„Sie ist nicht mehr rein“, erklärte ihr junger Ehemann kalt und schickte sie zurück zu ihren Eltern – ohne zu ahnen, dass er ihr damit selbst den Weg in ein glückliches, helles Leben öffnete

Выкл. Автор ChatGpt
„Sie ist nicht mehr rein“, erklärte ihr junger Ehemann kalt und schickte sie zurück zu ihren Eltern – ohne zu ahnen, dass er ihr damit selbst den Weg in ein glückliches, helles Leben öffnete

Katharina zog die dunklen Brauen zusammen.

— Dann holen wir Friedrich her, notfalls mit Gewalt. Vor seinem eigenen Kind kann er sich nicht drücken. Dafür gibt es schließlich Gesetze.

In Claras Augen erschien plötzlich ein winziger Lichtschein. Die Worte ihrer Mutter hatten in ihr eine Hoffnung geweckt, klein und fast beschämend, aber dennoch lebendig. Offenbar hatte ihr Herz Friedrich noch nicht losgelassen. Irgendwo in ihr lebte noch der Wunsch, er könnte zur Vernunft kommen.

— Ich weiß es nicht, — sagte sie ehrlich. — Vielleicht wäre es sogar schön, wenn ein kleines Kind käme.

Margarete strich ihr traurig über die Hand.

— Ach, mein Mädchen. Wir werden sehen. Jetzt warten wir erst einmal ab.

— Komm öfter zu mir, — schlug Katharina vor. — Du kannst mit den Kindern etwas unternehmen. Dann bist du nicht ständig allein mit deinen Gedanken. Diesen undankbaren Kerl musst du irgendwann aus deinem Herzen bekommen.

Margarete überlegte.

— Vielleicht sollte Clara für eine Weile weg. In Lindenau wohnen doch Verwandte. Dort könnte sie ein paar Monate bleiben.

— Nein, Mama, — widersprach Katharina sofort. — Was soll sie dort? Sich verstecken? Vor wem denn? Vor ihrem eigenen Leben?

Danach schwiegen die drei Frauen.

Im Flur knarrte plötzlich die Tür. Schwere Schritte näherten sich, dann waren tiefe Männerstimmen zu hören. Heinrich war nicht allein zurückgekommen.

An der kräftigen Stimme, die gleich darauf durchs Haus hallte, erkannte jeder sofort Tante Gertrud, Heinrichs Cousine. Sie war eine Frau, die weder klein noch leise durchs Leben ging. Groß gewachsen, entschlossen, mit einem offenen Herzen und einem Charakter, der ausreichte, um ein halbes Dorf zur Ordnung zu rufen.

Ohne viele Umstände betrat sie das Zimmer.

— Wer ist denn hier gestorben? — fragte sie und musterte die niedergeschlagenen Gesichter. — Warum sitzt ihr herum wie eine Schar nasser Spatzen? Was habt ihr verloren?

Ihre Stimme war so kräftig, dass man sie vermutlich noch im Nachbarhaus verstand.

— Gertrud, du hast doch sicher gehört, was bei uns passiert ist, — begann Heinrich.

— Natürlich habe ich es gehört. Und nun? Wollt ihr euch alle auf den Boden legen und jammern? — unterbrach sie ihn. — Los, ihr Frauen, eine Besucherin ist im Haus. Oder habt ihr inzwischen sogar vergessen, wie man jemanden an den Tisch bittet?

Gertrud war älter als Clara und Katharina, sogar etwas älter als Margarete. Deshalb konnte sie sie alle ohne Spott „Mädchen“ nennen, und niemand nahm es ihr übel.

Bald stand einfaches Essen auf dem Tisch. Wieder erzählten sie die ganze Geschichte. Gertrud hörte lange zu, stellte ein paar kurze Fragen und schlug schließlich mit der flachen Hand auf die Tischplatte.

— Schluss jetzt. Ich bin nicht hergekommen, um noch eine Runde mit euch zu weinen. Ich habe einen Vorschlag. Clara, willst du in der Landwirtschaftsgenossenschaft arbeiten? Unter meiner Leitung.

Clara hob überrascht den Kopf.

— Ich?

— Wen soll ich sonst meinen? Ich brauche jemanden für die Buchhaltung. Herr Baumann, unser alter Buchhalter, kann kaum noch. Jeden Morgen klagt er mir vor, dass ihm die Zahlen vor den Augen tanzen und er endlich aufhören möchte.

— Aber ich kann das doch gar nicht, — sagte Clara leise.

Margarete nickte.

— Genau das meine ich auch. Woher soll sie Buchhaltung können? Sie hat nur die Schule abgeschlossen. Clara wollte früher in die Stadt und eine Ausbildung machen, aber wir haben sie nicht gehen lassen. Wir hatten Angst, sie allein fortzuschicken. Und nun wird hier bald jeder fragen, warum sie wieder bei uns lebt. Vielleicht wäre eine Stelle in der Textilfabrik besser. Dort nehmen sie junge Frauen auch ohne besondere Ausbildung.

Gertrud sah Margarete scharf an.

— Wollt ihr sie verstecken?

— Nein, natürlich nicht!

— Doch. Genau das wollt ihr. Wenn ihr Clara fortschickt, damit niemand sie sieht, dann tut ihr so, als hätte sie etwas verbrochen.

Margarete hob erschrocken die Hände.

— Aber sie hat doch nichts getan.

— Dann soll sie auch nicht davonlaufen. Weggehen ist leicht. Hierzubleiben, die Köpfe zu ertragen, die sich nach einem umdrehen, und trotzdem jeden Morgen aufrecht vor die Tür zu treten — das braucht Mut. Wenn Clara unschuldig ist, dann soll sie den Kopf heben. Fragt jemand, sagt sie: Friedrich wollte die Ehe nicht mehr, also ist sie beendet. Den Rest lässt sie an sich vorbeiziehen.

— Tante Gertrud hat recht, — sagte Katharina sofort. — Genau das habe ich auch gedacht.

Margarete blieb skeptisch.

— Aber wie soll sie Bücher führen, wenn sie es nie gelernt hat?

— Wenn sie zusagt, schicken wir sie auf einen Lehrgang in die Kreisstadt. Sie braucht dafür nicht in eine Großstadt. Die Kurse gibt es inzwischen ganz in der Nähe. Sie kann morgens mit dem Lieferwagen mitfahren. Falls ihr das zu anstrengend ist, findet sich für die Wochen auch ein Zimmer.

Clara sah ihre Tante unsicher an.

— Und wenn ich es nicht schaffe?

Gertrud lachte kurz.

— Hör mal, Angsthase. Ein Buchhaltungskurs ist bestimmt nicht gefährlicher als eine Hochzeit. Entscheide dich. Wenn du nicht willst, suche ich mir jemand anderen.