Karma wurde heiß auf dem LKW-Parkplatz serviert

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Karma wurde heiß auf dem LKW-Parkplatz serviert

Seit fünfzehn Jahren serviere ich Speisen im „Tavern bei Nikolai” und arbeite in der Nachtschicht, wo der Kaffee immer stark ist und die Gesellschaft… nun, sagen wir mal so, dass man hier die unterschiedlichsten Menschen trifft. Hier kann man alle treffen – Fernfahrer mit tausend Geschichten, müde Reisende und diejenigen, die gar nicht zum Essen hereinkommen.

In dieser Nacht glänzten die Straßen vom kürzlichen Regen, und die Luft war erfüllt vom Duft frisch gebrühten Kaffees und gebratenen Specks. Ich wischte gerade die Theke ab, als ein älterer Mann leise wie ein Schatten das Lokal betrat.

Er war klein, dünn, etwa 65 Jahre alt und hatte ein Gesicht, das mit Falten übersät war wie eine Landkarte seines gelebten Lebens. Er bewegte sich langsam und selbstbewusst wie ein Mensch, der in seinem Leben mehr durchgemacht hatte, als ihm zustehte. Er setzte sich ans Fenster, bestellte ein Stück Apfelkuchen und ein Glas Milch.

Ich war gerade dabei, die Kaffeekanne zu füllen, als die Tür wieder plötzlich aufsprang und drei Männer hereinkamen. Ich kannte diese Typen – Lederjacken, lautes Lachen, freche Grinsen und das Gefühl, dass ihnen die ganze Welt gehört. Sie waren nicht zum Essen gekommen. Sie wollten eine Szene machen.

Sie gingen zur Theke und begannen sofort mit ihrer Show – laute Witze, Gelächter, taktlose Kommentare. Dann bemerkte einer von ihnen – ein kräftiger Mann mit Bart und harten Gesichtszügen – den alten Mann am Fenster. Er grinste und kniff die Augen zusammen:

„Schaut mal, dieser Opa sitzt hier ganz allein und trinkt Milch wie ein Schuljunge.“

Innenraum eines amerikanischen Western-Log-Cabin-Restaurants mit Steinkamin, Hirschkopf-Trophäe, eingelegtem Gemüse und Bildern an der Wand.

Ich wollte schon eingreifen, aber der alte Mann seufzte nur, holte ein paar zerknitterte Geldscheine aus seiner Tasche, legte sie auf den Tresen und stand ruhig auf. Er zog langsam seine Jacke zurecht, zog seine Mütze tiefer ins Gesicht und ging schweigend hinaus in den Regen.

In mir kochte es. Das war so ungerecht, dass ich diese Idioten am liebsten angeschrien hätte. Die Gangster grinsten immer noch, bis sich der Bärtige zu mir umdrehte und mit einem Grinsen sagte:

„Was für ein Loser, was? Hat nicht einmal versucht, sich zu wehren.“

Ich lächelte nur.

„Und als Lkw-Fahrer war er auch nicht gerade der Beste.“

Das Lachen verstummte sofort.

„Was soll das heißen?“, runzelte der Anführer die Stirn.

Ich nickte schweigend in Richtung Fenster.

Meals at the inn

Es dauerte einen Moment, bis sie begriffen, was passiert war. Ihre Motorräder – drei auf Hochglanz polierte Schönheiten, die sie offensichtlich verehrten – waren nun nur noch Haufen von verbogenem Metall unter den Hinterrädern eines riesigen Lastwagens, der bereits am Horizont verschwand.

Die Farbe wich aus ihren Gesichtern. Der Anführer stürzte als Erster zum Ausgang, gefolgt von seinen beiden Komplizen. Sie rannten hinaus in den Regen und blieben vor den Haufen verbogenen Schrotts stehen, während im Imbiss anerkennendes Gelächter zu hören war.

Der alte Fernfahrer Mark, Stammgast im „Traktor“, hob seine Kaffeetasse zu einem stillen Toast.

„Auf diejenigen, die keine leeren Worte machen“, murmelte er.

Dunkles, stimmungsvolles Interieur einer mittelalterlichen Taverne mit Speisen und Getränken auf den Tischen, brennendem Kamin, Kerzen und Tageslicht, das durch ein Fenster fällt. 3D-Rendering.

Ich lächelte und kehrte an meine Arbeit zurück. In der Snackbar herrschte ein angenehmes Gefühl der Gerechtigkeit. In solchen Nächten versteht man: Karma ist ein Gericht, das manchmal direkt auf einer heißen Pfanne serviert wird.