Meine Schwiegermutter sagte: „Du brauchst mich nicht zu bemitleiden“ – nach einer stürmischen Nacht in einem billigen Motel sah mein Schwiegersohn mich plötzlich mit ganz anderen Augen

Выкл. Автор ChatGpt
Meine Schwiegermutter sagte: „Du brauchst mich nicht zu bemitleiden“ – nach einer stürmischen Nacht in einem billigen Motel sah mein Schwiegersohn mich plötzlich mit ganz anderen Augen

Die Tropfen schlugen so hart auf das Blech der Fensterbank, dass es klang, als würde draußen ein übermütiger Musiker auf einem Dorffest seine Ziehharmonika misshandeln.

Ich saß auf meinem Bett und fühlte mich nicht mehr wie eine Schwiegermutter. Eher wie eine Frau aus einem alten Film: schmaler Zigarettenhalter, roter Lippenstift, ein Blick, der Männer aus dem Takt bringt.

Daniel lag inzwischen ausgestreckt auf seiner Matratze. Der Korn hatte ihn gelöst. Er beobachtete mich mit einer Aufmerksamkeit, die vorher nicht da gewesen war.

„Ach, Daniel“, sagte ich und drehte den leeren Becher zwischen den Fingern. „Es gab Zeiten, da habe ich solche Nächte nicht in traurigen Motels verbracht. Die Jugend war heiß. Die Kerle schwirrten um mich herum wie Mücken über einem Gartenteich im Juli. Einer fuhr sogar ständig mit seinem Moped unter meinem Fenster vorbei und rief: ‚Brigitte, komm runter!‘ Wahrscheinlich hielt er das für große Romantik.“

Daniel grinste und stützte sich auf einen Ellbogen.

Im schwachen Licht wirkte sein Bart beinahe verwegen, und seine Augen glänzten lebhaft.

„Waren Sie wirklich so eine gefährliche Frau?“, fragte er. „Ich dachte immer, Sie hätten früher hauptsächlich Eintopf gekocht und Ihren Garten in Ordnung gehalten.“

„Eintopf ist für die Seele“, antwortete ich und zwinkerte ihm so deutlich zu, dass er beinahe seinen Becher fallen ließ. „Für den Rest des Lebens hatte ich andere Rezepte. Abends bin ich manchmal heimlich zum Tanz gegangen. Vor dem Schützenhaus standen dann schon die Verehrer. Einer mit einem Strauß vom Wochenmarkt, der nächste mit einer Flasche billigem Wein. Einmal habe ich sogar mit dem Vorarbeiter aus der Molkerei getanzt. Verheiratet, sehr ernst, und mit einem Schnurrbart, auf den er offenbar stolzer war als auf alles andere.“

Daniel warf den Kopf zurück und lachte.

Unwillkürlich fiel mir auf, wie sich sein Hals dabei spannte – jung, fest, lebendig.

Ganz anders als bei meinem verstorbenen Klaus, der in seinen letzten Lebensjahren mehr und mehr zu einem gemütlichen Sofakissen in Menschengestalt geworden war.

Der Alkohol hatte inzwischen auch meine letzte Zurückhaltung fortgespült. Ich erzählte weiter, als säße ich wieder hinten auf einem Moped und würde durch eine warme Sommernacht fahren.

„Und warum lässt du dich so hängen?“, fragte ich Daniel und schenkte noch einmal nach. „Du bist jung, gesund, hast Blut in den Adern – und sitzt da wie ein pensionierter Hausmeister, weil deine Frau dich nicht genug beachtet. Wo ist dein Mut geblieben? Hast du Angst, etwas zu riskieren?“

Er blieb mit dem gefüllten Becher in der Hand reglos sitzen.

Sein Blick sagte, ich hätte ihm vorgeschlagen, das ganze Motel zu stehlen und damit an die Nordsee zu fahren.

Dann erschien langsam dieses schiefe, fast freche Lächeln auf seinem Gesicht.

„Fordern Sie mich gerade heraus, Frau Hansen?“

Wieder war da diese Rauheit in seiner Stimme, die vermutlich bei jeder Frau über fünfzig ein kleines Stolpern im Herzen ausgelöst hätte.

„Vielleicht bin ich nicht so verrückt wie Ihre Mopedfahrer. Aber ganz ohne Mut bin ich auch nicht.“

„Dann überrasche mich“, sagte ich.

Ich lehnte mich zurück und schlug die Beine übereinander. Dabei rutschte der Saum meines Kleides ein kleines Stück höher. Nicht viel. Gerade genug, dass es auffiel, ohne billig zu wirken.

„Du erzählst mir seit einer Stunde, wie langweilig dein Eheleben geworden ist, aber einen einzigen Schritt traust du dich trotzdem nicht.“

Daniel trank seinen Becher in einem Zug leer, verzog das Gesicht und stand plötzlich auf.

Das Zimmer war kaum größer als eine Abstellkammer. Nach zwei Schritten stand er direkt vor mir.

Die Luft zwischen uns wurde auf einmal schwer und zäh, als hätte jemand warme Melasse hineingegossen.

„Na, Daniel?“, fragte ich und blickte zu ihm hoch.

Mein Herz schlug plötzlich bis in den Hals, aber das sollte er nicht merken.

„Da stehst du nun wie ein Denkmal. Vor einer Minute hast du noch erzählt, was du alles kannst. Was ist los? Hat es dir die Sprache verschlagen?“

Langsam streckte er eine Hand aus, so vorsichtig, als könnte ich bei einer falschen Bewegung davonlaufen, und legte die Finger um mein Handgelenk.

Seine Hand war warm, die Haut etwas rau.

Eine Gänsehaut lief mir über die Arme. Ich musste mich beherrschen, nicht wie ein sechzehnjähriges Mädchen zu kichern.

„Ich habe keine Angst, Frau Hansen“, sagte er leise.

Die selbstsichere Rauheit war aus seiner Stimme verschwunden. Übrig blieb eine fast jugendliche Unsicherheit.

„Ich hätte nur nie gedacht, dass ausgerechnet meine Schwiegermutter mich irgendwann zu Heldentaten anstachelt.“

„Die erste hast du doch schon geschafft“, antwortete ich und drückte seine Hand. „Du bist aufgestanden. Jetzt setz dich hin und hör auf, so zu zittern. Ich fresse dich nicht.“

Daniel setzte sich an den Rand meines Bettes.

Die Federn stöhnten unter uns derart beleidigt auf, als würden sie im Namen der gesamten Pension Einspruch erheben.