehr darin, seine Rolle weiterzuspielen.

Er erklärte Anna offen, dass er die Scheidung wolle. Gleichzeitig bemühte er sich erneut, sich als großzügiger und korrekter Mann darzustellen. Er werde ihr schließlich die Wohnung überlassen und nicht versuchen, ihr alles wegzunehmen.

Diesmal machte Anna bei seiner Inszenierung nicht mehr mit.

„Ich weiß längst von Claudia“, sagte sie ruhig.

Thomas wurde blass.

Anna erzählte ihm vom nächtlichen Gespräch auf dem Balkon. Sie erklärte, dass sie nicht nur von seiner Beziehung zu Claudia erfahren hatte, sondern auch von seinem genauen Plan, das gemeinsame Geld auf das Konto seiner Mutter zu verschieben.

Deshalb hatte sie keine Szene gemacht. Sie hatte ihn nicht festgehalten, keine Fragen gestellt und nicht versucht, die Ehe zu retten, während er sie gleichzeitig hinterging.

Anna machte deutlich, dass sie einer Scheidung nicht im Weg stehen würde. Ihren gesetzmäßigen Anteil an den gemeinsamen Ersparnissen wollte sie jedoch vollständig erhalten.

Thomas war wie vor den Kopf gestoßen.

Bis zuletzt hatte er geglaubt, Anna ahne nichts und werde sich so verhalten, wie es für ihn am bequemsten war. Nun musste er erkennen, dass sie sich während all der Zeit ruhig darauf vorbereitet hatte, ihre Interessen zu verteidigen.

Vor Gericht kam schließlich die ganze Angelegenheit ans Licht.

Thomas’ Vertreter argumentierte, dass lediglich die 90.000 Euro aufgeteilt werden dürften, die sich zum Zeitpunkt des Verfahrens noch auf dem gesperrten Konto befanden.

Die 70.000 Euro, die Thomas seiner Mutter überwiesen hatte, seien freiwillig weitergegeben worden. Es habe sich um ein Geschenk beziehungsweise um finanzielle Unterstützung für eine nahe Angehörige gehandelt.

Nach Ansicht seiner Seite wäre es unzulässig, diesen Betrag bei der Vermögensaufteilung zu berücksichtigen.

Sabine Keller war auf dieses Argument vorbereitet.

Sie legte die Bankunterlagen vor, verwies auf das genaue Überweisungsdatum und machte das Gericht darauf aufmerksam, dass keinerlei Nachweise für den angeblichen Zweck der Zahlung existierten.

„Wenn der Beklagte behauptet, er habe seiner Mutter diesen erheblichen Betrag als Geschenk oder für eine Dachreparatur überlassen, wo sind dann die Belege? Gibt es einen Schenkungsvertrag? Liegen Kostenvoranschläge, Handwerkerrechnungen oder Quittungen für Baumaterial vor? Für eine tatsächlich durchgeführte Reparatur wurde kein einziger Nachweis eingereicht. Es gibt lediglich eine Banküberweisung, die vierzehn Tage vor dem Scheidungsantrag erfolgt ist. Das Geld stammte aus dem gemeinsamen Vermögen, und die Ehefrau hatte dieser Übertragung niemals zugestimmt.“

Die Anwältin betonte, dass es nicht um eine kleine Alltagshilfe für ein Familienmitglied ging. Thomas hatte einen erheblichen Teil jener Rücklagen weitergegeben, die er und Anna über viele Jahre aufgebaut hatten.