Ich machte das letzte Foto meiner Tochter, bevor sie über dem Wasser verschwand – fünfundvierzig Minuten später war das Bild alles, woran ich mich noch klammern konnte

Выкл. Автор ChatGpt
Ich machte das letzte Foto meiner Tochter, bevor sie über dem Wasser verschwand – fünfundvierzig Minuten später war das Bild alles, woran ich mich noch klammern konnte

Mir ging es genauso.

An diesem Abend, kurz vor Sonnenuntergang, veranstaltete das Resort Spiele am Strand.

Musik lag über dem Sand, und nach und nach versammelten sich die Familien am Wasser.

Eine der beliebtesten Attraktionen war die Fahrt auf einer aufblasbaren Banane.

Alle fünfzehn Minuten zog ein Schnellboot die lange gelbe Luftmatratze durch die Bucht. Die Fahrgäste sprangen über die Wellen, kreischten und lachten vor Freude.

Ein Mitarbeiter des Resorts in einem blauen Poloshirt versammelte alle Teilnehmer zu einer kurzen Sicherheitseinweisung.

„Falls es jemandem während der Fahrt schlecht geht“, erklärte er, „versuchen Sie bitte nicht, bis zum Ende durchzuhalten.“

Er deutete auf eine kleine felsige Bucht weiter unten an der Küste.

„Sehen Sie das weiße Gebäude dort?“

Die meisten Gäste warfen nur einen flüchtigen Blick in die angegebene Richtung.

„Das ist die Klinik Blaue Bucht.“

Dann fuhr er fort:

„Bei jedem medizinischen Notfall auf dem Wasser fahren Sie sofort dorthin. Die Klinik ist deutlich näher, als zum Resort zurückzukehren.“

Damit war die Einweisung beendet.

Offenbar nahm kaum jemand seine Worte wirklich ernst.

Alle wollten nur so schnell wie möglich ins Wasser.

Wenig später kamen Lena und Jonas zu uns zurück. Beide strahlten.

„Jonas hat eine Frage“, sagte Lena.

Jonas sah uns an.

„Wäre es in Ordnung, wenn Lena und ich vor dem Sonnenuntergang noch die letzte Bananenfahrt machen?“

Ich blickte zu Thomas.

Er zuckte mit den Schultern.

„Sie tragen beide Rettungswesten.“

Ich wandte mich wieder Jonas zu.

„Wie lange dauert die Fahrt?“

„Ungefähr zwanzig Minuten.“

Sabine lächelte.

„Wir haben ihm schon oft erlaubt, mitzufahren.“

„Ich bringe sie vor dem Abendessen zurück“, versprach Jonas.

Thomas sah mich fragend an.

„Was meinst du?“

Jeder Mutterinstinkt in mir schrie förmlich danach, Nein zu sagen.

Es lag nicht an Jonas.

Ein Ja zu sagen bedeutete nur, anzuerkennen, dass Lena kein kleines Mädchen mehr war.

Sie bemerkte mein Zögern.

„Mama.“

Erstaunlich, wie viel in einem einzigen Wort liegen konnte.

Bitte vertrau mir.

Ich lächelte schließlich.

„Na gut.“

Ihr Gesicht hellte sich sofort auf.

„Danke!“

Sie umarmte mich hastig, bevor jemand von uns seine Meinung ändern konnte.

Thomas lachte.

„Ich glaube, diese Umarmung hast du hauptsächlich für die Erlaubnis bekommen.“

„Damit kann ich leben.“

Der Mitarbeiter reichte ihnen leuchtend orangefarbene Rettungswesten.

Jonas überprüfte zunächst die Gurte an Lenas Weste und zog erst danach seine eigene fest.

Gemeinsam mit sechs weiteren Fahrgästen stiegen sie auf die aufblasbare Banane.

Ich holte mein Handy heraus.

„Schaut mal her.“

Beide drehten sich zu mir um.

Lena lächelte breit, Jonas hob den Daumen.

Ich nahm das Foto genau in dem Moment auf, als das Schnellboot sie vom Steg wegzog.

Die Banane glitt über das goldene Wasser. Lena lachte und winkte uns ein letztes Mal zu.

Thomas legte den Arm um meine Schultern.

„Du hast es gut gemacht.“

„Ich war kurz davor, es zu verbieten.“

„Aber du hast sie fahren lassen.“

Wir machten es uns wieder auf unseren Liegestühlen bequem.

„Sie sind zurück, bevor du überhaupt Zeit bekommst, sie zu vermissen.“

Fünfzehn Minuten später kehrte die nächste Banane zum Ufer zurück.

Die Fahrgäste stiegen lachend ab.

Lena und Jonas waren nicht dabei.

Ich runzelte die Stirn.

„Vielleicht fahren sie eine längere Strecke.“

Thomas nickte.

„Das wird es sein.“

Ich bemühte mich, ihm zu glauben.

Dreißig Minuten waren vergangen.

Der goldene Himmel hatte sich in ein kräftiges Orange verwandelt.

Von den beiden war noch immer nichts zu sehen.

Ich richtete mich in meinem Stuhl auf.

„Sind sie nicht schon ziemlich lange unterwegs?“

Thomas blickte aufs Wasser.

„Ein wenig länger als gewöhnlich.“

Eine weitere Fahrt kam zurück.

Andere Fahrgäste.

Unbekannte Gesichter.

Der Strand leerte sich allmählich. Die Familien gingen auf ihre Zimmer oder in die Restaurants zum Abendessen.

Ich stand auf.

„Ich frage beim Verleih nach.“

Der Mitarbeiter am Ausgabepunkt hob den Kopf, als ich auf ihn zukam.

„Meine Tochter war mit einem Jungen namens Jonas auf der letzten Banane. Sie sind noch nicht zurück.“

Er runzelte die Stirn und sah auf seinem Tablet nach.

„Eigentlich müssten sie längst wieder hier sein.“

In meinem Inneren zog sich alles zusammen.

„Was bedeutet eigentlich?“

„Die Fahrt dauert normalerweise ungefähr zwanzig Minuten.“

Er nahm sein Funkgerät.

„Steg eins an die Sonnenuntergangsfahrt. Bitte melden.“

Aus dem Gerät kam nur störendes Rauschen.

Er versuchte es erneut.

Keine Antwort.

Ich sah wieder hinaus aufs Meer.

Der Horizont war inzwischen beinahe leer.

Thomas kam schnell zu mir.

„Was haben sie gesagt?“

Ich konnte nicht antworten, denn der Mitarbeiter senkte gerade das Funkgerät.

Eine angespannte Falte erschien auf seiner Stirn.

„Ich bekomme keine Verbindung.“

Es war, als wären mit diesen Worten alle Geräusche vom Strand verschwunden.

Thomas starrte ihn an.

„Was heißt das, Sie bekommen keine Verbindung?“

Der junge Mann sah erneut auf das Funkgerät.

„Sie hätten sich längst melden müssen.“