Ich engagierte einen Schauspieler, der auf dem jährlichen Sommerfest meiner Schwiegermutter meinen neuen Freund spielen sollte – dort wartete mein Ex mit der Frau, für die er mich verlassen hatte, doch die Lektion meines falschen Partners ließ die ganze Familie verstummen

Выкл. Автор ChatGpt
Ich engagierte einen Schauspieler, der auf dem jährlichen Sommerfest meiner Schwiegermutter meinen neuen Freund spielen sollte – dort wartete mein Ex mit der Frau, für die er mich verlassen hatte, doch die Lektion meines falschen Partners ließ die ganze Familie verstummen

In Restaurants.

Zu Firmenveranstaltungen.

Auf Geburtstage in der Verwandtschaft.

Sogar zum Kaffee bei seiner eigenen Mutter.

„Sabrina hat früher als Model gearbeitet“, erzählte er den Leuten gern.

Immer ein wenig zu laut.

Und immer nah genug bei mir, damit ich es garantiert mitbekam.

Wohin Thomas auch ging, sie stand neben ihm.

Als seine Mutter Brigitte mich und die Kinder zu ihrem alljährlichen Sommerfest mit Pool einlud, sagte ich deshalb sofort ab.

„Katharina“, meinte sie am Telefon, „du gehörst weiterhin zu unserer Familie.“

„Brigitte … Thomas wird dort sein.“

„Ich weiß.“

„Und er bringt sie mit.“

Am anderen Ende blieb es einige Sekunden still.

Dann antwortete Brigitte mit ruhiger Stimme:

„Lass nicht zu, dass er dich aus Orten verdrängt, an die du genauso gehörst wie er.“

Ich wollte ihr so gern glauben.

Stattdessen saß ich in derselben Nacht kurz nach Mitternacht mit dem Handy in der Hand auf dem Sofa und suchte nach Männern, die man als Begleitung für gesellschaftliche Anlässe buchen konnte.

Florians Profil war erst das dritte, das ich öffnete.

Auf der Fahrt zu Brigittes Haus entschuldigte ich mich beinahe für alles.

Für den dichten Verkehr.

Für die zu kalte Klimaanlage.

Dafür, dass meine Tochter Fingerabdrücke auf seiner Seitenscheibe hinterlassen hatte.

Ich schien für jede Kleinigkeit um Verzeihung bitten zu müssen.

Florian wies mich kein einziges Mal darauf hin.

Stattdessen beantwortete er geduldig die endlosen Fragen meiner Kinder.

Ja, er hatte tatsächlich hin und wieder in Werbespots mitgespielt.

Nein, berühmt war er nicht.

Ja, einmal hatte er auf einer Zahnärztemesse einen Piraten dargestellt.

Und die Art, wie er davon erzählte, brachte alle drei Kinder so laut zum Lachen, dass ich mich nach langer Zeit selbst wieder lächeln sah.

Eine Berühmtheit war er wirklich nicht.

Meine jüngste Tochter riss die Augen auf.

„Hattest du denn ein richtiges Piratenschwert?“

Florian grinste.

„Nein. Statt eines Schwertes musste ich mit einer riesigen Zahnbürste herumfuchteln.“

Die Kinder brachen in schallendes Gelächter aus.

Für ein paar kostbare Minuten löste sich die Anspannung vollständig auf.

Im Auto fühlte sich plötzlich alles leicht an, als läge überhaupt nichts Schweres vor uns.

Dann bogen wir in Brigittes Straße ein.

Und mit einem Schlag war die Leichtigkeit verschwunden.

Thomas’ dunkler SUV stand bereits in der Einfahrt.

Direkt daneben parkte Sabrinas weißes Cabriolet.

Mein Magen zog sich so heftig zusammen, dass ich beinahe vergaß zu bremsen.

Thomas war schon da.

Florian bemerkte es sofort.

Er sagte keinen billigen Mutmach-Satz.

Kein „Bleiben Sie ruhig“.

Auch kein „Sie schaffen das“.

Er wartete lediglich, bis ich den Motor ausgeschaltet hatte, sah mich an und fragte gelassen:

„Sind Sie bereit?“

Ich war es nicht.

Nicht im Geringsten.

Trotzdem holte ich tief Luft.

„Ja.“

In Wahrheit war ich auf gar nichts vorbereitet.

Der Garten hinter Brigittes Haus sah genauso aus wie bei jedem Sommerfest Anfang Juli.

Das Wasser im Pool funkelte unter der grellen Sonne in einem satten Blau.

Bunte Wimpelketten flatterten am Zaun.

Barfüßige Kinder jagten über den Rasen, während von der Terrasse immer wieder jemand rief, sie sollten langsamer laufen.

Vom Grill zogen Rauch und der Duft von Fleisch herüber, und auf dem langen Tisch standen Schüsseln mit Kartoffelsalat, gefüllte Eier, Melonenspalten, Grillwürstchen und kleine Muffins mit Papierfähnchen.

Für einen winzigen Augenblick redete ich mir ein, dass ich es vielleicht schaffen würde.

Dann sah ich Thomas.

Er stand am Grill.

Einen Arm hatte er um Sabrinas Taille gelegt.

Sie trug einen roten Badeanzug unter einem leichten weißen Überwurf. Ihr Haar fiel in perfekten Wellen über die Schultern. Selbst in der Hitze wirkte sie frisch und kühl, ohne einen Schweißtropfen, wie eine Frau, die weder die Erschöpfung von Mutterschaft noch die Qual öffentlicher Demütigung kannte.

Für den Bruchteil einer Sekunde war ich überzeugt, standhalten zu können.

Thomas hatte mich noch nicht entdeckt.

Er lachte über etwas, das sein Bruder gerade erzählte.

Er wirkte vollkommen zufrieden.

Wie ein Mann, der es sich bequem gemacht hatte in einem Leben, das früher auch meines gewesen war.

Dann drehte er sich um.

Sein Blick fiel zuerst auf Florian.

Erst danach sah er mich.

Das Lächeln in seinem Gesicht verlor kaum merklich an Kraft.

Bevor Thomas zu uns herüberkommen konnte, erschien Brigitte vor mir.

„Katharina“, hauchte sie und schloss mich fest in die Arme. „Ach, mein Schatz. Du siehst wunderschön aus.“

Nervös strich ich über die Seite meines Kleides.

„Es ist uralt.“

Sie drückte mich für einen Moment noch fester.

Als wüsste sie genau, warum ich das gesagt hatte.

Bevor sie antworten konnte, hallte Thomas’ Stimme über die Terrasse.

„Na so was. Damit hätte ich ja nun wirklich nicht gerechnet.“

Die Gespräche um uns herum wurden leiser.

Die Leute taten so, als würden sie nicht hinsehen.

Natürlich sahen sie alle hin.

Thomas kam langsam auf uns zu.

Sabrina ging dicht neben ihm.

„Katharina“, begrüßte er mich mit einem gezwungenen Lächeln.