Weil es mir schlecht ging, nahm ich mir frei, kam nach Hause und kroch sofort unter die Decke. Plötzlich weckte mich ein Schlüssel, der sich im Schloss drehte. Mein Mann sollte auf Dienstreise sein – doch dann sah ich, wie er hereinkam, zum Bett ging und etwas darauf goss…

Выкл. Автор ChatGpt
Weil es mir schlecht ging, nahm ich mir frei, kam nach Hause und kroch sofort unter die Decke. Plötzlich weckte mich ein Schlüssel, der sich im Schloss drehte. Mein Mann sollte auf Dienstreise sein – doch dann sah ich, wie er hereinkam, zum Bett ging und etwas darauf goss…

Die Angst in Katharina ließ ein wenig nach. Vielleicht ging es tatsächlich um ein Geschenk. Aber warum dieser Aufwand, diese Heimlichkeit, die Mappe, die Papiere? Im nächsten Moment zog Martin mehrere Fotos hervor und legte sie auf den Tisch.

Katharina erstarrte erneut.

Auf den Bildern war sie selbst zu sehen, einige Jahre jünger, bei einer Betriebsfeier. Neben ihr stand ihr damaliger Chef, mit dem das Verhältnis zu jener Zeit nicht gerade einfach gewesen war. Katharina erinnerte sich sehr genau an diese Aufnahmen. Sie waren eher zufällig entstanden, doch die Kollegen hatten danach noch wochenlang ihre Scherze darüber gemacht. Damals hatte sie mitgelacht und die Sache irgendwann vergessen. Martin hatte den Fotos scheinbar ebenfalls keine besondere Bedeutung beigemessen. Weshalb holte er sie nun wieder hervor?

„Ich habe sie in einem alten Fotoalbum gefunden“, sagte Martin und schob die Bilder nebeneinander. „Sie behauptet bis heute, dass sie diesen Abend gehasst hat. Aber ich glaube, das sind mit die einzigen Fotos, auf denen sie wirklich unbeschwert lächelt. Weißt du noch, dass ich dir erzählt habe, dass wir uns genau an diesem Abend zum ersten Mal begegnet sind?“

Die Frau lächelte verständnisvoll.

„Natürlich weiß ich das. Deshalb willst du daraus eine Collage für sie machen?“

„Nicht nur.“ Martin griff in einen der Umschläge und zog mehrere Tickets heraus. „Wir fahren nach Heidelberg. Zwei ganze Wochen. Ich will, dass sie an ihrem Geburtstag endlich wieder merkt, wie es sich anfühlt, Urlaub zu haben, morgens aufzuwachen und nicht sofort an Fristen und Tabellen zu denken. Die Bilder brauche ich für das Album, das ich ihr schenken möchte. Ich will ihr unsere gemeinsamen Erinnerungen zurückgeben. Sie arbeitet inzwischen so viel, dass sie fast vergessen hat, wie wir früher stundenlang durch die Altstadt gelaufen sind, an der Alten Brücke stehen geblieben sind, heißen Glühwein getrunken und ohne irgendeinen Grund gelacht haben. Du kennst doch ihre Freundin Julia. Sie hilft mir bei der Organisation. Ich musste nur noch die Schlüssel und die Unterlagen für die Unterkunft abholen.“

Die Frau zog amüsiert die Augenbrauen hoch.

„Und sie weiß wirklich immer noch nichts davon?“

„Gar nichts. Ich habe ihr erzählt, Julia sei beruflich in einer anderen Stadt. In Wirklichkeit ist sie schon dort und prüft alles für unsere Ankunft.“

Katharina presste eine Hand gegen ihre Brust. Ihr Herz schlug noch immer schnell, aber jetzt aus einem völlig anderen Grund. Die Anspannung wich einer so plötzlichen Erleichterung, dass ihr beinahe die Knie nachgaben. Gleichzeitig stieg eine unerwartete Wärme in ihr auf. Erst vor wenigen Wochen hatte sie Martin erzählt, dass sie seit Jahren keinen richtigen Urlaub mehr gemacht habe. Sie hatte davon gesprochen, wie gern sie wieder einmal durch Heidelberg schlendern und über die Alte Brücke gehen würde, doch jedes Mal war etwas dazwischengekommen – ein Monatsabschluss, eine Vertretung, eine dringende Auswertung. Und Martin hatte offenbar jedes einzelne Wort behalten. Während sie glaubte, er würde solche Sätze nur nebenbei hören, hatte er längst begonnen, alles heimlich vorzubereiten. Sogar ihre Freundin hatte er eingeweiht.

Katharina trat aus dem Schlafzimmer.

Ihre Schritte klangen in der stillen Wohnung plötzlich viel lauter, als sie erwartet hatte. Martin fuhr herum. Als er sie sah, wurde er zuerst kreidebleich. Eine Sekunde später schoss ihm die Röte ins Gesicht.

„Kathi? Was… was machst du denn hier?“, stammelte er und versuchte hastig, die offene Mappe mit beiden Händen zu verdecken.

„Ich habe mich krankgemeldet“, sagte sie leise. In ihren Augen sammelten sich Tränen. „Ich habe Fieber. Und ich dachte, du wärst auf Dienstreise…“

Martin sprang sofort auf, ging zu ihr und legte ihr vorsichtig die Hand an die Stirn.

„Mein Gott, du glühst ja! Warum hast du mir nichts gesagt? Und ich habe dir nicht einmal Bescheid gegeben, dass ich noch einmal nach Hause komme… Ich war sicher, dass du im Büro bist. Ich wollte alles vorher vorbereiten und dich später überraschen. Es tut mir leid. Ich bin wirklich ein Idiot.“

Auch die Frau erhob sich vom Tisch. Erst jetzt, als Katharina sie richtig ansah, erkannte sie Julia, ihre Freundin. Julia lächelte verlegen und wirkte, als wüsste sie nicht, ob sie lachen oder sich entschuldigen sollte.

„Kathi, wir wollten dich wirklich nicht erschrecken“, sagte sie. „Das Ganze war Martins Idee. Dein Mann ist einfach ein hoffnungsloser Romantiker.“ Sie deutete auf die Tickets, die noch offen auf dem Tisch lagen. „Wir wollten dir wirklich nur einen schönen Geburtstag bereiten.“

Katharina sagte zunächst nichts. Sie sah ihren Mann an. In seinem Blick lag ehrliche Schuld, und in seinen Händen hielt er noch immer die alten Fotos. Erst jetzt begriff sie vollständig, warum er ausgerechnet diese Aufnahmen ausgewählt hatte. Darauf sah sie glücklich aus, frei, beinahe sorglos. Kein angespannter Blick, keine Müdigkeit, keine Gedanken an den nächsten Abgabetermin. Damals hatte sie einfach lachen können, ohne gleichzeitig im Kopf eine Liste unerledigter Aufgaben durchzugehen. Auf diesen Bildern war sie nicht die pflichtbewusste Buchhalterin, die immer alles im Griff haben musste. Sie war einfach Katharina.