Er lebte seit Jahren allein am Waldrand – bis er ein verstummtes Mädchen zu sich nahm und in jener Nacht, als das Feuer ausbrach, plötzlich ihre Stimme hörte

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„Meine Tochter hat sie entworfen“, sagte Heinrich schlicht.

In diesem einen Wort – Tochter – lagen so viel Wärme und Stolz, dass der erfahrene Händler plötzlich blinzelte und sich abwandte, als müsse er sich die Möbel genauer ansehen.

Auch das Gerede im Dorf veränderte sich mit der Zeit.

„Das Mädchen hat wirklich Glück gehabt“, sagten die Frauen am Brunnen. „So einen Vater zu bekommen.“

„Er hat ebenfalls Glück gehabt“, erwiderte Martha. „Das Schicksal hat ihm eine Tochter geschickt. Erst hat sie geschwiegen, und jetzt soll mal jemand versuchen, sie aufzuhalten.“

„Und geschickt ist sie auch“, fügte Klaus hinzu. „Jetzt hat sie sogar ihre Stimme wieder. Ganz der Vater. Auch wenn sie nicht sein leibliches Kind ist.“

„Was soll das heißen, nicht sein Kind?“, widersprach Ingrid sofort. „Natürlich ist sie sein Kind. Nicht durch Blut, sondern durch das Herz.“

Eines Tages kam Heinrich am Dorfbrunnen vorbei. Zum ersten Mal seit vielen Jahren wandte er sich nicht ab und brummte auch nicht nur unverständlich vor sich hin. Er blieb stehen, sah die versammelten Nachbarn an, nickte leicht und sagte:

„Ich wünsche euch einen guten Tag.“

Dann ging er weiter. Groß und kräftig war er noch immer, auch wenn sein Haar inzwischen deutlich grauer geworden war. Neben ihm lief Lina, ein schmales, hellhaariges Mädchen mit ihrem Zeichenalbum unter dem Arm.

Sie erzählte ihrem Vater eifrig von irgendetwas, sprach schnell, kam durcheinander, überschlug sich beinahe mit den Wörtern und gestikulierte dabei lebhaft.

Heinrich ging neben ihr und hörte aufmerksam zu.

Und er lächelte.